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Pflege in Corona-Zeiten erfolgt mit Handschuhen - wenn welche zur Verfügung stehen. 

Einrichtungen im Landkreis Starnberg

Mundschutz-Not und Reservetruppen: So ist die Lage in den Pflegeheimen

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Pflegekräfte im Landkreis Starnberg kommen mit den besonderen Bedingungen in Corona-Zeiten bisher relativ gut zurecht. Sorgen bereitet aber vor allem die Knappheit der Schutzausrüstung.

Landkreis – „Unsere größte Herausforderung ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Und das gelingt uns recht gut“, sagt Armin Heil, Leiter der Ambulanten Krankenpflege Tutzing. Um die Ansteckungsgefahr zu senken, ist die Tagespflege im Quinthaus derzeit geschlossen. Die Krankenpflege bietet allerdings eine Notbetreuung an. „Das ist richtig und notwendig für die Menschen, die keinen Angehörigen mehr haben“, erklärt Heil. Die Notbetreuung nehmen fünf bis sieben Patienten in Anspruch.

Heils größte Sorge ist die Beschaffung von professionellem Mundschutz und Schutzkleidung. Die Masken selbst zu nähen, komme nicht in Frage: „Erstens haben wir keine Näherinnen, und zweitens ist das allenfalls eine homöopatische Lösung, die unsere Patienten nicht beruhigt.“ 50 Stück Mundschutz habe ihm eine Firma geschenkt – eine dankenswerte Geste, aber im professionellen Einsatz eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Vom Katastrophenschutz, der für die Beschaffung zuständig sei, erwartet Heil noch eine Antwort.

Lob spricht der Geschäftsführer den 98 Pflegekräften aus: „Die machen in diesen schwierigen Zeiten ihre Arbeit sehr, sehr gut.“ Wegen der Schließung der Tagespflege ließen sich Ausfälle im ambulanten Bereich kompensieren: „Das Miteinander ist hervorragend.“ Die Mehrzahl der Patienten habe Vertrauen zu den Pflegekräften. Wer Angst vor Ansteckung hat, gebe den Pflegern schon mal einen Korb, wahre dabei aber meist die Form. Der höfliche Rauswurf klingt laut Heil dann so: „Ich komme derzeit alleine zurecht.“

„Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“

In den beiden für Besucher gesperrten Einrichtungen des Rummelsberger Stifts in Starnberg und Söcking (80 und 130 Bewohner) ist es gerade besonders ruhig. Im auf Demenzerkrankte spezialisierten Starnberger Haus wird die Post nur am Hintereingang angenommen, das Personal wechselt nicht zwischen den Wohnbereichen, um die Durchmischung so gering wie möglich zu halten. Übergaben erfolgen mit größtmöglichem Abstand. „Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Einrichtungsleiter Frank Hörmann. Damit den Bewohnern im beschützenden Bereich nicht langweilig wird, gibt es weiterhin Programm.

Auch die Söckinger Bewohner dürfen im hauseigenen Park an die frische Luft. Viele Kurse fallen aus, bis auf Gymnastik und Gedächtnistraining. Letztere finden allerdings in der Kapelle statt, da dort mehr Platz ist. Insgesamt zeigten die Bewohner großes Verständnis dafür, dass sie keinen Besuch bekommen könnten. Ein paar Angehörige seien jedoch uneinsichtig und pochten auf ihr Besuchsrecht, berichtet Einrichtungsleiterin Edith Maruska. Die Mehrheit sei jedoch solidarisch und liefere Pakete an den Eingang. Besonders beeindruckte Maruska eine Angehörige, die sich bei ihr meldete, um ihr Mut zuzusprechen. Sie habe als Krankenschwester ihre Hilfe im Notfall angeboten.

Ein klarer Vorteil sei, dass viele Pflegekräfte auf dem Gelände wohnen. Um so selten wie möglich raus zu müssen, gehe immer nur eine Person einkaufen, die vorher Einkaufszettel der Kollegen einsammelt. Das mit dem Abstandhalten sei in der Pflege kaum machbar. „Viele schwer Pflegebedürftige müssen zu zweit gepflegt werden“, sagt Maruska. Und Mundschutzmasken habe die Einrichtung auch keine mehr.

Berührungsängste gibt es, aber die Lage sei „gefasst und konzentriert“

Jeweils einen Corona-Verdachtsfall, der sich aber nicht bestätigte, gab es im BRK-Schloss Garatshausen und im Gilchinger Rotkreuzhaus. Kreisgeschäftsführer Jan Lang berichtet zudem von Vorsichtsmaßnahmen: „Wir schulen Reservetruppen“ – für grundpflegerische und auch für Hausmeister-Tätigkeiten. Haupt- und Ehrenamtliche, die derzeit wenig zu tun haben, hätten sich bereiterklärt, andere Aufgaben zu übernehmen – zum Beispiel Wasserwachtler oder jene, die normalerweise die BRK-Kindergärten mit Essen versorgen.

Berührungsängste gibt es laut Lang schon, das Klima sei insgesamt aber „gefasst und sehr konzentriert“. Pflegekräfte tragen bei intensivem Kontakt mit Bewohnern (zum Beispiel beim Waschen) Mundnasenschutz und Handschuhe. Oder auch im Umgang mit Demenzkranken, die nicht so einfach Aufforderungen nachkommen. „Aber wir können nicht immer damit rumlaufen“, sagt Lang. Die Schutzausrüstung sei rationiert. Er hofft auf die Versprechung des Sozialministeriums, dass es über das THW-Hilfswerk weitere Masken, Anzüge und Co. gibt. Soziale Aktivitäten und die Möglichkeit, Besucher zu empfangen seien Grundpfeiler des Alltags in Pflegeheimen, die nun komplett wegfallen. Lang: „Die Allermeisten haben das verständnisvoll aufgenommen.“

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