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An der S-Bahn ist es geschehen: David Müller (17) wurde sein iPhone 7 nach einer Party versehentlich oder wissentlich entwendet. 

Mit fieser Masche reingelegt

David jagt seinem Handy hinterher

Erst gefeiert, dann bestohlen: David Müller aus Seefeld wollte nach einer Party einem anderen helfen und lieh ihm kurz das Handy – und sah es nicht wieder. Seither versucht der 17-Jährige, den Jugendlichen zu finden.

Seefeld/Steinebach – Tatort: Bahnhof Steinebach in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens. Ein Jugendlicher fragt am Bahnhofsteig David Müller aus Seefeld: „Darf ich mal Dein Handy haben, damit ich meine Mutter anrufen kann?“ David will helfen, er gibt ihm sein iPhone 7 – der andere nimmt es, rennt los und springt in die S-Bahn, die kurz darauf in Richtung München abfährt. Der 17-Jährige versucht sofort, das Handy mit einem iPhone eines Freundes zu orten. Ohne Erfolg: Es ist schon ausgeschalten. Wohl ganz bewusst, denn der Akku ist zu diesem Zeitpunkt noch 50 Prozent voll, sagt Müller. Ein Versehen scheint es nicht unbedingt gewesen zu, und mit dem Vorfall begann Davids Kampf um sein iPhone.

Bestohlener verspricht sogar Finderlohn von 150 Euro

„Hallo Unbekannter“, schreibt der Seefelder Schüler in einem Flyer, den er von Steinebach bis Gilching an jedem Bahnsteig aufhängt. Er geht nicht von Absicht aus: „Ich war auf der Jugendhaus-Party in Steinebach und habe Dir mein Handy zum Telefonieren ausgeliehen. Deine S-Bahn kam und Du vergaßt, mir mein Handy zurückzugeben. Für dieses Handy musste ich zehn Monate Zeitungen austragen...“ Der Bestohlene verspricht dem Unbekannten darin sogar einen Finderlohn von 150 Euro. „Ich hatte gehofft, dass er sagt: Hey! Ich hab‘ ein schlechtes Gewissen“ – und ihm sein Eigentum wiedergibt. Stattdessen rufen ein paar Witzbolde bei ihm an und behaupten, sie hätten das Mobiltelefon gefunden. Auf die Frage, welche Hülle es habe, lachen sie hämisch und legen auf.

Bei dem kuriosen Vorfall staunte selbst der Polizeibeamte

Der Vorfall ist jetzt bald zwei Wochen her und als unsere Zeitung aufgrund des Flyers bei David anruft, ist bei dem Buben bereits der letzte Hoffnungsschimmer erloschen, das hart erarbeitete Stück wiederbekommen. Dabei habe der vermeintliche Dieb einen „total netten Eindruck“ gemacht. „Ich hatte ihn auf der Party kennengelernt und mit ihm geplaudert“, erinnert sich der Montessori-Schüler. „Er war ungefähr in meinem Alter und sagte, er komme aus Gilching.“ Dann verlieren sie sich aus den Augen und treffen sich vor besagter S-Bahn wieder. „Vielleicht war er ja einfach so betrunken, dass er nicht geschalten hat, als er mit dem Handy weggerannt ist“, glaubt der junge Mann - der unterdessen den Quali in der Tasche hat und nach einem sozialen Jahr gerne bei Saturn eine Ausbildung anfangen möchte – immer noch ans Gute. 

Auf jeden Fall sei er erst mal „baff“ gewesen. Dann habe er von einer Telefonzelle aus die Polizei angerufen und gleich am nächsten Tag in Herrsching „Anzeige gegen unbekannt“ erstattet. Das komme öfter vor, bestätigt ihm der dafür zuständige Beamte. „Aber so krass hätten sie das noch nie erlebt“. Und: „Die Chance, das Handy wiederzufinden, ist ungefähr so groß, wie im Lotto zu gewinnen.“ Orten dürften die Ordnungshüter es nämlich nicht, sagt man ihm.

David investierte seine mühsam gesparten 900 Euro

Aus Müllers Freundeskreis kennt den Partybesucher auch niemand. Resigniert telefoniert der Seefelder jetzt mit dem von seinem Taschengeld gekauften gebrauchten Samsung. Dabei hatte er den Job als Zeitungsausträger nur angenommen, damit er sich diesen großen Wunsch erfüllen kann. Am Tag, an dem das neueste iPhone herauskam, fuhr er los und investierte die gesparten 900 Euro.

Jetzt ist es weg – obwohl der andere eigentlich nichts damit anfangen könne: „Ich habe es sofort gesperrt.“ Aber nach dem Interview glimmt ein Hoffnungsschimmer in David Müller auf, sein iPhone vielleicht doch irgendwie wiederzubekommen. Wer helfen will, kann sich auch an redaktion@starnberger-merkur.de wenden.

Von Michèle Kirner

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