Masken gehören in Grundschulen (wie hier in Söcking im Oktober 2020) zum Alltag. Genau wie der Wechselunterricht, zu dem die Einrichtungen im Landkreis nach einem Tag Unterbrechung wieder zurückkehren.
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Masken gehören in Grundschulen (wie hier in Söcking im Oktober 2020) zum Alltag. Genau wie der Wechselunterricht, zu dem die Einrichtungen im Landkreis nach einem Tag Unterbrechung wieder zurückkehren.

Landratsamt ändert Vorgabe kurzfristig

Nun doch Wechselunterricht in Grundschulen: So bewerten Schulleiterinnen die Regel-Korrektur

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Nun bleibt es doch beim Wechselunterricht: Die kurzfristige Regel-Korrektur des Landratsamts sorgte in den Grundschulen für Unruhe – aber vor allem für Erleichterung.

Landkreis – Nachdem am Montag der Präsenzunterricht für alle galt, sitzt an diesem Dienstag wieder nur die Hälfte der Klassen in den Grundschulen. Auf die Beibehaltung des Wechselunterrichts hatten Schulleiterinnen schon vergangene Woche gedrängt. Doch das Landratsamt hatte wegen des Inzidenz-Werts von 49,8 am Freitag die volle Präsenz verlangt, die Entscheidung aber am Sonntagabend kurzfristig korrigiert. Zurückrudern konnten (und mussten) die Schulen da nicht mehr.

„Das hat große Unruhe reingebracht, aber es ist das einzig Richtige.“ So kommentiert Bettina Linden, Leiterin der Inninger Grundschule, die „infektionsschutzrechtliche Ausnahmeanordnung“ des Landratsamts. Ihre Aussage könnte auch von ihren Kolleginnen aus dem Landkreis stammen. Und noch ein Satz kommt mehrfach, spricht man mit Verantwortlichen in Grundschulen: „Der Präsenzunterricht wäre für die Lehrer eine Zumutung gewesen.“ Für manche ist es auch der organisatorisch anspruchsvolle Wechselunterricht: „Ich habe einige, die ausfallen. Sie können einfach nicht mehr“, erzählt Linden.

Einige Eltern ließen ihre Kinder aus Sorge daheim

Marion Otto, Rektorin der Grundschule am Pilsensee, informierte ihr Kollegium am Sonntag per E-Mail und zur Sicherheit auch per What’sApp. „Es ist wahnsinnig viel organisatorischer Aufwand gerade. Wochenenden gibt es für die Schulleitung nicht mehr“, sagt sie. Und: Die Inzidenz sei zu hoch für volle Klassen. „Am Montag haben ein paar Eltern ihre Kinder abgemeldet. Ihnen ist das zu eng.“ Alarmiert sind in diesen Tagen alle: Positive Corona-Fälle gab es in den Schulen in Weßling, Herrsching und Starnberg.

Kurzfristig, aber auch „absolut vernünftig“ findet Nicole Bannert von der Grundschule in Starnberg die Regel-Korrektur. „Unser größtes Problem ist die Notbetreuung“, sagt sie. Um etwa 30 Kinder müsse man sich täglich kümmern – neben dem Wechselunterricht, der ja auch alle Lehrkräfte bindet. Die Leidtragenden seien die Fachlehrer, die die Notbetreuung größtenteils übernähmen – was dazu führt, dass sie nicht mit festen Gruppen, sondern mit vielen Schülern aus verschiedenen Klassen Kontakt haben. „Sie sind der Spielball und besonders gefährdet“, sagt Bannert. Um Personal und Schüler zu schützen, verzichtet sie derzeit auf den Fachunterricht, bei dem die Lehrer von Klasse zu Klasse gehen.

Vorteil für kleine Schulen

Katharina Casper von der Christian-Morgenstern-Schule in Herrsching sagt: „Die Lehrer hatten sich unheimlich gefreut, wieder alle da zu haben. Andererseits ist die Sorge vor einer Ansteckung groß.“ In einer komfortablen Situation sind kleine Grundschulen wie die Traubinger. Dort läuft der Präsenzunterricht seit Wochen und auch weiterhin. „Wir haben große Räume, einen riesigen Pausenhof und können die 1,5-Meter-Abstände einhalten“, erklärt Schulleiterin Michaela Walch. Für mehr Platz habe man auch Sofas und Klaviere aus den Zimmern geräumt. „Es ist wichtig für die Psyche der Kinder, dass alle zusammen sind“, sagt Walch. Als kleine Schule habe man oft, etwa bei Wettbewerben, Nachteile. „Diesmal haben wir einen Vorteil.“

Das Hin und Her war am Montag auch Thema im Kreistag. Landrat Stefan Frey kündigte auf Nachfrage von Prof. Ingo Hahn (AfD) an, künftig bei einer Inzidenz an der Grenze am Freitag gleich zwei Festlegungen zu treffen – eine für unter 50 bzw. 100 und eine fürs Überschreiten der Schwelle mit Rücknahme der Festlegung. So hat Frey auch diese Woche gehandelt. Ein Problem sei, dass der Kreis die Inzidenz-Angabe des Robert-Koch-Institutes (RKI) verwenden und laut bayerischer Rechtslage danach handeln müsse – „egal, ob sie sie richtig ist oder falsch“. Er habe sich am Wochenende mit Schulamt, Lehrern und Personalräten beraten und dann die Ausnahmeanordnung getroffen. Man könne aber durchaus fragen, ob die gesetzlichen Grundlagen für diese Entscheidungswege in Ordnung seien. Bei Eltern gebe es kein einheitliches Meinungsbild – manche sind für den Regelunterricht, manche dagegen. Frey glaubt nicht, dass sich die Vorgänge so bald wiederholen: „Wir werden in den nächsten Wochen nicht in die Verlegenheit kommen, unter 50 zu sein.“

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