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Etwa 8000 Seiten hat der Historiker Dr. Paul Hoser alleine über die Starnberger Zeitungsgeschichte gesammelt. Der Münchner arbeitete als erster Historiker die politische Geschichte Starnbergs in der Kriegszeit auf.

Politische Stadtgeschichte

Starnberg wartet auf sein Buch

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Der Historiker Paul Hoser schrieb zum Starnberger Jubiläum vor fünf Jahren 800 Seiten Stadtgeschichte auf. Dafür erhielt der Münchner 40 000 Euro. Das Buch ist bis heute nicht erschienen.

Starnberg – Es ist ein gewöhnlicher Tag im Jahr 1933 – bis ein Mann in SA-Uniform mit gezogenem Revolver ins Starnberger Bezirksamt schreitet. Er schreit, er wolle seinen Bootsverleih genehmigt bekommen, sonst mache er Ärger. Er bekommt die Zulassung nicht.

Jubiläum vorbei: „Plötzlich war es nicht mehr wichtig“

Anekdoten wie diese kennt kaum ein Starnberger. Dr. Paul Hoser (70) hat sie aufgeschrieben. Die politische Geschichte Starnbergs sollte zum großen Stadtjubiläum 2012 erscheinen – bis heute ist es nur ein 800-seitiges Manuskript. Hoser sitzt in seiner Münchner Wohnung und spricht über dieses Projekt, eines seiner größten. In fast jedem Zimmer ragen Regale bis zur Decke, in den Büchern könnte die ganze Weltgeschichte stecken. Hoser ist ein Mann mit Liebe zum Detail. Für das Starnberger Projekt ging der Münchner ins Bundes- und Staatsarchiv, wertete hunderte Zeitungsartikel aus. „Ich glaube, ich bin der einzige in ganz Bayern, der sich diese Mühe macht“, sagt Hoser. Er hat schon Ortschroniken und Artikel geschrieben, viel über das 19. und 20. Jahrhundert. „Ich war immer gewohnt, dass sie es rasend schnell haben und publizieren wollen“, sagt er.

Nicht so in Starnberg: Nach zwei Jahren Arbeit gab der Historiker im Februar 2012 sein Manuskript bei der Stadt ab. Zur großen Jubiläumsfeier im Juni 2012 erschien das Werk aber nicht. „Dann war das Jubiläum rum – und plötzlich war es nicht mehr so wichtig. Ich schreibe das aber doch nicht für die Schublade.“

Kulturamsleiterin: Themengebiet ist komplex

Fünf Jahre später sitzt Hoser in seinem Wohnzimmer, versucht, das zu erklären. Äußerlich bleibt er ruhig, kann über Manches an dieser Geschichte sogar lachen. Innerlich sieht es anders aus. „Das habe ich noch nie erlebt. Es ärgert mich natürlich schon.“ Alle paar Monate bekommt er E-Mails von Stadtarchivar Wolfgang Pusch. „Ich bin immer so naiv und freue mich – aber dann kommt wieder nichts.“ Ein Beispiel: Schon im Februar 2014 schreibt Pusch, das Projekt gehe allmählich dem Ende zu. Es ist einer von vielen Anläufen, öfters war schon von der Buchpräsentation die Rede.

Neben Stadtarchivar Pusch ist auch die Leiterin des Kulturamts, Annette Kienzle, mit dem Projekt beschäftigt. Es sei sehr umfangreich, sagt Kienzle. „Das muss lektoriert und gesetzt werden, man muss Fotos heraussuchen. Uns fehlen die Kapazitäten, um es schneller herauszubringen.“ Das Themengebiet sei komplexer als bei den bisher erschienenen neun Bänden zur Starnberger Geschichte, die sich zum Beispiel mit den Flurnamen, mit Firmen, mit Bauten oder mit der Schulentwicklung beschäftigen. „Es war Pionierarbeit. Die Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus wurde in Starnberg noch nie aufgearbeitet. Da muss natürlich vieles nachgeprüft werden“, sagt Kienzle. Derzeit disponieren die Stadtmitarbeiter um: Der Stoff soll nun in zwei oder drei Bänden erscheinen. „Es wird ein spannendes Werk.“

Nächstes Ziel: Stadt peilt 2018 an

Die Starnberger hätten die Geschichten daraus gerne schon gelesen – immer wieder gibt es bei der Stadt Nachfragen, wann das Werk erscheint. Das hätten die Bürger schon früher zu Gesicht bekommen können, sagt ein ehemaliger Rathaus-Mitarbeiter. „Man hätte die Aufgaben stadtintern besser verteilen müssen“, glaubt er. „Wenn jemand konzentriert daran arbeitet, kann man es schneller bewerkstelligen.“ Innerhalb von eineinhalb Jahren sei so eine Veröffentlichung möglich gewesen. Die Stadt bearbeitet das Projekt weiter. Nächstes Ziel: Veröffentlichung im Jahr 2018.

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