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Nachtbaden ist manchmal ausdrücklich erlaubt - aber auch oft ausdrücklich verboten. 

So sind die Regeln

Nacktbaden: Nicht nur am Wörthsee verboten - Strafen bis zu 2500 Euro

Das waren Zeiten in den 1970er Jahren, als die Nackertenwiese in Feldafing diesen Namen noch verdiente. Sonnenbaden oben oder unten ohne wollte der damalige Bürgermeister Klaus Buchheim nicht tolerieren. Das ist heute nicht anders: Wer sich nackt an die Seen legt, kann Probleme bekommen. Oben ohne wird dagegen toleriert.

Landkreis – Wo kein Kläger, da kein Richter. Wer im Fünfseenland nackt sonnenbaden und baden will und sich nicht gerade in ein gemeindliches Strandbad legt, kann dies vermutlich problemlos tun. Denn: Wo kein Kläger, da kein Richter. Außer in Wörthsee: Seit April gilt dort eine Badesatzung, die Strafen bis zu 2500 Euro vorsieht.

Grundsätzlich gibt es kaum Beschwerden in den Gemeinden über Nacktbadende. Wobei man Nacktbaden erst einmal definieren muss. Oben ohne zählt nicht dazu. Solange die primären Geschlechtsteile bedeckt sind, ist rein rechtlich nicht von Nacktbaden die Rede.

Bis 2013 wurde das hüllenlose Baden an den bayerischen Seen von ganz oben geregelt. Vor sechs Jahren lief die bayerische Badeverordnung aus. Seitdem können die Gemeinden selbst Regeln aufstellen. Basis dafür ist der Artikel 27, Absatz 2 Landesstraf- und Verordnungsgesetz, wie Starnbergs Stadtsprecherin Lena Choi sagt. Dort heißt es, dass Kommunen „zur Aufrechterhaltung der Sittlichkeit“ eine entsprechende Verordnung erlassen können. Starnberg sah mangels Beschwerden bisher keine Veranlassung. Aber, so Choi, die Stadt werde aktiv, falls Probleme aufträten.

In Wörthsee gilt seit diesem Jahr eine Badesatzung. „Die Satzung über die Benutzung der von der Gemeinde verwalteten Freibadeplätze, Parkanlagen und Seezugänge ist am 8. April in Kraft getreten“, berichtet Bürgermeisterin Christel Muggenthal. „Demnach ist es untersagt, sich ohne Kleidung auf der Erholungsfläche aufzuhalten.“ Wer ordnungswidrig handle, müsse mit einer Geldbuße bis zu 2500 Euro rechnen. Dermaßen bestraft wurde in Wörthsee allerdings noch niemand.

Im Gautinger Schwimmbad ist es ausdrücklich verboten, ohne angemessene Badebekleidung unterwegs zu sein. Auf den öffentlichen Flächen an den Seen gilt dagegen, dass es ohne Verordnung nicht direkt verboten ist. Aber: Wer sich von einem Nackten gestört fühlt, kann sich beschweren.

Erregung öffentlichen Ärgernisses - wenn sich einer beschwert

Etwa bei Mike Kornstaedt von der Starnberger Wasserschutzpolizei. „Erregung öffentliches Ärgernisses ist es dann, wenn sich jemand über einen Nacktbadenden beschwert“, erklärt er. „Dann liegen wir im Straftatenbereich, es kann eine Anzeige eingereicht werden und Ermittlungen können beginnen.“ Zudem könne die Polizei einen Nacktbader bitten, sich etwas anzuziehen oder sich zu entfernen.

Faktisch ist dies aber noch nie passiert. Das Landratsamt, das Uferbereiche des Erholungsflächenvereins in Kempfenhausen am Starnberger See, Oberndorf am Wörthsee, am Pilsensee, am Rieder Wald, Wartaweil und Stegen am Ammersee betreut, meldet keinerlei Vorkommnisse. „Bisher gab es nie Beschwerden“, sagt Landratsamtssprecher Stefan Diebl. „Somit gab es auch keine Notwendigkeit für eine Verordnung.“

Für das Erholungsgelände in Possenhofen am Starnberger See gilt die Grünanlagensatzung der Landeshauptstadt München. Darin heißt es: „Das Baden ohne Badebekleidung (Sonnen-, Luft- und Wasserbaden) ist außerhalb der hierfür ausgewiesenen Bereiche untersagt“, teilt die Pressestelle des Referats mit.

In Weßling ist Nacktbaden kein Thema, in Berg nicht und in Feldafing auch nicht, wie die Bürgermeister Michael Muther, Rupert Monn und Bernhard Sontheim sagen. Das war unter Sontheims Vorgänger Klaus Buchheim anders. „Es gab in den 70er, 80er Jahren Nacktbader auf der Wiese zwischen Forsthaus und Strandbad“, erzählt Sontheim. Um dem ein Ende zu setzen, habe Buchheim eine Fuhre Mist auf die Wiese kippen lassen. „Danach war eine Zeitlang Schluss mit dem Nacktbaden – aber weil es dann länger nicht regnete, roch man den Mist im Forsthaus und im Strandbad“, erinnert sich der Bürgermeister. Der Name Nackertenwiese ist geblieben, auch wenn heute dort alle ausreichend bedeckt sind.

Lisa Livancic und Sandra Sedlmaier

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