Nicht mehr auf dem Stand der Technik: das ehemalige Gefängnis an der Vordermühlstraße.
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Nicht mehr auf dem Stand der Technik: das ehemalige Gefängnis an der Vordermühlstraße.

Nicht mehr auf dem Stand der Technik

Neue Heizung für altes Starnberger Gefängnis

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Eines der ältesten Gebäude Starnbergs muss saniert werden. Das ehemalige Gefängnis an der Vordermühlstraße braucht eine neue Heizungsanlage. Ein Drittel der 15 Wohnungen ist derzeit unbewohnt.

Starnberg – Das ehemalige Gefängnis an der Vordermühlstraße hat längst seinen Schrecken verloren. Bereits Anfang der 1980er Jahre hat die Stadt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu einem Wohnhaus umbauen lassen. 15 zumeist kleine Einheiten gibt es dort, für die sich die Stadt die Mieter auswählen kann. Nun aber steht eine größere Sanierung an: Das alte Gefängnis – 1538 als Fronfeste erstmals genannt – braucht eine neue Heizung.

Bislang gibt es in jeder Wohnung eine dezentrale Gastherme, mit denen auch das Warmwasser erzeugt wird. Diese Thermen entsprechen aber nicht mehr dem Stand der Technik. „Seit 2018 werden vom Kaminkehrer bei der Gasbeschau die angerosteten Gasleitungen angemahnt und der mittelfristige Austausch gefordert“, teilte Stadtbaumeister Stephan Weinl jüngst dem Bauausschuss des Stadtrats mit. Die Gasleitungen zu den Wohnungen sind zudem im Erdreich unter dem Erdgeschossboden des nicht unterkellerten Gebäudes verlegt und unter Putz im Mauerwerk zu den Gasthermen verzogen. Eine Konstruktion, die so nach der Bayerischen Feuerungsverordnung von 2018 nicht mehr zulässig ist.

Die Suche nach einer Lösung gestaltete sich schwierig. Das Anbringen von Außenwandkaminen kommt nicht infrage, weil diese nach Meinung der Denkmalschutzbehörde das Fassadenbild nachhaltig negativ beeinträchtigen würden. Der Einbau einer Pelletsheizung mit einer dezentral betriebenen Warmwasseraufbereitung funktioniert ebenfalls nicht, weil die Leistung des vorhandenen Strom-Hausanschlusses dafür nicht ausreicht und so Kosten von insgesamt 400 000 Euro anfallen würden.

Das städtische Bauamt schlägt deswegen vor, eine neue Heizzentrale mit Gaskessel einzubauen, über die künftig auch die Warmwasseraufbereitung läuft. Ein neues Rohrverteilnetz wird dadurch auch erforderlich. Platz für diese Heizzentrale wäre in einer Erdgeschosswohnung, die derzeit leer steht – also blieben noch 14 Wohnungen nach der Sanierung. Dafür kalkuliert die Stadt mit rund 340 000 Euro: 215 000 Euro für die Heizungsanlage inklusive Versorgungsleitungen und Planung, 60 000 Euro für Elektroarbeiten und 65 000 Euro für bauseitige Leistungen.

Fünf der 15 Wohnungen im ehemaligen Gefängnis unbewohnt

Insgesamt sind aktuell fünf der 15 Wohnungen im ehemaligen Gefängnis unbewohnt. Dabei handelt es sich um eine Zweizimmerwohnung und ein Einzimmerappartement im Erdgeschoss. Letzteres hatte die Stadt zuletzt als Obdachlosenunterkunft genutzt. Nach Räumung der Wohnung wurde dort ein gravierender Wasserschaden festgestellt. Im Obergeschoss stehen zwei 1,5-Zimmerwohnungen leer, nachdem die Mieter verstorben sind. Schließlich ist ein Appartement im Dachgeschoss derzeit unbewohnt.

Der Bauausschuss sprach sich einstimmig für die Sanierung aus, obwohl es im Verlauf der Diskussion auch kritische Stimmen gab. „Das Haus ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte zum Beispiel Rudolf Zirngibl (CSU) und dachte laut darüber nach, ob es nicht sinnvoller sei, sich von dem Gebäude zu trennen. Marc Fiedler (FDP) kritisierte die seiner Meinung nach zu hohen Kosten. Eine „vernünftige Heizungsanlage“ müsse auch für 100 000 Euro inklusive Planung drin sein sagte er. Und Christiane Falk (SPD) fragte sich, ob Wohnnutzung in dem Gebäude überhaupt sinnvoll ist.

„Ich finde, ja“, erwiderte Stephan Weinl. „Wir sind froh, dass wir dieses Haus haben.“ Die Stadt habe damit eine gute Möglichkeit für Menschen, die sich wirtschaftlich auf dem Wohnungsmarkt schwertun. Franz Heidinger (BLS) ging sogar noch einen Schritt weiter und regte eine weiterführende Sanierung an, zum Beispiel bei Fenstern und Wohnungstüren. „Wir sollten nicht Klein-Klein machen.“ Selbst wenn am Ende Kosten von einer Million Euro stünden: „So billig kriege ich keine 14 Wohnungen“, sagte Heidinger.

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