Musiker und Komponist Nils Schad zu Hause am Flügel. Hauptberuflich spielt er Geige.
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Musiker und Komponist Nils Schad zu Hause am Flügel. Hauptberuflich spielt er Geige.

Berufsmusiker aus Harkirchen

„Modern, aber wohlklingend“: Nils Schad leitet Kirchenchor in Percha und hat für ihn eine Messe komponiert

  • vonAstrid Amelungse-Kurth
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Er bezeichnet sich scherzhaft als einen „der größten Geiger dieser Welt“: Nils Schad, Kirchenchor-Leiter in Percha. Die Corona-Zeit nutzte er zum Komponieren einer Messe.

Percha/Harkirchen – „Ich bin einer der größten Geiger dieser Welt.“ Nils Schad, zwei Meter groß, lacht, zieht den Kopf ein und geht durch die Tür. In seinem Wohnzimmer mit dem großen Panoramafenster und schönster Aussicht auf Wald und Wiesen steht ein eher handlicher Mahagony-Flügel – das Arbeitsgerät des Komponisten Nils Schad, der seit 1999 mit seiner Frau Beate und fünf teils schon erwachsenen Kindern in der Gemeinde Berg, seit 2016 in Harkirchen auf dem Dorf lebt. Seit 1992 spielt er bei den Münchner Philharmonikern. Sein Hobby? Leiter des Kirchenchors in Percha.

Seit 15 Jahren gestaltet er mit dem Laienchor alle festlichen Messen in der St.-Christophorus-Kirche – „meine Lieblingskirche“, wie er sagt, „weil sie über beste akustische Bedingungen verfügt“. Und so steht er zu Festen und Feierlichkeiten auf der Empore und dirigiert. Meist zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Geigerin ist, und manchmal auch mit einigen seiner fünf Kinder, von denen zwei Musik studieren.

Nils Schad schwärmt vom Kirchenchor in Percha

„Wir haben im Kirchenchor in Percha ein sehr gutes Arbeitsklima“, schwärmt der Chorleiter. „Immer herrschen gute Stimmung und gute Laune. Schließlich sind ja auch alle freiwillig dabei.“ Besonders aber freut er sich über die „gesunden Stimmen“ und den ungewöhnlich hohen Anteil der Männer. Mit drei Tenören und fünf Bässen machen sie bei insgesamt 25 Chormitgliedern immerhin ein Drittel aus.

Dass er sich ausgerechnet in der Christophorus-Kirche ehrenamtlich als Leiter des Kirchenchors engagiert, scheint zu Corona-Zeiten geradezu symbolhaft, schließlich wird Christophorus auch als Patron gegen Pest und Seuchen verehrt. Das ist zwar für Nils Schad weniger bedeutsam, aber der Corona-Lockdown hat auch sein Leben gehörig umgekrempelt.

Corona-Zeit genutzt, um eine Messe zu komponieren

Seit Ende Februar hat der Berufsgeiger keinen einzigen Ton mehr bei den Münchner Philharmonikern gespielt, das gemeinsame Musizieren mit Kollegen ist verstummt, zeitweise half er sogar im Corona-Logistikzentrum der Stadt München aus. „Der Lockdown ist für alle Künstler ein Kollateralschaden“, bedauert er. Nils Schad hat die proben- und konzertfreie Zeit aber auch genutzt, um Neues auszuprobieren.

Lange schon wollte er eine Messe komponieren, trug Melodien und Klänge mit sich herum. Jetzt hat er es wahr gemacht, weil er Zeit genug hatte, intensiv an einer Komposition zu arbeiten. „Das Benedictus hatte ich zuerst“, erzählt er. „Danach kam das Agnus, das Sanctus, Kyrie, Gloria und Credo. Nach vier Wochen war das Werk fertig“, erzählt er stolz.

Geschrieben ist die Messe für gemischten Chor, Streicher und Orgel, „inspiriert ist sie von den Stücken und Komponisten, die wir die letzten Jahre im Kirchenchor besonders viel gesungen haben, von Karl Jenkins und Ola Gjeilo. Ich würde sagen, die Messe ist modern, aber wohlklingend“, freut sich Schad.

Chormitglieder halten ihre Stimmen zu Hause geschmeidig

Die „Missa Brevis zur Ehre des Hl. Christophorus“ ist laut Überschrift „Gewidmet dem Kirchenchor von St. Christophorus zu Percha am Starnberger See, geschrieben in Zeiten der Corona-Krise im Frühjahr 2020“. Die Uraufführung ist zum Patrozinium im Juli 2021 geplant und die 25 Sänger fiebern schon auf den noch nicht genau festgelegten Termin hin. Bis dahin halten sich die Chormitglieder ihre Stimmen geschmeidig, indem jeder für sich alleine zu Hause übt.

Motiviert sind alle, denn die Missa Brevis soll auch aufgenommen werden – und schließlich steht ja auch Kirchenpatron Christophorus für die Hoffnung, die alle über die Zeit trägt.

ak

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