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Im Herbst noch traut vereint, seit gestern gehen sie getrennte Wege: Roland Sprinkart (r.) erklärte gegenüber dem 1. Vorsitzenden Franz Holzinger (l.) und den Mitgliedern seinen Rücktritt als 2. Vorsitzender.

Rochade bei der FT Starnberg

Ein Amtsantritt und ein Rücktritt

Starnberg - Die "Freien Turner" haben gewählt. Dieter Glavanich ist der neue Abteilungsleiter bei den Kickern. Hinter den Kulissen knirscht es aber gewaltig.

Damit werden die Starnberger Fußballer erstmals in ihrer Geschichte von einem Österreicher geführt. Sein Vorgänger Ingolf Junietz hatte schon im Vorfeld der Wahl angekündigt, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Der scheidende Spartenchef hatte kaum seine Begrüßungsansprache beendet, da folgte in der ansonsten harmonisch verlaufenden Versammlung schon der erste Aufreger. Roland Sprinkart legte mit sofortiger Wirkung sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins nieder, in das er sich erst im vergangenen November hatte wählen lassen. 

Der Banker, der zwischen München, Frankfurt und Stuttgart hin- und herpendelt, machte dafür „berufliche und persönliche Gründe“ geltend. Sein Posten bleibt bis zur nächsten Hauptversammlung des Vereins im Herbst vakant. Es ist jedoch an der Ottostraße kein Geheimnis, dass Sprinkart einige der jüngsten Entwicklungen bei den Fußballern nicht mehr nachvollziehen konnte.

Mit Verbitterung nahm er den Vorwurf zur Kenntnis, er hätte den Verein totgespart. „Ein insolventes Unternehmen auf die Beine zu stellen, geht nicht über Nacht“, entgegnet er seinen Kritikern (siehe Kasten). Am meisten hat ihn jedoch die Kritik an seinem Wegbegleiter Ingolf Junietz getroffen. Schon im vergangenen Herbst hatte sich einiges gegen den Abteilungsleiter zusammengebraut. 

Sprinkart, damals noch 1. Vorsitzender, versuchte, seinem Freund noch den Rücken zu stärken, in dem er seinen Vertrag als Trainer der A-Jugend bis zum Juni 2017 verlängerte. Dieser taktische Kniff hätte fast dazu geführt, dass Franz Holzinger seine Kandidatur für den Posten des FT-Vorsitzenden zurückgezogen hätte. Der Unternehmer konnte sich mit der Leistung von Junietz nicht anfreunden, dem er „innerhalb der Abteilung eine komplette Handlungsunfähigkeit“ unterstellte und für die negative sportliche Entwicklung verantwortlich machte.

Was Sprinkart jedoch zurückweist: „Die Verantwortung für die Situation bei den Herren trägt der Vorstand insgesamt und nicht nur der Abteilungsleiter.“ Schließlich wären sich alle einig gewesen, keine üppigen Gehälter für Trainer und Spieler mehr zu zahlen. Junietz entschied sich in weiser Voraussicht dafür, sich nicht auf vereinspolitische Grabenkämpfe einzulassen und überließ Dieter Glavanich das Feld. 

Der Österreicher hatte im Sommer in schwerer Lage das Traineramt bei der ersten Mannschaft übernommen, konnte aber keinen einzigen Punkt holen. Die Versammlung ließ er wissen, dass seine Fachkompetenz in Sachen Fußball eher limitiert sei. Für das Amt des Abteilungsleiters würde ihn jedoch sein Organisationstalent befähigen. Holzinger hofft deshalb, dass Glavanich „die Leute schon ein wenig mitnehmen kann“. 

