Kamerunschaf Leni zwischen den Pferden auf dem Seethalerhof mit Bettina Seethaler und Jäger Dr. Jens Assmus.
+
Total glücklich scheint das Kamerunschaf Leni zwischen den Pferden auf dem Seethalerhof zu sein. Bettina Seethaler hat es dem Besitzer abgekauft, der Jäger Dr. Jens Assmus (hinten r.) beauftragt hatte, das vor einigen Wochen entlaufene Schaf zu erschießen – doch der lehnte ab. Foto: Andrea Jaksch

Neue Heimat für entlaufenes Kamerunschaf

Pferde ganz scharf aufs Schaf

Es hat ganz schön für Aufregung gesorgt, dieses kleine Kamerunschaf. Vor einigen Wochen war es dem Besitzer entwischt und irrte zwischen Landstetten und Perchting umher. Nun hat das Tier ein neues Zuhause gefunden.

Perchting – „Ich habe letzte Woche nach unseren Pferden gesehen, und da stand plötzlich ein Schaf auf der Koppel“, berichtet Bettina Seethaler. Es war das vor einigen Wochen ausgebüxte Kamerunschaf, das auch die Starnberger Polizei auf Trab hielt (siehe Kasten). Mittlerweile scheint das Tier ein neues Zuhause gefunden zu haben: den Pferdehof Seethaler in Perchting. Bettina Seethaler lebt mit ihrer Familie, 40 Pferden und seit kurzem dem Schaf auf dem Seethalerhof. „Wir waren ziemlich überrascht und haben uns gefragt, wie es dorthin gekommen ist“, sagt sie.

Leni, wie die Seethalers ihren Neuzugang getauft haben, war Anfang August ihrem Besitzer entlaufen. Seitdem machte sie das Gebiet zwischen Perchting und Landstetten unsicher. Ein paar Straßenüberquerungen, einsame Runden durch Wald und Wiese, all das schreckte das Kamerunschaf nicht ab, verunsicherte wohl aber vorbeifahrende Menschen, bis schließlich ein Zeuge die Polizei informierte. Das Schaf jedoch ließ sich auch davon nicht beeindrucken. Es war viel zu scheu, um es ohne Betäubung einfangen zu können. Das bestätigt auch Bettina Seethaler. „Hier auf dem Pferdehof kommen wir maximal zehn Meter an es heran.“

Wer der Besitzer des Schafes ist, war lange Zeit unklar – bis er sich bei den Perchtinger Jägern meldete. „Der Besitzer hat uns gebeten, das Schaf zu erlegen“, erzählt Dr. Jens Assmus (54). Er selbst ist seit zwei Jahren bei den Perchtinger Jägern und sorgt dafür, den Wildbestand so zu regulieren, dass Wald und landwirtschaftliche Nutzflächen im Einklang bleiben. „Dass wir es nicht erschießen, war natürlich von vorneherein klar“, sagt Assmus. „Das ist erstens aus Sicht des Tierschutzes unvertretbar und gehört zweitens gar nicht zu unseren Aufgaben. Wir Jäger sind für die Wildtiere zuständig.“

Unterdessen hatte Leni längst beschlossen, sich auf dem Seethalerhof heimisch zu fühlen. „Es ist so süß“, schwärmt Bettina Seethaler. „Das Schaf ist zwar den Menschen gegenüber scheu, vor den Pferden hat es aber überhaupt keine Angst. Das war am Anfang eher andersherum.“

Die Seethalers betreiben seit zwei Jahren einen Aktivstall mit 7000 Quadratmetern. Das bedeutet, dass die Pferde rund um die Uhr frei herumlaufen, sich selbst Futter an den Fressstationen holen und immer in der Herde sind. Zu dieser Herde gehört nun auch Leni. „Am ersten Tag wollten wir sie noch einfangen“, berichtet Seethaler. „Wir waren zu fünft und hatten sie eingekreist, aber keine Chance. Sie ist entwischt und weggelaufen.“ Weg war sie allerdings nicht lang: „Schon am nächsten Tag stand Leni wieder auf der Koppel.“

Seitdem haben die Seethalers das Schaf nur noch beobachtet – und ins Herz geschlossen. „Es schmust mit den Pferden, schläft im Stall und hat sogar einmal Reste des Kraftfutters probiert“, sagt Seethaler. „Als wir die Pferdeherde auf eine neue Koppel gebracht haben, hat es geblökt und ist einfach mitgelaufen. Es sieht richtig glücklich aus.“ Die Seethalers beschlossen, erst einmal nichts zu unternehmen. Das Schaf habe die freie Wahl. Sollte es weg wollen, dürfe es gehen. Doch danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil: „Leni wird immer frecher und selbstbewusster. Ein paar Pferde sind ganz scharf auf das Schaf.“ Leni hat auf dem Seethalerhof offenbar ihr Glück gefunden. Auch die Seethalers haben das Schaf lieb gewonnen, sodass sie es schließlich dem Schäfer abkauften.

Vanessa Lange

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Krawall-Nacht vor Starnberger Polizeiinspektion: So lauten die Urteile
Krawall-Nacht vor Starnberger Polizeiinspektion: So lauten die Urteile
Schwer verletzt nach Autounfall: 22-Jährige prallt zwischen Gilching und Gauting gegen Baum
Schwer verletzt nach Autounfall: 22-Jährige prallt zwischen Gilching und Gauting gegen Baum
25 Standorte um 5G erweitert: Telekom rüstet im Landkreis Starnberg auf
25 Standorte um 5G erweitert: Telekom rüstet im Landkreis Starnberg auf
Rätsel um schwarze Plastikschnitzel
Rätsel um schwarze Plastikschnitzel

Kommentare