Sein Doppeljubiläum feiert Starnbergs evangelischer Pfarrer Dr. Stefan Koch allein auf der Bank vor der Kirche und mit Eulenspiegel-Kappe.
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Sein Doppeljubiläum feiert Starnbergs evangelischer Pfarrer Dr. Stefan Koch allein auf der Bank vor der Kirche und mit Eulenspiegel-Kappe.

Evangelische Kirche

Mit der Eulenspiegel-Kappe sagt sich manches leichter

  • vonAndrea Gräpel
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Starnbergs evangelischer Pfarrer Dr. Stefan Koch hatte die Wahl: entweder Clown oder Eulenspiegel. Beide Kostüme hat er im Schrank. Zu seinem Doppeljubiläum wählte der 55-Jährige den Eulenspiegel. Die Kappe ist seiner Kirchengemeinde nicht unbekannt, das ein oder andere Mal trug er sie schon auf der Kanzel. Am Sonntag setzte er sie wieder auf, setzte sich auf die Bank vor seiner Kirche und schaltete die Videokamera ein. Er hatte Grund zu feiern.

Starnberg – Auf den Tag genau vor sechs Jahren war er 2014 nach Starnberg an die Friedenskirche gekommen. Und ebenfalls auf den Tag genau, aber schon vor 25 Jahren wurde er in der Ingolstädter Matthäuskirche am damaligen Buß- und Bettag zum Pfarrer ordiniert.

„Über mich kann ich und muss ich oft lachen“, sagt Koch. Zum Doppeljubiläum wollte er deshalb ebenso launig daherkommen. Wenn er aus coronabedingten Gründen schon nicht mit seiner Gemeinde feiern durfte, dann wollte er sich wenigstens öffentlich den Spiegel vorhalten – und wurde doch ganz ernst. Sowohl in der Zehn-Punkte-Liste des Erreichten, als auch in der Liste dessen, was er sich für die Kirchengemeinde Starnberg noch wünschen würde. All diese Punkte zählt er in einem 19-minütigen Video auf, das er ins Internet hochgeladen hat und zu dem man auf seiner homepage www.pfarrer-dr-koch.de verlinkt werden kann.

Im Video erinnert sich Koch aber auch zurück an seine Anfänge in Starnberg, als man ihn am ersten Tag für einen Praktikanten hielt, als der Kirchenvorstand es dann froh über ihn gewesen sei, als er keine Ansprüche auf eine Wohnung stellte, weil er ohnehin nicht besser wohnen könnte als in der Himmelreichstraße 2 in München, direkt neben dem Eisbach und in Verlängerung zur Paradiesstraße. Fast vier Jahre pendelte Koch, bevor er nach dem Abschied seines Vorgängers Hans Martin Schroeder ins Pfarrhaus zog. Er muss den 15-Minuten-Mittagsschlaf, den er nach eigener Aussage braucht, um seine gute Laune zu behalten, also nicht mehr auf dem Fußboden im Büro oder im Gras hinter der Kirche halten, sondern kann sich gemütlich auf seine Couch legen.

„In normalen Zeiten hätte ich gefeiert“, versichert er dem Zuschauer. Stattdessen besinnt er sich nun auf Dinge, die ihm in Starnberg wichtig sind. Wie erwähnt, wählt er zehn aus, eigentlich seien es viel mehr. Nummer fünf sind übrigens die Videogottesdienste. „Auf die hätten wir auch ohne Corona schon längst kommen sollen“, sagt er begeistert. Dabei ist ihm der persönliche Kontakt so wichtig, Besuche stehen nämlich an Nummer eins.

Koch gibt aber auch einen Ausblick darauf, was er noch schaffen möchte – darunter zum Beispiel „eine kuschelige Kinderkirche hinten in der Ecke“ der Friedenskirche. Und Koch wünscht es sich bunt, ganz wörtlich gemeint, aber auch in der religiösen Vielfalt. Dies gerne mit ihm und weitere zwölf Jahre, so lange könnte er Pfarrer in Starnberg bleiben. Da ihm Kontinuität am Herzen liegt – warum nicht?

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