So könnte es aussehen: Diese Visualisierung zeigt die an der Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße/Bahnhofplatz geplanten Neubauten. Im rechten gibt es nur Wohnungen, im linken auch Gewerbe.

Neubaupläne in der Starnberger Innenstadt

Bauvorhaben: Eine Frage der Höhe – und des Handels

Investor Walter Essler will eines der markantesten Grundstücke in der Innenstadt neu bebauen: die Ecke Bahnhofplatz/Kaiser-Wilhelm-Straße. Der Bauausschuss findet’s gut, wenn auch noch nicht jedes Detail. Ein Knackpunkt: die geplanten Gewerbeflächen.

Starnberg – Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, über Architektur auch. Deswegen störte sich Walter Essler nicht an einigen Aussagen über sein Bauvorhaben an der Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße/Bahnhofplatz am Donnerstagabend im Starnberger Bauausschuss. Dafür hat er schon zu viele Projekte realisiert, sieben allein in der Innenstadt. Im Gegenteil: „Ich bin sehr positiv gestimmt“, sagte er nach der Sitzung. Es habe zwar einige Aufgaben für ihn und seine Architekten von Raumstation gegeben, aber fast nur einstimmige Beschlüsse. Dafür.

Auf dem Eckgrundstück steht derzeit ein Wohnhaus mit 16 Wohnungen und zwei Aufgängen. Geplant ist, vier Wohnungen wegzureißen und zwei viergeschossige Baukörper mit einem Zwischentrakt anzuschließen. Im nördlichen Bau an der Kaiser-Wilhelm-Straße sollen sechs Wohnungen entstehen, vier kleinere und zwei große. Drei davon, die Zusage hat Essler bereits, werden gefördert und können daher für 7,50 Euro pro Quadratmeter an Mieter vergeben werden, die die Einkommensgrenzen erfüllen. Im südlicheren Gebäude ist fürs Erdgeschoss eine 140 bis 150 Quadratmeter große Gewerbefläche geplant, darüber Büros und in den Stockwerken zwei und drei je eine Wohnung mit etwa 120 Quadratmeter. Diese Größe, weiß Essler, ist bei älteren Ehepaaren sehr beliebt. Zumal: Die Neubauten sind barrierefrei, haben einen Aufzug bis in die Tiefgarage, einige Wohnungen verfügen über eine Dachterrasse oder eine Süd-Loggia.

Stadträte würden auch mehr Stockwerke akzeptieren

Grundsätzlich findet der Plan Gefallen bei den Stadträten. Prof. Otto Gaßner (UWG) und Franz Heidinger (BLS) bewerteten die Architektur des Entwurfs noch „ziemlich mutlos“ oder „ungelungen“. Andere Stadträte fanden das nicht oder hielten sich zurück, zumal die Gestaltung weder Thema – es ging um einen Bebauungsplan, also die Grundlagen – noch unbedingt Sache der Stadträte ist. Über die in dieser Gegend übliche Viergeschossigkeit sind sich die Stadträte nicht einig. Gaßner, aber auch Dr. Franz Sengl (Grüne) würden mehr akzeptieren, wenn so mehr Wohnungen entstehen. Josef Pfister (BMS) hingegen hält die aktuell geplante Höhe für das Maximum. Essler will diese Frage nochmals prüfen und auch Darstellungen vorlegen, wie sich der Bau in die Stadtsilhouette einfügen würde.

Ein Problem haben manche Stadträte mit einem Vorschlag der Verwaltung, statt des im Erdgeschoss geplanten Geschäfts oder einer Gastronomie auch Büros zuzulassen, sollte es zwei Jahre nach Fertigstellung keinen Vermietungserfolg geben. Christiane Falk (SPD) sieht diese Regel skeptisch; sie baut darauf, dass eine Pflicht zum Einzelhandel die Mietpreise drücken würde. Bürgermeister Patrick Janik hält das für einen zu starken Eingriff in den Markt. Angelika Kammerl (CSU) fordert schon lange, Einzelhandel in Erdgeschossen der Innenstadt vorzuschreiben. Die Innenstadt sei „nicht besonders attraktiv“, aus finanziellen Gründen Büros im Erdgeschoss zuzulassen, wäre fatal, findet sie. Ludwig Jägerhuber (CSU) warnte vor solchen Regeln: „Mit Leerstand ist niemand geholfen.“

Investor sieht Probleme bei Suche nach Laden-Mieter

Walter Essler ist selbst Vermieter und hat jahrzehntelange Erfahrung im Immobiliengeschäft – auch in Starnberg. Einzelhandelsflächen seien „ganz schwer vermietbar“, sagt er, bei Büros sei dies einfacher. „Wir wollen auch Frequenz“, betont er, also Laufkundschaft. Eine Gaststätte ist möglich, dafür müsste die Stadt aber bei Außenflächen mitmachen – der Tenor im Ausschuss ging eindeutig in diese Richtung. Auch Stadtbaumeister Stephan Weinl wünscht sich eine Gewerbenutzung im Erdgeschoss des südlichen Baus.

Essler und die Stadt drehen nun einige Gesprächsrunden über Höhen und anderes. Der Plan kommt später in die Gremien zurück. Bis zu einem Baubeginn werden mindestens 15 Monate vergehen, eher mehr.

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