Die 27 Wahlberechtigten waren von diesen Qualifikationen jedenfalls vollends überzeugt und wählten den selbstständigen Graphiker einstimming. Auch Kassier Günter Binder, Schriftführerin Sandra Schäffler und Jugendleiterin Katrin Rumland konnten alle Stimmen auf sich vereinigen. Nur für das Amt des stellvertretenden Abteilungsleiters fand sich kein Bewerber, obwohl sich Glavanich und Holzinger im Vorfeld intensiv nach Mitarbeitern umgeschaut hatten. Was Sprinkart irritierte. „Einige Leute, die sich dafür stark gemacht haben, dass sie alles verändern wollen, sind nicht bereit, Verantwortung mitzuübernehmen.“

Sprinkarts Rücktrittserklärung im Wortlaut

Völlig überraschend ist am Donnerstagabend Roland Sprinkart als 2. Vorsitzender der FT Starnberg 09 zurückgetreten. Hier seine Rücktrittserklärung im Wortlaut: „Liebe Vereinsmitglieder, vor Beginn der heutigen Fußballabteilungsversammlung möchte ich folgende Erklärung abgeben. Ich habe die Vorstandmitglieder der FT bereits am 11. Februar darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich mit dem heutigem Tage mein Ehrenamt niederlegen werde. Es fällt mir nicht leicht, euch nach nahezu vier Jahren und über 1000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit diese Entscheidung mitzuteilen. 

Ich trete hiermit mit sofortiger Wirkung vom Amt des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden der FT Starnberg 09 zurück. Ich tue dies aus beruflichen und persönlichen Gründen. Am 15. Februar 2016 habe ich den Vorstand durch Vorlage eines detaillierten Finanz- und Liquiditätsplans über die aktuelle und künftige wirtschaftliche Situation des Gesamtvereins in Kenntnis gesetzt. 

Dabei möchte ich insbesondere die nachfolgenden Punkte festhalten: Der Gesamtverein wird zum Jahresende 2016 – nach seriöser Planung – über ein Vereinsvermögen in Höhe von rund 60 000 Euro verfügen. Bei dem genannten Vereinsvermögen ist bereits eine Investitonsrücklage in Höhe von 8000 Euro für die Ersatzbeschaffung des kaputten Traktors berücksichtigt. Nach erfolgreicher Sanierung, Abwendung der Insolvenz, und Übertragung der Liegenschaft an die Stadt Starnberg im Jahre 2014 ist es mir infolge konsequenten Kostenmanagements sowie eingeleiteter Rationalisierungsmaßnahmen im Jahr 2015 ebenfalls gelungen, dass bei der Bewirtschaftung des Vereinsgeländes und der Liegenschaft erstmals kein Defizit mehr verzeichnet werden musste. Aus meiner Sicht war es zunächst notwendig, den Verein zu stabilisieren sowie eine Basis zu schaffen, die es den Verantwortlichen ermöglicht, künftig agieren und nicht nur reagieren zu können. Denn: Ohne solide wirtschaftliche Basis ist ein vernünftiger Vereinsbetrieb schlichtweg unmöglich.

 Kurzum: Der Verein befndet sich in einer finanziell nie dagewesenen Situation und ist wirtschafltich kerngesund. Ich nehme für mich in Anspruch, hierzu einen wesentlichen Teil beigetragen zu haben. Deshalb bin ich auch sehr enttäuscht darüber, dass ich in letzter Zeit immer wieder mit der Aussage konfrontiert wurde, ich hätte den Verein „tot gespart“. Aus meiner Sicht sollte man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Als Diplom-Betriebswirt weiß ich, wovon ich rede.

Ohne die vorgenannten Maßnahmen würde auf der Anlage an der Otto-Straße heute wohl kein Sport mehr stattfinden. Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Ich finde es sehr schade, dass Ingo Junietz nicht mehr als Leiter der Fußballabteilung kandidiert. Ich möchte die Gelegenheit letztmals nutzen und mich nochmals recht herzlich bei ihm für das Geleistete der letzten Jahre bedanken. Ich habe in dieser Zeit nicht nur einen kompetenten Menschen mit exzellentem fußballerischem Sachverstand kennen gelernt, sondern auch einen echten Freund gewonnen. Manch einer im Verein könnte und sollte sich an ihm ein Beispiel nehmen.

Ich wünsche den Verantwortlichen ein glückliches Händchen bei den künftig zu treffenden Entscheidungen. Ich bin mir sicher: Ihr werdet den Verein mit eurem Fachwissen und Engagement in eine erfolgreiche finanzielle wie auch sportliche Zukunft führen. Alles Gute.

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