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Au f dem Schloss der Grufthalle der Grafen Almeida prangen am Montag in blauer Farbe noch die Schmierereien.

Vandalismus

Nazi-Schmierereien in Söcking entfernt

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Eine unglaubliche Entdeckung wurde jetzt auf dem Friedhof in Söcking gemacht.

Söcking – Wie lange die Schmierereien schon da waren, lässt sich nicht sagen. Auch wer dort mit blauer Farbe zugange war, ist bislang unklar. Fest steht jedoch, dass es in Söcking einen ganz üblen Fall von Nazi-Schmierei gegeben hat. Tatort war die Grufthalle der Grafen Almeida auf dem Kahlenberg, unterhalb des Prinz-Karl-Mausoleums und unweit der katholischen Kirche St. Ulrich.

In der Grufthalle sind insgesamt 13 Angehörige der Familie Almeida beigesetzt – Nachkommen des Prinzen Karl von Bayern (1795-1875). Dessen jüngste Tochter Franziska Sophie hatte den brasilianischen Adligen Paulo Martins de Almeida geheiratet, wodurch die Familie einst nach Starnberg kam. Die Starnberger Linie des Hauses Almeida ist jedoch vor vier Jahren ausgestorben. Das Vermächtnis lebt jedoch in der St.-Johannis-Almeida-Sozialstiftung weiter.

Am Montagnachmittag traf sich der Kulturausschuss des Stadtrats an dem Mausoleum, um sich die geplante Wiederherstellung der Parkanlage erklären zu lassen (siehe Seite 3). Und am Rande dieses Termins fiel die Schmiererei am Schloss der 1905 erbauten Grufthalle auf: ein Hakenkreuz, die SS-Runen und der Schriftzug „Heil Hitler!“ in Fraktur. Alles säuberlich in blauer Farbe aufgemalt. Womöglich wurde für die Schrift eine Schablone verwendet.

Bürgermeisterin ist entsetzt

Als der Starnberger Merkur Bürgermeisterin Eva John darüber informierte, zeigte sie sich entsetzt und wurde sofort aktiv. John nahm Kontakt mit der Erbengemeinschaft Almeida auf, der die Begräbnisstätte gehört und deren Ansprechpartnerin in Wien lebt. Um 12.45 Uhr vermeldete Eva John Vollzug: „Die Schmierereien wurden mit Einverständnis der Gräfin umgehend von den Mitarbeitern des Betriebshofes entfernt.“

Für die Bürgermeisterin ist die Sache damit aber noch nicht erledigt. „Das ist schlimm“, sagte sie dem Starnberger Merkur. „Wir werden in jedem Fall bei der Polizei Strafanzeige stellen.“ Die Beamten sind nach dem ersten Hinweis bereits aktiv geworden, bestätigte ein Sprecher. Straftatbestand: Sachbeschädigung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Angelegenheit geht nun zur Staatsanwaltschaft nach München.

Immerhin: Hakenkreuzschmierereien sind in Starnberg äußerst selten. Sowohl Eva John als auch der Polizeisprecher konnten sich aus keinen Fall in der jüngeren Vergangenheit erinnern. Dafür gibt es des öfteren anderweitige Schmierereien. So rechnet John allein für die Reinigung der Schlossmauer mit Kosten in Höhe von 2500 Euro. Etwa 50 000 Euro Schaden hatte dieses Jahr ein 19 Jahre alter Löwen-Ultra aus Pöcking verursacht, der zahlreiche Wände mit Graffitis und Aufklebern verschandelt hatte, auch in der Kreisstadt.  ps

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