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Ziehen über dem Gewerbegebiet dunkle Wolken auf? Derzeit liegt die weitere Bearbeitung des Bebauungsplans auf Eis, gegen den es eine lange Liste von Einwendungen gibt. 

Neues Starnberger Gewerbegebiet 

Massive Bedenken gegen Schorn-Pläne

Das Gewerbegebiet Schorn liegt auf Bitten der Projektentwickler auf Eis - bis nach der Wahl. Allerdings gibt es auch ohne Wahl genug Hindernisse, die die Stadtverwaltung auszuräumen versucht.

Schorn/Starnberg – Eine Stimme Mehrheit führte in der Stadtratssitzung Ende Januar dazu, dass die Abwägung der Einwendungen gegen den Bebauungsplan 7508 für das Gewerbegebiet Schorn nicht behandelt wurde. Die rund 110 Seiten starke Liste der Stellungnahmen und Einwendungen sollte bei der nächsten Ratssitzung gestern behandelt werden. Dazu kommt es nicht: Anfang des Monats baten die Projektentwickler von Asto, das Vorhaben ruhen zu lassen. Hintergrund ist der Wahlkampf, doch gibt es auch massive Bedenken gegen die Inhalte des Bebauungsplanes, der auf den Plänen der Projektentwicklung beruht, aber von der Stadt aufgestellt wird.

Erhebliche Bedenken hat beispielsweise das Landratsamt Starnberg angemeldet. Dort haben Fachleute die Angaben nachgerechnet und eine ganze Reihe von Auffälligkeiten gefunden. So kommt die Kreisbehörde nicht auf 3000 Arbeitsplätze, wie bisher angegeben und von Asto auch bestätigt, sondern bei einer sehr konservativen Rechnung auf mehr als 7000. Die Berechnung basiert auf den Flächen pro Arbeitsplatz und Vergleichen mit anderen Gewerbegebieten. Nach einem Modus auf Basis anderer Gebiete kommt das Kreisbauamt sogar auf mehr als 15 000 mögliche Arbeitsplätze. Die Einschätzung: „Jedenfalls überfordern die zeitnah in den Landkreis verlagerten Arbeitsplätze die Stadt Starnberg, den Landkreis und die Region, sofern die vorgelegte Planung in dieser Form in Kraft treten würde.“ Fazit: Die Berechnung der 3000 Arbeitsplätze sei falsch.

Gewerbegebiet Schorn: 3000 Arbeitsplätze als Obergrenze

Die generell den Einwendungen gegenüber aufgeschlossene Stadtverwaltung hingegen argumentiert, dass die 3000 Arbeitsplätze als Obergrenze auf dem möglichen Verkehr beruhten. Diese Zahl könnte in einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben werden. Die Stellungnahme des Kreisbauamtes lässt an den Aussagen des Bebauungsplanes auch sonst kaum ein gutes Haar. Die Aussage, dass die 3000 Arbeitsplätze zu keinem nennenswerten Zuwachs des Wohnungsbedarfes führen würden, sei falsch. Selbst wenn Firmen innerhalb Starnbergs umziehen, würden die frei werdenden Flächen umgehend wieder besetzt. Hinweise auf eine Studie zu möglichen Wohnungsbauflächen will das Landratsamt gar nicht erst gelten lassen, da diese Aussagen eher theoretisch sind und eine Umsetzung nicht zeitnah möglich wäre. Die Kreisbehörde empfiehlt zudem eine Abschnittsbildung und fürchtet, dass bei den angestrebten hochwertigen Arbeitsplätze Gutverdiener auf den Wohnungsmarkt drängen und für noch höhere Mieten sorgen würden. 

Dabei signalisiert die Stadt in den Unterlagen Gesprächsbereitschaft über eine Abschnittsbildung, möchte an der Größe des Gebietes aber nichts ändern – für diese Planungen, insbesondere mit dem Halbanschluss an die A 95, sei eine Mindestgröße nötig. Die Stadt verweist in den nicht beschlossenen Erwiderungen auch auf die Steuereinnahmen.

Bedenken bei ÖPNV-Anbindung

Die Einwendungen reichen noch weiter, was allerdings bei Projekten dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich ist. So gibt es seitens Behörden Zweifel an der Notwendigkeit bzw. deren Nachweis. Die Untere Verkehrsbehörde am Landratsamt hält die Ideen für eine ÖPNV-Anbindung für nicht realisierbar, die Stadt hingegen glaubt diese auch durch eine Machbarkeitsstudie inklusive Expressbus zur U-Bahn in Fürstenried leisten zu können. 

Der Bund Naturschutz meldet diverse Verstöße gegen Gesetze an, unter anderem wegen der Bannwaldrodung. Die Stadt beurteilt dies im Entwurf der Erwiderungen anders. Diese Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Es gibt seitens der Umweltschützer auch Hinweise auf geschützte Arten in und an dem geplanten Gewerbegebiet, darunter ein Haselmaus-Vorkommen. Der darf kein Haar gekrümmt werden.

Nachdem die Abwägung nun auf Eis liegt, wird sich in den nächsten Monaten in Sachen Schorn wenig bewegen.

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