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Zeichen des Respekts: Katrin H. kam noch einmal nach Percha, um den geschundenen Igel zu begraben.

Nach Tierquälerei

Begräbnis für einen geschundenen Igel

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Starnberg - Katrin H. kümmert sich rein privat und ohne großes Aufhebens um Tiere in Not. Am Freitag hat sie den zu Tode gequälten Igel aus Percha beerdigt. 

„Ich bin die Igel-Frau“, sagt Katrin H. – und man meint, sie lächelt am anderen Ende der Leitung. Drei Tage zuvor hat sie vor der Seestub´n Percha den schlimmsten Fund ihres Lebens gemacht. Ein Igel, erdrückt von dem Fuß einer Bierbank. Heute möchte sie ihn begraben. „Ich habe gestern Nacht nicht geschlafen“, berichtet die 52-Jährige. „Ich habe mir überlegt: wann, wo wie.“ 

"Lockeres Erdreich, Laub darauf. Das mögen Igel"

Am Freitagmorgen holt sie einen Spaten und macht sich auf zum Starnberger See. Nach ihrem Fund am Dienstag hat sie den Igel in einen Busch gelegt: „Ich wollte ihn nicht in die Mülltonne schmeißen.“ Jetzt holt sie das Tier behutsam hervor. Es spielt sich alles noch einmal in ihr ab. „Igel können ganz niedliche Geräusche machen, brummen“, sagt sie. „Aber sie können auch schreien. Er muss lange geschrien haben.“ Der grausame Igel-Fund, der Schock, die Bilder: Katrin H. möchte das Thema, das sie in den vergangenen Tagen so umtrieb, mit der Beerdigung abschließen. „Das ist eine schöne Stelle“, sagt sie dann. „Lockeres Erdreich, Laub darauf. Das mögen Igel.“ 

Als sich H. dann mit ihren beiden Hunden wieder auf den Spazierweg am See aufmacht, wirkt sie beruhigt. Viel Zeit hat die 52-Jährige eigentlich nicht. Die Schäftlarnerin singt im Chor an der Bayrischen Staatsoper. Zwei Mal am Tag stehen Proben an. „Ich fahre jeden Tag 120 Kilometer.“ Doch nach dem Igel-Fund ging es los. Ihre Nachricht schlug hohe Wellen im sozialen Netzwerk Facebook. Wie viele Nachrichten und Freundschaftsanfragen bei ihr eingegangen sind – sie hat aufgehört zu zählen: „Ich werde wohl ein halbes Jahr brauchen, um alle Nachrichten zu beantworten.“ Ihr Handy klingelt. Ein privater Fernsehsender möchte mit ihr eine Geschichte machen. „Ich stehe aber nicht gerne in der ersten Reihe“, sagt sie.

Katrin H. hat dreibeinigen Hund bei sich aufgenommen

So kümmert sie sich auch rein privat um die Vermittlung von Tieren. Im September 2012 fing alles an. Katrin H. sollte für eine Freundin als Flugpatin eine blinde Katze aus dem Griechenland-Urlaub mitbringen. „Im Oktober hatte ich dann eine eigene Katze.“ Hinzu kamen noch zwei Hunde. Beide, Lava und Simos, wurden misshandelt. Simos wurde ein Bein abgeschnitten. Er musste lernen. Erst das Laufen, dann, wieder Vertrauen zu Menschen zu fassen. Die Tierfreundin freut sich, wenn Simos einem geworfenen Ball hinterher wetzt. Lava spurtet auf Anweisung um eine Baumgruppe. 

Schöne Momente – doch Katrin H. bekommt durch ihre Vermittlung von misshandelten Tieren vor allem die Schattenseiten mit. Die 52-Jährige ärgert sich, wie gering die Strafen für Tierquäler ausfallen. Sie erinnert sich an ihre ersten Gedanken nach dem Igel-Fund: „Da habe ich auch gesagt: Wenn ich den erwische, mache ich sonstwas mit dem. Aber letztlich geht so etwas natürlich gar nicht.“ Deshalb findet sie es „schlimm“, wenn auf der Suche nach dem Täter zur Selbstjustiz ausgerufen wird. „Das schadet dem Tierschutz.“ Die Tierrechtsorganisation PETA möchte hingegen nur die Suche nach dem Täter fördern und lobt 1000 Euro für Hinweise aus, die zum Täter führen. 

Schlimme Beobachtung: Verwirrter Igel, aggressive Schaulustige

Darüber hinaus hofft Katrin H., „dass bei den Leuten ein Gefühl dafür entsteht, wie man Tieren helfen kann“. Sie kann viel berichten – und das meiste klingt nicht gut. Vor wenigen Wochen hat sie einen Igel am Wegrand entdeckt. Desorientiert, taumelnd, offenbar dehydriert. „Es hatte sich eine Traube Schaulustiger darum gebildet. Leute haben gerufen ´hau drauf´ oder ´schmeiß ihn weg´.“ Sie brachte ihn zum Tierarzt: „Wenn ich ein verletztes Tier sehe, nehme ich es mit.“ Selbst im Urlaub? Schon bald steht ein Italien-Trip auf dem Schiff an. „Wenn aber einer ganz arm dran ist, dann haben wir dort einen Schiffshund“, sagt sie und lacht.

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