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Die Wasserwacht zog das vollgelaufene Übungs-Boot aus dem Wasser, die Besatzung ist wieder wohl auf.

Wasserwacht

Nach der dramatischen Rettung: Schwimmwesten im Winter keine Pflicht

Starnberg - Der Münchener Ruder-Club (MRC) ist vom Unglück verfolgt. Elf Monate nach dem tragischen Tod eines 13-Jährigen im Starnberger See muss der Verein wieder einen Unfall aufklären.

Die Verantwortlichen des MRC bekamen gestern viele Fragen gestellt. Vor allem mussten sie erklären, wie es möglich ist, dass vier Ruderer ohne Schutzkleidung und Rettungswesten im Winter auf dem See unterwegs sind? „Ich war schon baff, diese Beratungsresistenz erstaunt mich sehr“, sagte gestern Starnbergers Polizeichef Bernd Matuschek mit Blick auf das Unglück im April 2015. Damals war bekanntlich ein 13-jähriger Ruderer bei einer Trainingsfahrt verschwunden und erst Tage später tot im See gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Betreuer erhoben.

Diesen Sonntag konnte zum Glück Schlimmeres verhindert werden: Eine 31-jährige Münchnerin sowie drei Münchner (22, 32 und 35 Jahre) waren am Vormittag mit einem Trainingsboot auf den See gefahren, keiner trug eine Rettungsweste. Der Vierer lief voll, das mitgenommene Handy rettete der Besatzung das Leben: Die Retter waren innerhalb einer Viertelstunde an der Unglücksstelle und zogen die unterkühlten Ruderer aus dem vier Grad kalten Wasser (wir berichteten).

Polizeichef Matuschek erklärte gestern, dass es allen wieder gut gehe. Nur die stark unterkühlte Frau war nach seinen Informationen noch in der Klinik. An der Unglücksursache ist die Polizei brennend interessiert, laut Matuschek will auch die Staatsanwaltschaft mehr wissen.

Die Verantwortlichen des MRC nehmen ihre Sportler in Schutz. „Die Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt des Vorfalls zeigten sich als für den Ruderbetrieb nicht optimal, aber im Grundsatz ruderbar“, heißt es in einer Stellungnahme. Eingeräumt wird aber, dass es die Mannschaft versäumt hatte, eine Bootsabdeckung anzubringen, die vor Wellengang schützt: „So kam es zur Übernahme von Wasser aufgrund von Wellengang und zum Vollschlagen des Bootes.“

Wenn es das Wetter zulässt, wird nach Vereinsangaben auf dem See auch im Winter trainiert. So war der MRC nicht der einzige, der am Sonntag auf dem See unterwegs war. „Unsere Leute waren auch draußen“, berichtet Thomas Thallmair, Ruderwart beim Münchener Ruder- und Segelverein (MRSV). Wie beim MRC auch wurde in so genannten Gig-Trainings-Schiffen gerudert, die breiter und somit sicherer sind als klassische Rennboote. Dass von den MRC-Kollegen nur einer einen Neoprenanzug getragen hatte, wundert den MRSV-Ruderwart nicht: „Die engen einen ein, damit kann man nicht rudern“, weiß er. Rettungswesten seien aber „immer gut“, fügt er hinzu. Zwingen, die Westen zu tragen, könne der Verein seine Mitglieder aber nicht. „Wir können nur Empfehlungen aussprechen“, bedauert Thallmair.

Beim MRC ist das nicht anders: Für den verunglückten Bootstyp seien „am Körper getragene Rettungsmittel empfohlen, aber nicht vorgeschrieben“, heißt es in der Stellungnahme des Vorstands. Für kleinere Boote für eine oder zwei Ruderer bestehe diese Vorschrift aber sehr wohl.

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