„Corona Home Concert“ nennen The Yaks ihr Youtube-Format.
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„Corona Home Concert“ nennen The Yaks ihr Youtube-Format. Die Musiker im Uhrzeigersinn von links oben: Martin Koller (Schlagzeug), Peter Schuhman (Keyboard, Gitarre) sowie die Brüder Hubertus (Gesang, Gitarre) und Winfried Wobbe (Bass). In diesem Video covern sie „Death of a Clown“ von Dave Davies.

„The Yaks“

Musiker allein daheim, aber im Video vereint

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Der Bildschirm ist immer durch vier geteilt: Die älteren Herren sitzen wahlweise am Klavier in der Ecke, am Schlagzeug vor einem Vorhang, mit der Gitarre auf dem Sofa oder auch mal mit dem Bass im Strandkorb im Garten. Alle schauen sie, so freundlich es bei voller Konzentration eben geht, in eine Kamera.

Starnberg – Die Rede ist von den Mitgliedern der Band „The Yaks“. In den 1960er Jahren haben sie sich nach einer Rinderart benannt. Es waren Zeiten, in denen es in Starnberg Beat-Veranstaltungen ohne Ende gab. Die Yaks hatten im Jahr 1969 rund 50 Auftritte in Stadt und Region – und die neuesten Songs der Beatles, Stones oder Kinks oft sehr schnell im Repertoire. Sie hörten sich die Akkorde und Melodien aus dem Radio raus. Mithilfe von Tonbandaufnahmen.

Heute – in digitalen und Krisen-Zeiten für Musiker – produzieren sie Videos, die sie „Corona Home Concert“ nennen. „Für uns Ältere ist das nicht so leicht umzusetzen“, sagt Winfried Wobbe, bekannt als langjähriger Gymnasiallehrer, Stadtrat, Volksmusikant in Wangen und Bassist der Starnberger Kult-Cover-Band. Wobbe ist 73, sein Bruder Hubertus (Gesang, Gitarre) 70 und Schlagzeuger Martin Koller 72 Jahre alt. Nur den Keyboarder und Gitarristen Peter Schuhmann nennen sie liebevoll „Junior“. Er ist schließlich erst 65. Auf Basis des Original-Songs hätte jeder daheim für sich sein Instrument eingespielt, erzählt Wobbe. Eine Herausforderung für den vorwiegend live spielenden Musiker: „Beim ersten Mal habe ich fünf Versuche gebraucht. Die Atmosphäre ist steril, auf der Bühne spielt man dagegen locker drauf los.“ Die Aufnahme schickten die Männer dann an Hubertus Wobbe, der Bilder und Töne dann in einem Video vereinigte. Drei Stücke sind bisher online (unter „The Yaks“ auf Youtube): „Looking out my Backdoor“ und „Lodi“ von Creedence Clearwater Revival und „Death of a Clown“ von Dave Davies. Wie man so eine große Datei digital versendet, habe er sich erst mal von seinen Söhnen zeigen lassen müssen, berichtet Bassist Wobbe.

Nach zwischenzeitlichen Lockerungen im Sommer dürfen sich derzeit weder Blaskapellen noch Bands zum Proben treffen. Das geplante Konzert der Yaks in der Schießstätte (Wobbe: „Unsere zweite Heimat“) wurde im Frühjahr abgesagt, und auf Herbst verschieben ging auch nicht. So kam es, dass sich die vier Männer eine Alternative einfallen ließen. „Wir wollten unseren Anhängern ein Lebenszeichen schicken“, sagt Wobbe.

Dafür haben sich die Yaks schon mal 35 Jahre Zeit gelassen. Nach unzähligen Auftritten Ende der 1960er, regelmäßig vor 150 Leuten, löste sich die Band 1970 auf – vor allem wegen „musikalischer Meinungsdifferenzen“, wie der Homepage zu entnehmen ist. Der eine fand Gefallen an der Tanzmusik, der andere am Hard Rock. Winfried Wobbe war es, der die Gruppe 2005 wieder zusammentrommelte. Es folgte ein großes Revival bei der Starnberger Rocknacht in der Schlossberghalle.

Die „Corona Home Concerts“ seien kein wirklicher Ersatz für die echten Gigs draußen oder im Saal. „Aber uns macht das richtig viel Spaß“, schwärmt Bassist Wobbe. An die 500 Aufrufe hatten die Videos bis gestern. Knapp 200 Fans erreiche man über einen E-Mail-Verteiler. Das vierte Video sei schon im Kasten, und auch für das fünfte und sechste stehen schon die Songs fest.  gma

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