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Symbolfoto

Aus dem Gerichtssaal

Kurzschlussreaktion auf der Todesstrecke: Autofahrer bremst Polizei aus

Ein 59 Jahre alter Handwerker aus Pöcking musste sich vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten, weil er auf der B2 eine Zivilstreife der Polizei ausgebremst hatte. Der Hintergrund des Vorfalls ist dramatisch.

Pöcking – Eigentlich ging es um keine schlimme Tat – und dennoch geriet der Prozess zu einer emotionalen Sache. Der Fall geht so: Als ein Handwerker (59) aus Pöcking vorigen Dezember auf der B 2 immer wieder wild von Kolonnen-Springern überholt wurde, scherte er schlagartig aus und bremste ein überholendes Fahrzeug aus. Nur eine Vollbremsung des Hintermanns verhinderte die Kollision. Die Reaktion hatte wohl damit zu tun, dass die Verlobte des Pöckingers vor 20 Jahren auf dieser Strecke tödlich verunglückte. Bei dem ausgebremsten Auto handelte es sich ausgerechnet um die Polizei, die auf verdeckter Ermittlung unterwegs war.

Die Staatsanwaltschaft erließ einen Strafbefehl, gegen den der Pöckinger Einspruch einlegte. Das Amtsgericht Starnberg verurteilte ihn im März zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Euro und drei Monaten Fahrverbot. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, weil ihr das Fahrverbot zu gering war. Sie wollte mehr: eine Entziehung der Fahrerlaubnis, und zwar für acht Monate. Deshalb wurde der Fall gestern vor dem Landgericht München II noch einmal aufgerollt.

Der Pöckinger kämpfte mit den Tränen, als er vom Abend des 14. Dezember erzählte, an dem er mit einem Gehilfen von Pöcking nach Starnberg fuhr. Bereits zwei Fahrzeuge hätten dort trotz Überholverbots und Sperrflächen immer wieder scharf Autos überholt, darunter auch ihn.

„Auf einer Straße, die als gefährlich bekannt ist und wo es viele tödliche Unfälle im Jahr gibt.“ Er habe sich gedacht: „Das sind die Leute, die Unfälle verursachen.“ Er habe sich gefährdet gefühlt. Als schließlich das dritte Auto kam, dessen Fahrer sich so verhielt, und hinter ihm ausscherte, scherte er auch aus. „Um ihm zu zeigen: Er soll nicht überholen, das ist eine Gefahr.“

Der 59-Jährige sprach von einer Kurzschlussreaktion. „Ich hatte eine Reaktion, die ich nicht verstehen kann. Ich zweifle seitdem an mir.“ Ein langer Entzug der Fahrerlaubnis sei aus beruflichen Gründen aber „eine Katastrophe“ für ihn.

Die Richterin erkannte am Ende einen „Grenzfall“. Sie sprach von einem massiven Eingriff. Man dürfe sich im Straßenverkehr nicht von Emotionen leiten lassen. Doch lag ihrer Meinung nach keine „charakterliche Ungeeignetheit“ vor, die Voraussetzung für einen Entzug der Fahrerlaubnis ist. Sie verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft. Es bleibt beim Urteil aus Starnberg – drei Monate lang ist der Führerschein jetzt weg. Nina Gut

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