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Eine Szene aus den Proben für „Orpheus & Eurydike“: Bei der Premiere am 23. Juni in der Starnberger Schlossberghalle wird nämlich nicht nur gesungen. 

Oper in starnberg

Konzentration auf Stimme und Körper

Starnberg - "Oper in Starnberg" geht in die dritte Runde: Am 23. Juni feiern die Initiatoren Premiere mit "Orpheus & Eurydike".

Wir platzen mitten in die Probe in der Starnberger Schlossberghalle: Der Tenor Eric Vivion-Grandi diskutiert mit Regisseurin Ada Ranzews seine Rolle, im Saal wartet Mezzosopranistin Agata Kornaga. Unbeeindruckt von den eintrudelnden Gästen des Pressegesprächs an diesem Vormittag singt sie, vom Klavier begleitet, eine Passage aus Christoph Willibald Glucks „Orpheus & Eurydike“, Andreas Sczygiol dirigiert. Keine Frage: Hier sind Profis am Werk, mit großem Ernst wird hier seit Wochen an der dritten Auflage von „Oper in Starnberg“ gearbeitet. Premiere ist am Donnerstag, 23. Juni, in der Starnberger Schlossberghalle (weitere Aufführung: 1. Juli).

Die Geschichte von Orpheus, der seine Geliebte Eurydike durch einen Schlangenbiss verliert, ist gleichermaßen herzzerreißend wie mystisch. Orpheus steigt hinab in die Unterwelt und singt dort so rührend, dass man ihm seine Frau zurück gibt. Auf dem Weg in die Oberwelt jedoch darf er sie nicht anblicken, sonst ist der Zauber verwirkt. Natürlich schaut er, dennoch geht die Geschichte zumindest bei Gluck gut aus – anderes war dem Opernpublikum bei den Uraufführungen 1762 in Wien beziehungsweise 1774 in Paris nicht zuzumuten. Schon so war Glucks Werk in seiner Dramatik einfach unerhört.

Passend zu der Tatsache, dass es Glucks Dreiakter in einer italienischen und eine französischen Fassung gibt, ist die sprachliche Gemengelage bei den Proben in diesem Jahr in Starnberg international: „Polnisch, französisch, englisch und italienisch“, fasst Sczygiol zusammen. Schon vor zwei Jahren hat er gemeinsam mit Ada Ranzews „Orpheus und Eurydike“ in München gezeigt, die Zusammenarbeit für „Oper in Starnberg“ – von Sczygiol selbst aus der Taufe gehoben – sehen beide als eine Weiterentwicklung. Dabei ist die in Starnberg zu erlebende französische Fassung gerade für Eric Vivion-Grandi – in Frankreich aufgewachsener Italiener – als Orpheus eine Herausforderung: „Sehr lang, sehr viel Text, sehr schwer – und er darf trotzdem nicht klingen wie Herkules“, fasst der in Seefeld lebende Sczygiol zusammen. Dass die Wahl in diesem Jahr überhaupt auf Glucks Orpheus fiel, ist der Tatsache zu verdanken, „dass diese Oper unglaublich dankbar für den Chor ist“, sagt er. Damit passt sie gut in das Konzept einer Oper, die von der Region für die Region gemacht wird – mit Beteiligten aus dem Landkreis Starnberg.

Es wird also wunderbar gesungen an diesem Abend – aber auch getanzt. Die Münchnerin Ada Ramzews hat für Glucks Werk ein futuristisches Konzept entwickelt – passend auch zum speziellen Ambiente der Schlossberghalle. Die Konzentration auf das Wesentliche bestimmt die Szenerie, auf Stimme und Körper. Die Kostüme sind schlicht, Atmosphäre wird über ein Lichtkonzept gestaltet, und der Tanz ersetzt eine aufwändige Bühnengestaltung. „Die Tänzer verkörpern ein Stimmungsbild dessen, was der Sänger ausdrückt“, sagt Ada Ramzews. Und das geht „mitten ins Herz“.

An ihrer Seite haben Sczygiol und Ramzews neben Eric Vivion-Grandi (Orpheus), Sopranistin Martyna Cymerman (Eurydike) und Mezzosopranistin Agata Kornaga (Amor) die Tänzer Benjamin Birkner (Orpheus) und Martina Wimmer (Eurydike). Zu sehen sind außerdem Tänzer der B&M Dance Company und Studenten der Balettakademie Benedict-Manniegl. Es musizieren das Vokalensemble Fünfseenland und der Projektchor sowie das Orchester von Oper in Starnberg.

Karten für die Aufführungen am 23. Juni und am 1. Juli gibt es unter  (0 81 51) 77 21 36, beim Tourismusverband,  (0 81 51) 9 0600, und bei München Ticket. Der Eintritt kostet 30 Euro, Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

hvp

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