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Orgel in der Starnberger Stadtpfarrkirche St. Maria: Die Königin der Instrumente schimmelt

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Von: Tobias Gmach

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Finanzielle Hilfe für die Orgel: Nadine Wackerl, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Nikolaus, übergab Pfarrer Dr. Andreas Jall (l.) und Kirchenmusiker Andreas Haller zuletzt eine Spendenbox für die Orgel.
Finanzielle Hilfe für die Orgel: Nadine Wackerl, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Nikolaus, übergab Pfarrer Dr. Andreas Jall (l.) und Kirchenmusiker Andreas Haller zuletzt eine Spendenbox für die Orgel. © Kita

Die Orgel in der Starnberger Stadtpfarrkirche St. Maria ist ein Sorgenkind. Zuletzt breitete sich großflächig Schimmel aus. Eine Neuanschaffung würde mehr als eine Million Euro kosten, könnte sich aber lohnen.

Starnberg – Der Königin der Instrumente geht es schlecht. Sie ist altersmüde, ihr geht die Luft aus, sie steht mit dem Rücken zur Wand. Und was sie im November erleben musste, gleicht einem Sturzversuch. Die Rede ist von der Orgel in der Starnberger Stadtpfarrkirche St. Maria. „Der Schimmel war überall. Er hat sich explosionsartig ausgebreitet“, berichtet Kirchenmusiker Andreas Haller. Der Befall ist fotografisch gut dokumentiert: Die weißen Sporen überzogen den Pfeifenstock, bevölkerten die Holzpfeifen und drangen in die Windladen, die Luftversorgung der Pfeifen, ein. Die Pfarrei rief einen Orgelbauer, der eilte mit einem Erste-Hilfe-Paket für 3000 Euro herbei. Haller sagt: „Der Schimmel ist zurückgedrängt, aber er wird wiederkommen.“ Wie schon in der Vergangenheit. Eine richtige Beseitigung sei nur möglich, „wenn man die Orgel komplett zerlegt“.

Pfarrei will Gutachten einholen, ob Orgelbetrieb noch wirtschaftlich ist

Die Wartungskosten sind hoch, einmal jährlich wird die Orgel durchgecheckt. Das sei wichtig für die Stimmung, sagt Haller. Die Frage ist unausweichlich: Wie lange rentiert sich das noch? „Wir sind dabei, ein Gutachten einzuholen, ob der Betrieb noch wirtschaftlich ist“, sagt der Kirchenmusiker. Herauskommen könnte dabei: Die Anschaffung einer neuen Orgel wäre sinnvoll. „Das wäre zwar sehr teuer, aber auf die Dauer würde man Geld sparen“, so Haller. Mit mehr als einer Million Euro müssten Pfarreiengemeinschaft und Kirchenstiftung in jedem Fall rechnen. Das Problem: Unterstützung vom Bistum sei nicht zu erwarten.

Die weißen Sporen hatten unter anderem den Pfeifenstock bevölkert.
Die weißen Sporen hatten unter anderem den Pfeifenstock bevölkert. © Pfarrei

Mut macht Haller und auch Pfarrer Dr. Andreas Jall der Blick nach Weilheim. Dort sammelte die Pfarreiengemeinschaft seit Juni 2018 laut Homepage fast 900 000 Euro an Spenden für eine neue Orgel in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt – dank großzügigen Gönnern, Benefizkonzerten, Patenschaften für die neuen Orgelpfeifen oder dem Verkauf von „Orgelwein“. Das Ziel: 1,1 Millionen Euro. Weil es absehbar war, unterschrieben die Weilheimer im September 2020 den Orgelbauvertrag mit einer Freiburger Firma, zum Sommer 2024 soll die Orgel fertig sein. Alles Handarbeit.

Die weißen Sporen hatten unter anderem die Holzpfeifen bevölkert.
Die weißen Sporen hatten unter anderem die Holzpfeifen bevölkert. © Pfarrei

Das kann man von der Starnberger Orgel in St. Maria nicht behaupten. Sie wurde im Jahre 1935 nicht maßgeschneidert eingebaut, sondern vom Orgelbauer Zeilhuber mit der Kutsche und dann mit der Eisenbahn aus dem Allgäu geliefert. Laut Kirchenmusiker Haller war die Pfarrei nach dem Kirchenbau knapp bei Kasse, und die industrielle Fertigung ermöglichte es, die Königin der Instrumente relativ günstig herzustellen. Zu Lasten der Qualität. „Vom Klang her ist viel Luft nach oben“, sagt Haller. „In den hohen und tiefen Lagen verliert er an Brillanz.“ Ein Grundproblem: Die Orgel ist in der Wand verankert – ist sie feucht, ist es auch das Instrument.

Eltern, Kinder und Mitarbeiter spendeten 300 Euro für Orgel

Für Haller ist die Orgel „die Stimme der Kirche. Ich denke schon, dass sie den Leuten was wert ist“. Auf die katholische Kita St. Nikolaus, wo Haller mit Kindern musiziert, trifft das zu. Als Eltern, Kinder und Mitarbeiter von den Orgel-Krankheiten erfuhren, starteten sie eine Spendenaktion. 300 Euro gingen bisher ein.

Die weißen Sporen hatten unter anderem die Windladen, die Luftversorgung der Pfeifen, bevölkert.
Die weißen Sporen hatten unter anderem die Windladen, die Luftversorgung der Pfeifen, bevölkert. © Pfarrei

Seit 2018 ist der deutsche Orgelbau Weltkulturerbe, Ware von der Stange wie damals 1935 ist nicht mehr angesagt. Die Nachfolgerin der Weilheimer Orgel soll mindestens 200 Jahre halten. Ein großes Benefizprojekt wie dort könnte sich Haller auch gut in Starnberg vorstellen. Aber sollte es so kommen, wird es noch eine Zeit dauern: Denn noch dringlicher als eine neue Orgel ist aus Sicht der Pfarrei die Sanierung der Kirche.

Spenden für die Orgel kann man auf das Konto der Katholischen Kirchenstiftung St. Maria, Kennwort: Orgel, IBAN: DE60 7025 0150 0027 9431 17.

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