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Die Stadt ist auf das neue, verbesserte Busnetz stolz – und rührte dafür zum Start Ende 2015 kräftig die Werbetrommel.

ÖPNV mal anders 

Ökologischer Personen-Nahverkehr in Starnberg?

Warum rollen nur Dieselbusse durch Starnberg? Die STAgenda sieht dafür keinen Grund und fordert Elektrobusse. 

Starnberg – Warum fahren auf den Stadtbuslinien keine Elektrobusse, zumindest aber Hybridbusse mit Verbrennungs- und Elektromotor, die weitgehend elektrisch angetrieben werden? Angesichts Klimawandel und Feinstaubbelastung halten die Arbeitskreise Verkehr sowie Energie und Klimaschutz der STAgenda das für einen untragbaren Zustand. Der Stadtrat hatte schon einmal die Gelegenheit dazu – und lehnte ab.

Karin Wurzbacher, Leiterin des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz, hatte eigens eine Tagung zum Thema Elektrobusse besucht. „Man kann sagen, das ist erprobt“, bilanzierte sie bei einem Treffen ihres Arbeitskreises. 220 bis 300 Kilometer schafft ein E-Bus, auch Steigungen wie in Starnberg, er sei wartungsarm und verbrauche nur rund 50 Prozent der Energie, die ein Dieselbus benötigt. Derzeit fahren in Starnberg auf den Linien 901, 902 und 903 nur Dieselbusse. Speise man die Busse mit Ökostrom, sei der Betrieb emissionsfrei. Deutsche Hersteller hätten jedoch kaum Angebote für Fahrzeuge und Infrastruktur, was sich allerdings nach und nach ändert. E-Busse könnten das ganze Jahr eingesetzt werden und erreichten 80 km/h – mehr wird selbst auf den Überlandlinien bis in die Ortsteile nicht verlangt.

Systeme sollen bekannter gemacht werden

In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt will der Arbeitskreis nun eine Initiative starten, um die Systeme bekannt zu machen. Dazu sollen auch Vertreter aus Gemeinden eingeladen werden, die E-Busse bereits einsetzen. Zeitlich liege man mit dem Vorstoß richtig, findet Wurzbacher, denn in rund vier Jahren steht die nächste Ausschreibung von Buslinien in Starnberg an.

Doch schon bei der jüngsten Ausschreibung zur Einführung der neuen Linien Ende 2015 hatte der Stadtrat die Gelegenheit, auf ökologischere Busse zu setzen. Als die heutigen Linien konzipiert wurden, lag bereits ein Vorschlag auf dem Tisch, alle drei als Diesel- und als Hybridlinien auszuschreiben. Das hatte der Stadtrat schon in der vorigen Wahlperiode beschlossen. Geklappt hat es nicht, weil der Landkreis als Organisator des ÖPNV aus rechtlichen Gründen eine solche Ausschreibung ablehnte. Der Stadtrat hätte sich für eine Technologie entscheiden und die dadurch entstehenden Mehrkosten auch übernehmen müssen. Im Juni 2014 befasste der Rat sich erneut mit dem Thema – die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Linie 902 (Starnberg Nord – Hanfelder Straße – Söcking) als Hybridlinie auszuschreiben. Der Stadtrat lehnte dies jedoch mit 17 gegen 12 Stimmen ab, erklärte Bürgermeisterin Eva John auf Anfrage. Deswegen fahren nur Dieselbusse in der Stadt.

Alle drei Starnberger Linien wären geeignet

Der Landkreis würde einen Einsatz von E- oder Hybridbussen begrüßen und hatte seinerzeit auch entsprechende Vorschläge unterbreitet. Alle drei Linien in Starnberg wären geeignet – überschaubare Länge, viele Stopps. Kreissprecher Stefan Diebl erklärte auf Anfrage, das Landratsamt warte derzeit Ergebnisse eines Testbetriebs in Fürstenfeldbruck ab und stehe mit MVV und Busunternehmen wegen eines eigenen Versuchsbetriebes im Kontakt. Die Bürgermeisterin macht deutlich, die Stadt stehe einem Probebetrieb durch Kreis und MVV aufgeschlossen gegenüber. Zudem: Mit MagnetMotor hat eine Firma in Starnberg ihren Sitz, die sich mit E-Bussen und Hybridfahrzeugen im ÖPNV wirklich auskennt.

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