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Telefoniert wird in der Praxis der Gilchinger Zahnärztin Dr. Sabine Probst nur noch selten. Die Rezeption bleibt wegen Personalmangels oft unbesetzt.

Fachkräftemangel

Wegen Personalnot: Floristinnen und Tierarzthelferinnen in der Zahnarztpraxis - kein Einzelfall

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Den Praxen im Raum Starnberg gehen die Helfer aus und sie müssen sich mit ungewöhnlichen Maßnahmen helfen. Die Personalnot hat einen einfachen Grund.

  • Zahnärzte und Kieferorthopäden im Raum Starnberg lernen Quereinsteiger an.
  • Floristinnen, Bäckereifachverkäuferinnen oder Tierarzthelferinnen werden so zu Praxis-Assistentinnen.
  • Die ungewöhnliche Praxis hat ihren Grund.

Landkreis– Dass in der Gilchinger Zahnarzt-Praxis von Dr. Sabine Probst ein Notstand herrscht, kann jeder am Empfang lesen: „Aufgrund von Personalmangel ist unsere Rezeption nur unzureichend besetzt“, steht auf dem Zettel. Auf die vielen Ansagen auf dem Anrufbeantworter könne das Praxis-Team oft erst spät reagieren – manchmal auch zu spät, sagt Probst.

Gilching: Personalmangel in Praxis - Telefon oft unbeantwortet

„Das ist eine Negativspirale. Das Personal ist unzufrieden und die Patienten sind es es auch. Das geht ans Betriebswirtschaftliche.“ Heißt: Weniger Patienten, weniger Geld von den Krankenkassen. Die Gilchinger Praxis ist nur eine von vielen im Landkreis, die Zahnmedizinische Fachkräfte suchen – das zeigen schon die vielen Online-Annoncen.

Im Jahr 2012 eröffnete Probst die Praxis in Gilching, seitdem habe sie nicht eine Initiativbewerbung erhalten. Sie sucht Zahnarzthelferinnen und Assistenten für die Rezeption mittlerweile sogar über Ebay-Kleinanzeigen. „Ich bin ratlos“, sagt sie. Immerhin: Seit Mitte November bekommt Probst zumindest etwas mehr Unterstützung –von einer gelernten Floristin. Bei der Wurzelbehandlung wird sie die Pinzette bereitlegen und den Speichelsauger halten. Röntgen darf sie nicht, die Instrumente säubern erst nach einem Drei-Tage-Kurs bei der Zahnärztekammer. 

Im Gespräch ist derzeit auch eine andere Frau, die einzige, die sich bei Ebay gemeldet und vorher in einer Bäckerei gearbeitet hat. Fachfremdes Personal setzt Probst nur im Notfall ein. „Mit einigen hat es am Empfang nicht funktioniert. Sie sind schnell überfordert, wenn sie die medizinischen Fachbegriffe nicht parat haben.“

Lange Öffnungszeiten, unattraktive Arbeitszeiten - Nichts für Work-Life-Balance

Die Arbeitszeiten sind für die Gilchinger Ärztin ein Hauptgrund, warum der Assistenz-Job unattraktiv ist. Montags und Donnerstags, wenn die Praxis bis 20 Uhr offen ist, komme das Personal nach dem Aufräumen meist erst um 21.30 Uhr raus. Die oft genannte Work-Life-Balance sei bei der jüngeren Generationen wichtiger geworden. Die schlechte Bezahlung nennt die Kieferorthopädin Dr. Schamiem Stumpfe, die Mitte Dezember eine Praxis in Starnberg-Percha eröffnet. Die Personalsuche sei schwierig, bestätigt auch sie. 

An der Anmeldung wird sie auf eine gelernte Tierarzthelferin setzen. Eine Zahnmedizinische Fachkraft mit Zusatzqualifikation Verwaltungsassistenz – der Optimalfall – könne sie sich als Neugründerin nicht leisten. Die ausgebildete Zahnarzthelferin, die das Team im März verstärken soll, wolle nur vier Tage die Woche arbeiten. „Da muss ich Abstriche machen“, sagt Stumpfe. Die Ansprüche stellen in der Branche die Bewerber – nicht umgekehrt.

Der Herrschinger Zahnarzt Dr. Erik Vetter hat erst gestern wieder ein Inserat aufgegeben. „Wir haben mehrere Suchen hinter uns – das ist sehr teuer. Und es bewerben sich viele Schlecht-Qualifizierte“, sagt er. Quereinsteiger habe er noch nicht eingestellt, dafür versuche er in der Not immer wieder, ehemalige Teilzeitkräfte zu rekrutieren. Er habe mitbekommen, dass Zahnarzt-Ketten in München 1000 Euro Antrittsgeld zahlen würden. „Die Konkurrenz ist enorm groß. Aber wir versuchen es über die persönliche Schiene.“ Die Stimmung in der Praxis müsse gut sein, das sei enorm wichtig. Ein Phänomen macht Vetter wenig Hoffnung für die Ausbildungsberufe: Er habe schon mehrfach erlebt, dass Azubis nach der Lehre über eine weiterbildende Schule doch einen anderen Job anstreben.

Nicht klagen kann Dr. Karlheinz Ketterer, ebenfalls aus Herrsching. Eines seiner Erfolgsrezepte: „Durch Hausbesuche und Betreuung von Altenheimen sind wir immer wieder unterwegs und nicht starr an die Praxis gebunden.“ Das Team sei gut organisiert, auch dank guter Kommunikation per Social-Media-Gruppe. Und die Sprechzeiten hielten sich im Sommer in Grenzen, die Praxis ist dann maximal bis 14 Uhr nachmittags geöffnet.

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