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An sechs Saugnäpfen hängt die 250 Kilogramm schwere Panzerglasscheibe, die die Glaser in die demolierte Fensterfront einsetzen.
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Mit der Oberkante voraus wird die Scheibe ins Ladeninnere gehievt und dann in die Fensterlaibung gesetzt.

Nach Verkehrsunfall

Panzerglas kein Teil von der Stange

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Es war Millimeterarbeit und ein gewaltiger Kraftakt. In einer Aufsehen erregenden Aktion haben fünf Spezialisten eine 250 Kilogramm schwere Panzerglasscheibe in die Fensterfront eines Starnberger Geschäftshauses gehievt und montiert – Ersatz für einen Glasbruch bei einem Verkehrsunfall.

Starnberg– Svetlana Vetter hat gestern in der Früh einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Die Geschäftsfrau und Inhaberin des Modegeschäfts Fea Fashionloft ist voller Zuversicht, dass der geplante Umzug ihres Unternehmens von der Wittelsbacherstraße in das Ladenlokal Maximilianstraße/Ecke Ludwigstraße (früher Buchhandlung Greiner) noch vor dem Weihnachtsgeschäft über die Bühne gehen wird.

Ursprünglich hatte sie den Tapetenwechsel für Anfang April ins Auge gefasst gehabt (wir berichteten). Aber eine Hürde nach der anderen vermasselten ihre Planung. Handwerker hielten vereinbarte Termine nicht ein. Unvorhergesehene Sanierungsarbeiten (zum Beispiel Erneuerung der Abflussrohrleitungen für Wasser) verzögerten den Umbau zusätzlich. Dann warfen zwei Krankenhausaufenthalte die aus Bulgarien stammende Unternehmerin zurück. Und schließlich legte ein Verkehrsunfall die Baustelle lahm. Am 22. Juli verwechselte eine 73-jährige Starnbergerin beim Einparken vor dem Geschäftshaus Gas- und Bremspedal. Ihr Pkw machte einen gewaltigen Satz und krachte in eine der großen Schaufensterscheiben des Ladenlokals.

Die Scheibe ist kein „Teil von der Stange“, wie es im Jargon der Bekleidungsbranche heißt. Es handelt sich um ein feststehendes Rundbogenfenster mit Panzerglas – eine Spezialanfertigung. Die mit der Reparatur beauftragte Starnberger Glaserei von Dieter Heinze ließ die Scheibe in der Ravensburger Firma Sprinz anfertigen. Zwei Mitarbeiter dieses Unternehmens beförderten das 250 Kilogramm schwere Trumm gestern nach Starnberg. Mit drei versierten Kollegen von Glas Heinze setzten sie unter Zuhilfenahme eines Lastenkrans die Scheibe in einem nervenaufreibenden wie schweißtreibenden Kraftakt in die Fensterfront. Dabei musste der obere, abgerundete Teil des Panzerglases ins Ladeninnere gekippt werden. Sobald die Scheibe unten im Fensterrahmen Halt gefunden hatte, wurde sie langsam aufgerichtet in ihre endgültige Position. Mit Metallschienen fixierten die Fachleute das Glas. Nach mehr als einer Stunde konnten sie erleichtert durchschnaufen.

Dieter Heinze hielt sich während der entscheidenden Minuten bewusst im Hintergrund. „Das geht gar nicht, wenn der Chef sich mit im Zentrum des Geschehens aufhält. Das macht meine Leute nur nervös“, sagte der Starnberger aus Erfahrung. Seine Firma hatte nicht zum ersten Mal einen solchen Unfallschaden beseitigen müssen. Wenige Jahre zuvor war ein Autofahrer auf eine ähnliche Art und Weise wie zuletzt die Starnbergerin mit seinem Pkw in die Fensterfront der damaligen Bücherei Greiner gekracht. Der Wagen landete im Ladenlokal und blieb genau an der Stelle stehen, „wo sich kurz zuvor eine Kundin mit ihren kleinen Kindern aufgehalten hatte“, erinnerte sich gestern Heinze.

Die Herbst-/Winterkollektion für ihr Geschäft wollte sich Svetlana Vetter schon an die Maximilianstraße liefern lassen. Da musste sie kurzfristig umdisponieren. Der Übergang vom alten zum neuen Geschäftsstandort soll demnächst nahtlos passieren. „Wir werden an einem Samstag beide Geschäfte geöffnet haben. Während ein Teil der Belegschaft sich um die Kundschaft kümmert, besorgt der andere den Umzug“, stellt sich die 42-Jährige den Ablauf vor. Welcher Samstag es sein wird, darauf will sich Geschäftsfrau jetzt noch nicht festlegen.

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