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Wenn die Rettungskräfte Martin Hauber und Georg Rötzer (2.u.3.v.l.) sowie Karsten Meumann (r.) die Patientin in der Klinik abliefern, sind Dr. Armin Schwenn (l.) und Dr. Ludwig Zwermann (2.v.r.) schon über deren Zustand im Bilde. 

Telemedizin

Warum NIDA Menschenleben rettet

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Im medizinischen Notfall entscheidet der Faktor Zeit oft über Leben und Tod. Das Klinikum Starnberg hat eine mittlere fünfstellige Summe investiert und zahlt monatlich einen dreistelligen Betrag für Gebühren und Wartung, um die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme zu optimieren.

Starnberg– Die Notaufnahme am Starnberger Klinikum ist breit aufgestellt. Sie kümmert sich um Patienten aller medizinischen Disziplinen, die am Kreiskrankenhaus vorgehalten werden – Ausnahme: Schwangere und Kinder. Bis zu 140 Notaufnahmen fordern das Team um den ärztlichen Leiter Dr. Armin Schwenn täglich. Um allen Patienten gerecht zu werden, bedarf es einer geordneten Logistik, sagt Schwenn. Er muss die Ressourcen des Hauses optimal nutzen, das Personal einschließlich der Fachärzte einteilen, um Versorgungslücken nicht aufreißen zu lassen, und die Belegung der Behandlungsräume abstimmen. Rechtzeitige Information über ankommende Notfallpatienten ist dabei eine wesentliche Hilfe. Das geschah bislang ausschließlich telefonisch, meistens via Handy – mit all den Unzulänglichkeiten wie Funkloch, schlechte Verständigung, störende Nebengeräusche etc.

Ein neuer Mitarbeiter beschleunigt und qualifiziert seit einem Dreivierteljahr die Kommunikation zwischen dem Rettungsdienst und der Notaufnahme. Ein zwar seelenloser, aber keineswegs lebloser Mitarbeiter. NIDA heißt das Schlagwort. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich der Notfall-Informations- und Dokumentations-Assistent.

Erfahrungen seit mehr als zwei Jahren

Der Rettungsdienst des Starnberger BRK ist untereinander schon seit mehr als zwei Jahren mit NIDA verbunden. Von Karsten Meumann, Leiter des BRK-Rettungsdienstes, und Georg Rötzer, Bereichsleiter BRK-Einsatzdienste, kam der Vorschlag, mit NIDA auch eine Verknüpfung zum Klinikum herzustellen. Viel Überzeugungsarbeit war nicht erforderlich. „Wir mussten nicht kämpfen, die Klinik war sofort dabei“, lobt Rötzer die Aufgeschlossenheit von Geschäftsführer Dr. Thomas Weiler, der als ausgebildeter Arzt sofort die Vorteile des Systems durchschaut hatte.

Seit April nutzt die Notaufnahme an der Starnberger Oßwaldstraße NIDA und ist telemedizinisch mit dem Rettungsdienst verbunden. „Wertvolle Zeit kann man sparen, wenn eine Verdachtsdiagnose bereits im Rettungswagen gestellt und dem Krankenhaus übermittelt wird, damit dort die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden können“, sagt Dr. Ludwig Zwermann, Oberarzt der Invasiven Kardiologie.

Vorbereitungen in die Wege leiten

Über NIDA gelangen neben den Angaben zur Person – Zwermann: „Das sagt uns, ob der Patient schon einmal bei uns war und welche Vorerkrankungen vorliegen“ – auch aktuell beim Notfalleinsatz gemessene medizinische Werte (Blutdruck, Puls, Blutzucker) und Angaben über den Zustand des Patienten in die Notaufnahme. So kann schon vor Eintreffen des Notfalles vieles in die Wege geleitet werden, zum Beispiel den Computertomographen (CT) für einen angekündigten Schlaganfallpatienten freizuhalten oder das Personal im Herzkatheterlabor auf einen eintreffenden Herzinfarktfall vorzubereiten.

Das schafft eine oft lebenswichtige Zeitersparnis. So meldet der Kardiologe Zwermann nicht ohne Stolz, dass in Starnberg das Zeitfenster von 60 Minuten zwischen der Aufnahme eines Patienten und der Aufweitung einer verschlossenen Arterie im Katheterlabor in 90 Prozent der Fälle eingehalten werde. Der Durchschnitt liege bayernweit bei 50 Prozent. Und das Zeitfenster zwischen erstem medizinischen Kontakt (zum Beispiel durch Notarzt oder Rettungsdienst) liege in Starnberg in 96 Prozent aller Fälle unter 90 Minuten. Die erfreuliche Konsequenz: „Die Sterblichkeit bei Katheterpatienten liegt bei uns unter einem Prozent. Der Durchschnitt ist mehr als doppelt so groß“, sagt Zwermann.

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