Stefan Frey gewann die Stichwahl zum Landrat. Foto: Privat

Stichwahlgewinner im Landkreis Starnberg

Neuer Landrat Stefan Frey:Von einem Krisenjob in den nächsten

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Noch betreibt Stefan Frey Krisenkommunikation im Innenministerium. Ab Mai muss der neu gewählte Landrat dann den Landkreis durch schwierige Zeiten führen. Um sich einzuarbeiten, will der 44-Jährige schon vorher im Landratsamt hospitieren.

Landkreis – Stefan Frey will kein Grußonkel-Typ sein, der es liebt, Fotografen bei Spatenstichen Erde zuzuwerfen oder bei Straßeneröffnungen Bänder durchzuschneiden. Der CSU-Politiker, der nach dem Sieg in der Stichwahl gegen Martina Neubauer (Grüne) ab Mai Landrat sein wird, sieht sich eher als Problemlöser und Krisenmanager. In diesen Funktionen ist er derzeit gefragter denn je. Der 44-Jährige sitzt wie viele zwar in Starnberg im Homeoffice, aber eben auch im bayerischen Strategie-Zentrum der Corona-Krise. Er leitet das Referat für innenpolitische Grundsatzfragen im bayerischen Innenministerium. Dort könne er sich indirekt in sein künftiges Amt einarbeiten. „Ich wechsle von einer Krisenarbeit in die andere“, sagt Frey. Und: „Ich finde das total spannend. Ich mag solche Herausforderungen.“

Krisenkommunikation gehört gerade zum Alltag von Frey. Er sorgt zusammen mit seiner Frau nicht nur dafür, dass seine drei Kinder eine feste Tagesstruktur haben. Er spricht und mailt mit seinen Mitarbeitern, die koordiniert werden wollen, mit Krankenhausvertretern in Atemschutzmaskennot und mit Bürgern, die wissen wollen, ob sie denn jetzt zum Spazierengehen an die Seen fahren dürfen oder nicht.

Frey ist Ansprechpartner in praktischen Fragen

Als einen, der in Starnberg aufgewachsen und seit 2014 im Stadtrat ist, erreichen ihn auch im persönlichen Umfeld ganz praktische Fragen. Der Haustechniker einer hiesigen Klinik meldete sich, weil er im Baumarkt erst nach einem heftigen Streit seine Ware bekommen hatte. Der Verkäufer sei angewiesen gewesen, nur an Handwerker mit Gewerbeschein zu verkaufen, erzählt Frey. Er habe dann Landrat Karl Roth angerufen, der wiederum ein Erlaubnisschreiben für den Techniker aufgesetzt habe. Ein Fall, den Frey auch bei seinen Problemlöserjob im Innenministerium thematisierte. Und ein Beispiel dafür, wie Detailfragen in Corona-Zeiten die Entscheider in der großen Politik erreichen.

Einen fließenden Übergang vom Ministerium ins Landratsamt wünscht sich Frey im Mai – und setzt deshalb auf Vorbereitung. „Komm rein, mach mit“: So oder so ähnlich habe der noch amtierende CSU-Landrat Roth seinem Nachfolger und Parteikollegen angeboten zu hospitieren. Ob Krisensitzungen mit Katastrophenschutzexperten oder Bürgermeisterdienstbesprechungen: Frey darf dabei sein, zuschauen und zuhören. Und er wolle schnell seine Vertrauten im Landratsamt kennen lernen, unter anderem die Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit, sagt er.

Stilistisch will sich Frey etwas bei seinem derzeitigen Vorgesetzten abschauen: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „Er bekommt täglich einen Riesenstapel an Akten auf den Tisch. Aber er unterschreibt nicht einfach, sondern arbeitet sie mit den Ministeriumsmitarbeitern durch“, sagt Frey. Probleme lösen, sich, wenn es die Zeit zulässt, Einzelfälle vornehmen, „an vorderster Front etwas voranbringen“: Das reizt den Sohn von Altlandrat Heinrich Frey am Amt des Landrats, das für ihn eine Art berufliche Krönung ist: „Dafür habe ich den Job in der Verwaltung mal gelernt.“

Frey: Das Alltagsgeschäft muss in Corona-Zeiten weitergehen

Nicht nur das Alltagsgeschäft müsse in Corona-Zeiten weiterlaufen, betont Frey und nennt Kfz-Zulassungen und Bauanträge als Beispiele. Auch das politische System des Landkreises müsse funktionieren. „Es gilt schon jetzt zu sondieren, ob und wie der Kreistag, ein 60-köpfiges Gremium, weiter tagen kann.“

Für sein politisches Portfolio hat sich Frey Gedanken zu sämtlichen Themen gemacht: Er will zum Beispiel ein Mobilitätskonzept mit Alternativen zum Individualverkehr und bessere Rahmenbedingungen für Pflegekräfte schaffen. Doch Priorität hat für ihn erst einmal, „die Investitionen, die wir beschlossen haben, auch umzusetzen“. Heißt unter anderem: das Gymnasium in Herrsching vorantreiben, den Anbau ans Landratsamt realisieren und einen Klinik-Standort im westlichen Landkreis finden.

„Die Krise wartet nicht, sie spitzt sich zu“, sagt Frey. Aber er sieht Corona auch als Chance. Dass alle wie derzeit an einem Strang ziehen, erhofft er sich auch für spätere Projekte, wenn es wieder um Schulbauten und Gewerbegebiete geht. „Die eigenen Interessen zurückstellen und Kompromissbereitschaft zeigen: Das ist es, was die Menschen aus dieser Krise lernen können.“

Übrigens: Für Frey rückt der CSUler Thomas Beigel in den Kreistag nach.

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