Starnberger Gewerbegebiet

Neue Chance für den Kindergarten?

Starnberg – Nach erfolglosen Vorstößen über Jahre gibt es neue Hoffnung für eine Kinderbetreuung im Starnberger Gewerbegebiet. Voraussetzung: Der Bebauungsplan müsste geändert werden.

Eigentlich liegt es im Trend: Familie und Beruf sollen besser miteinander vereinbart werden. Kinderbetreuung in der Nähe von Firmen ist deshalb gefragt. Im Starnberger Gewerbegebiet aber sind solche Vorstöße immer wieder gescheitert. Nun gibt es aber vielleicht neue Hoffnung für Eltern: Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) zeigt sich interessiert daran, eine Kindertagesstätte an diesem Standort zu betreiben. Bürgermeisterin Eva John unterstütze diese Bemühungen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage des Starnberger Merkur mit. 

Doch es gibt eine Hürde: den rechtsverbindlichen Bebauungsplan. Davon kann der Unternehmer Carl Baasel ein Liedchen singen. Zehn Jahre lang hat der Gründer des bisher im Gewerbegebiet ansässigen Unternehmens Baasel-Lasertechnik versucht, auf eigene Kosten eine Kinderbetreuung einzurichten – vergeblich. Begründet worden ist die Ablehnung von den Behörden nach seinen Angaben damit, dass in einem Gewerbegebiet höhere Imissionen, also Lärm und Abgase, erlaubt seien als in einem Wohngebiet – was also nicht gut für Kinder sei. 

Bürgermeisterin John steht Änderungsverfahren des Bebauungsplans positiv gegenüber

Baasel konnte dieses Argument nie verstehen. Im Starnberger Gewerbegebiet gebe es überhaupt keine so hohen Imissionen, sagt er. Aber für die Behörden zähle nur, dass sie hoch sein könnten. Letztlich sei das Projekt bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt „steckengeblieben“. Das Landratsamt verweist auf die Stadt Starnberg. Dort wird bestätigt, dass Baasel in dieser Angelegenheit in der Vergangenheit immer wieder „formlose Anfragen“ bei Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger gestellt habe. Die Antworten seien mit dem Landratsamt abgestimmt worden. Ergebnis: Ein Kindergarten im Gewerbegebiet entspreche nicht den Festsetzungen im gültigen Bebauungsplan. Die damalige politische Haltung sei wohl gewesen, „eine Änderung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet für die Nutzung von Gebäuden als Kindertagesstätte nicht in Gang zu setzen“, kommentiert die Stadtverwaltung. 

Das klingt, als würde es heute anders gesehen. Tatsächlich steht Bürgermeisterin John einem Änderungsverfahren des Bebauungsplans positiv gegenüber, versichert die Stadtverwaltung. Ob damit die planungsrechtliche Voraussetzung für eine Kindertagesstätte geschaffen werden kann, bliebe abzuwarten. Carl Baasel zeigt sich übrigens nach wie vor daran interessiert, eine Kindertagesstätte im Starnberger Gewerbegebiet mit aufzubauen. Auch wenn das von ihm gegründete Unternehmen Baasel-Lasertechnik das Gewerbegebiet verlässt, hält er eine firmennahe Kinderbetreuung unverändert für bedeutsam.

Von Lorenz Goslich

Rubriklistenbild: © Daniel Naupold/dpa

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