Die Erschließungsarbeiten am Wiesengrund sind in vollem Gang – die Planungen bei den Häuslebauern auch. Drei von ihnen erlebten jetzt eine unliebsame Überraschung.  Foto: Andrea Jaksch
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Die Erschließungsarbeiten am Wiesengrund sind in vollem Gang – die Planungen bei den Häuslebauern auch. Drei von ihnen erlebten jetzt eine unliebsame Überraschung.

Gefälschte Schreiben im Rathaus eingegangen

Polizei ermittelt wegen Wiesengrund

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Wirbel am Wiesengrund: Im Rathaus sind drei gefälschte Schreiben eingegangen, in denen angeblich Bauherren aus dem Einheimischenmodell ihren Rücktritt anzeigten. Die Polizei ermittelt.

Starnberg – Es gibt wohl wirklich nichts, was es nicht gibt: Im Starnberger Rathaus sind gefälschte Schreiben zur Grundstücksvergabe beim Einheimischenmodell am Wiesengrund eingegangen. Drei Bauherren und die Stadt Starnberg haben Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Das teilte Bürgermeister Patrick Janik am Freitag mit und legte gleichzeitig eine Chronologie des Krimis am Wiesengrund vor.

28. September: Im Rathaus-Briefkasten liegen drei Umschläge. Vermeintliche Absender sind drei Bauherren, die im Zuge der Grundstücksvergabe am Wiesengrund je eine der 51 Reihenhausparzellen erhalten haben. In den Schreiben sagen sie der Stadt ab und treten von den Grundstücksgeschäften zurück. Die Schreiben sind auf den 22. September datiert. Von der Poststelle im Rathaus werden die Briefe zuständigkeitshalber an die städtische Liegenschaftsverwaltung weitergeleitet.

2. Oktober, 12.21 Uhr: Die drei als Absender genannten Familien erhalten von der Stadtverwaltung per E-Mail Bestätigungen ihrer Absagen. Gleichzeitig informiert das Rathaus die ersten zwei potenziellen Nachrücker.

2. Oktober, 15.48 Uhr: Die erste der drei Familien antwortet dem Rathaus, ebenfalls per E-Mail. Sie habe keine Absage geschickt und bitte um Klärung.

2. Oktober, 17.21 Uhr: Die zweite Familie meldet sich und gibt ebenfalls an, keine Absage geschickt zu haben.

3. Oktober, 18.50 Uhr: Auch die dritte Familie meldet sich mit dem Hinweis, keine Absage geschickt zu haben.

5. Oktober, gegen 8 Uhr: Mitglieder der Familien erscheinen persönlich im Rathaus, legen ihre Personalausweise vor und bekräftigen ihre Position. Sie erhalten Kopien der vermeintlichen Absagen.

5. Oktober, gegen 9.45 Uhr: Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl informiert die zwei potenziellen Nachrücker, dass es sich bei den Absageschreiben offenbar um Fälschungen handelt. Die Stadt könne und dürfe ihnen deswegen keine Zusagen für ein Nachrückverfahren machen.

5. Oktober, gegen 10 Uhr: Die Polizei meldet sich im Rathaus. Aus Reihen der drei Bauherren sei Strafanzeige gegen unbekannt gestellt worden. Die Polizei bittet um Aushändigung der Originalschreiben, um sie auf Spuren untersuchen zu können.

8. Oktober: Die Stadt schließt sich der Strafanzeige an. Janik schreibt der Polizei, dass die Videoaufzeichnungen des Briefkastens am Rathaus derzeit gesichtet würden. „Sofern Sie weitere Unterstützung der Ermittlung durch die Stadtverwaltung benötigen, zögern Sie bitte nicht, auf uns zuzukommen“, bietet der Bürgermeister den Beamten an.

Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur zeigt sich Janik am Freitag einigermaßen fassungslos und spricht von einer „Granaten-Urkundenfälschung“. Die Motivlage liege für ihn noch im Dunkeln. Ob es sich bei dem Täter um einen anderen Bewerber handelt, der bislang bei der Grundstücksvergabe am Wiesengrund leer ausgegangen ist? „Die Nachrücker wissen ja nicht, an welcher Stelle der Liste wir gerade sind“, sagt Janik. Ob es einen anderen Grund für Eifersüchteleien gibt? Womöglich gebe es verwandtschaftliche Beziehungen zumindest von zwei der drei Familien, sagt Janik. „Das kann ich aber noch nicht abschließend bezeugen.“

Immerhin scheint kein Ärger zu drohen vonseiten der zwei potenziellen Nachrücker. Sie durften sich knapp drei Tage lang kurz vor dem Ziel ihrer Träume wähnen, ehe sie Kammerls Nachricht erreichte. „Sie haben sehr verständnisvoll reagiert“, sagt Bürgermeister Janik.

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