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Müll und Rücksichtslosigkeit: Wegen zahlreicher Beschwerden patrouilliert nun ein Sicherheitsdienst am See

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Von: Peter Schiebel

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Sebastian Führlinger (l.) und Freddy Kammerlocher von Mozart Security am Freitag am Steininger Grundstück. Der Sicherheitsdienst ist von der Stadt beauftragt, am Seeufer nach dem Rechten zu sehen. © Stefan Schuhbauer-von Jena

Seit einer Woche soll er für Ordnung sorgen: Am Steininger Badegelände ist seit einer Woche ein Sicherheitsdienst im Einsatz.

Starnberg – Laute Musik, Alkohol, jede Menge Müll und sogar einige Schlägereien: Die Beschwerden über die Zustände am Steininger Badegelände häufen sich. Die Stadt hat nun einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, um dort und auch auf der Seepromenade nach dem Rechten zu sehen. Seit gut einer Woche ist er im Einsatz, absolviert jetzt das zweite Wochenende. Der Starnberger Merkur hat mit den handelnden Stellen gesprochen.

Die Stadt

Rathaussprecherin Lena Choi berichtet von „vielen Bürgern“, die in den vergangenen Wochen im Rathaus angerufen und sich über das Müllproblem beschwert hätten. Zwar sei das Steininger Grundstück mit ausreichend Müllbehältern bestückt – „allerdings scheint der Weg manchmal zu weit zu sein“, sagt Choi. Pizzaschachteln, Flaschen jeder Art, Zigarettenstummel und jede Menge anderer Unrat seien oft über die Wiese verteilt. Obwohl die Stadt in den vergangenen Wochen extra größere Mülleimer aufgestellt habe, würden diese nicht oder nur wenig genutzt.

„Am Wochenende ist die Verunreinigung deutlich extremer als unter der Woche“, sagt Choi. „In der Regel benötigt unser Müllfahrer unter der Woche täglich etwa eine Stunde, samstags und sonntags je zwei Stunden, um den Dreck zu beseitigen.“ Wohlgemerkt nur am Steininger Grundstück.

Besonders heftig: „Sehr häufig werden Flaschen kopfüber in den Boden gedrückt und dann der aus dem Boden herausstehende Teil der Flasche abgeschlagen, sodass die Glasspitzen aus dem Rasen herausstehen und Glasscherben im Gras liegen“, erklärt Choi. Und das in einem Bereich, in dem viele Menschen naturgemäß barfuß laufen. Oft würden sich in den Abendstunden Gruppen von 15 bis 20 Jugendlichen auf dem Badegelände treffen. Mit ihnen sollen jetzt die zwei hauptamtlichen Streetworker der Stadt Kontakt aufnehmen, was naturgemäß aber ein eher längerer Prozess sein dürfte. Kurzfristig verspricht sich die Stadt vom Einsatz des Sicherheitsdienstes eine Entspannung. „Die Mitarbeiter sollen Präsenz zeigen, die Jugendlichen ansprechen und Verständnis wecken“, sagt Choi.

Der Sicherheitsdienst

Beauftragt ist die Firma Mozart Security, die in Starnberg zum Beispiel auch beim Eiszauber und beim Stadtfest im Einsatz ist. „Wir sind vom Bürgerpark bis zum Steininger Grundstück unterwegs“, erklärt Adi Gabor, der Gebietsleiter Bayern des Sicherheitsunternehmens. Das Hauptproblem entlang des Seeufers stelle aber „leider“ das Badegelände dar, sagt er – und da vor allem „Müll und Rücksichtslosigkeit“. Die Probleme würden im Laufe eines Tages zunehmen. So sei es mit einer Bitte, die Musik leiser zu stellen oder den Müll wegzuräumen, am Nachmittag vielleicht noch getan. Je später der Abend und je höher der Alkoholpegel desto öfter müssten die Sicherheitsleute diese Bitte aber wiederholen. Hinzu kämen dann auch vereinzelte verbale und tätliche Auseinandersetzungen.

„Viele Jugendliche sind dann sehr stark alkoholisiert“, sagt Gabor. Darunter seien auch junge Leute, die bestimmt noch keine 16 Jahre alt seien. Er findet die Entwicklung äußerst schade, weil das Steininger Grundstück sehr schön sei. Alle über einen Kamm scheren will der Sicherheitsfachmann nicht: „Ein Teil der Jugendlichen räumt auf, ein anderer Teil nicht“, sagt er. Auffällig sei, dass es sich beim Feiervolk dort vornehmlich um Einheimische handele – „von 14, 15 Jahren bis Anfang 20“. Mit der Polizei arbeite das Unternehmen im Übrigen „gut und eng“ zusammen.

Die Polizei

Von einem Schwerpunkt für die Polizei wollen Starnbergs stellvertretender Inspektionsleiter Frank Brosch und der Sachbearbeiter Einsatz, Kai Motschmann, nicht reden. Viele Kleinigkeiten gebe es aber schon, sagt Motschmann. So sind seit 1. Mai bei der Polizei auf dem Steininger Grundstück ein Diebstahl, zwei Körperverletzungen, zwei Ruhestörungen und eine sonstige Streitigkeit aktenkundig geworden. Im selben Zeitraum des Vorjahres sei es lediglich eine Ruhestörung gewesen, erklärt Motschmann. Er warnt jedoch davor, die Zahlen eins zu eins zu vergleichen. Das Wetter und die Auswirkungen der Corona-Pandemie machten einen Vergleich schwer.

Überhaupt Corona: Weil Clubs, Bars und andere Lokalitäten nach wie vor geschlossen haben, würden sich junge Leute vermehrt draußen treffen, sagt Brosch. Auch mit der Folge, dass die eine oder andere soziale Kontrolle dadurch wegfalle. „Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten am Steininger Grundstück zu sein“, sagt Brosch. Allerdings müsse die Polizei auch andere Örtlichkeiten rund um den See im Blick behalten.

Die Politik

CSU-Stadtrat Matthias Frühauf hatte das Thema diese Woche im Stadtrat kurz angesprochen. Er wisse von „Berichten, dass es dort ziemlich zugeht“, sagt er jetzt.

„Ich habe Verständnis dafür, dass man dort Party macht“, sagt Frühauf. Er selbst habe das vor Jahren auch getan. Aber: „Wir haben weder Flaschen in den See geschmissen noch Müll liegen gelassen.“ Das müsse aufhören. Die Beauftragung des Sicherheitsdienstes findet er deswegen gut, gleichzeitig würde er sich aber einen noch stärkeren Einsatz der Streetworker wünschen. „Kontrolle ist das eine, wir sollten aber auch präventiv auf die jungen Leute zugehen.“

Dass mehr Jugendliche am See feiern, ist für Frühauf eine logische Folge – auch ohne Corona-Beschränkungen. Zu seiner Zeit habe es noch Discos und Kneipen wie „Klappe“, „Costa“, „Beachclub“ oder den Irish Pub gegeben. „Da konntest du als Jugendlicher in Starnberg noch irgendwo hingehen.“ Das sei heute kaum mehr möglich.

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