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Ein Pöckinger hortete mehr als 700 Pakete, Päckchen und Briefe anderer Leute.

Kriminalität am Starnberger See

Polizeibilanz: Mehr Sicherheit, mehr Kontrollen und zwei außergewöhnliche Fälle

Die Kriminalität im Bereich der Polizeiinspektion Starnberg hat 2019 weiter abgenommen, wenn auch nicht in allen Bereichen. Insgesamt hat sich die Sicherheitslage verbessert.

Starnberg – Sinkende Straftaten-Zahlen sind gut. Wirklich? In einem Segment der Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Starnberg für das Jahr 2019 sind hingegen steigende Zahlen ein Indiz für eine Verbesserung: bei den Rauschgiftdelikten. Deren Zahl stieg um fast 20 Prozent an auf nun 111, also fast jeden dritten Tag eines. Tatsächlich sind viele dieser Strafverfahren eine Folge der scharfen Kontrollen durch Zivilstreifen vor allem im Bereich Bahnhof Nord und Bahnhof See in Starnberg. „Erhöhter Kontrolldruck“ nennt sich das im Polizeijargon, und Inspektionsleiter Bernd Matuschek ist mit dem Erfolg zufrieden. Bei der Rauschgift-Kriminalität muss praktisch immer die Polizei tätig werden, angezeigte werden diese Delikte so gut wie nie. Bei Betrug und Ladendiebstahl ist das anders.

Die Gesamtzahl der Straftaten in den Gemeinden Berg, Pöcking, Feldafing, Tutzing und der Stadt Starnberg ist 2019 erneut zurückgegangen. 4,9 Prozent weniger weist die Statistik aus, 2048 insgesamt – knapp sechs pro Tag. 62 Prozent oder 1276 der Straftaten wurde in Starnberg verübt, 16 Prozent in Tutzing, elf Prozent in Berg, sieben in Pöcking und lediglich vier Prozent in Feldafing. Die kleine Gemeinde bleibt damit der mit Abstand sicherste Ort im Inspektionsbereich. In allen Gemeinden ist die Gesamtzahl zurückgegangen, teils sogar kräftig. Gleichzeitig konnte die Starnberger Inspektion die Aufklärungsquote steigern: 62,6 Prozent der Taten werden geklärt, 1,6 Prozentpunkte mehr als 2018. Es ist der höchste Wert seit Jahren.

Wie sicher Orte sind, wird mit der so genannten Häufigkeitszahl (Taten je 100 000 Einwohner oder auch pro 1000 Einwohner). 39,66 beträgt sie für den Inspektionsbereich, im Landkreis 34,13, für Polizeipräsidium Oberbayern Nord 39,05 und für Bayern 46,15. Die Werte für Starnberg sind besser als vor einigen Jahren; 2017 beispielsweise lag die Häufigkeitszahl noch bei 44,2.

1900 Euro Sachschaden pro Fall - insgesamt fast eine halbe Million

Nach wie vor entstehen durch Straftaten hohe Schäden. Der reine Sachschaden wird auf rund 464 000 Euro beziffert, der gesamte Schaden auf 3,88 Millionen Euro – darin enthalten sind Beute bei Einbrüchen, ergaunerte Summen und alles andere. Rechnerisch sind das fast 1900 Euro pro Fall.

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In den einzelnen Deliktbereichen gab es teils erhebliche Veränderungen. Die Zahl der Einbrüche hat nach einem vergleichsweisen ruhigen Jahr 2018 wieder zugenommen auf 22. Die Statistik erfasst alle Fälle, die 2019 ausermittelt wurden. Es können also sowohl noch Fälle aus 2018 dabei sein, während Fälle von Ende 2019 nicht enthalten sind, weil die Ermittlungen noch laufen. Körperverletzungen sind ebenso gestiegen wie die Rauschgiftdelikte. Rückgänge gab es beim Raub, beim Diebstahl und vor allem beim Betrug. „Das ist ein bisschen besser geworden“, sagt Matuschek und meint die Betrügereien falscher Polizisten oder falschen Enkeln. Das sei nach wie vor ein großes Problem, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie 2018. Die Betrüger finden aber weiter Opfer im Landkreis, wie jüngst in Feldafing.

Im Juli versuchten Jugendliche, die Inspektion zu stürmen, was zu einem größeren Einsatz führte.

1121 Tatverdächtige wurden 2019 ermittelt, drei Viertel davon waren Erwachsene über 21 Jahren. Obwohl die Straftatenzahl gesunken ist, gab es mehr Tatverdächtige, auch bei den Jugendlichen (123, + 30) und Heranwachsenden (106, + 10). Auch 20 Kinder waren darunter, zwei mehr als 2018. Die Verteilung unter Deutschen und Nichtdeutschen hat sich 2019 kaum verändert, der Anteil der Deutschen stieg geringfügig an: 62,4 zu 37,6. Unter den Tatverdächtigen waren im vorigen Jahr mehr junge Leute unter 21: 249 nach 207 im Jahr 2018 und 224 im Jahr 2017. 10,9 Prozent der Tatverdächtigen waren Jugendliche, 9,4 Prozent Heranwachsende. Diese Werte variieren von Jahr zu Jahr, und Alkohol spielt dabei häufig eine Rolle. Aber nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahren: 2018 war jeder fünfte Jugendliche bei seiner Tat angetrunken, 2019 war es jeder elfte. Die typischen Jugend-Straftaten sind stets gleich: Rohheitsdelikte wie Körperverletzung (sechs Kinder, 32 Jugendliche), einfacher Diebstahl (Ladendiebstahl, acht Kinder, 21 Jugendliche) und Rauschgiftdelikte (keine Kinder, 41 Jugendliche). Bei den Betäubungsmitteln geht es zumeist um Cannabis.

Zwei außergewöhnliche Fälle 2019

Wie jedes Jahr warnt die Polizei vor den Folgen eines Fehltritts im Jugendalter: Es gibt einen Eintrag ins Führungsregister, beim Führerschein-Erwerb kann es Probleme geben. Wer kifft, ist nach Ansicht der Behörden nicht unbedingt geeignet, ein Auto oder ein Mofa zu fahren.

Zwei Fälle stachen 2019 hervor. Zum einen der Angriff auf die Polizeiinspektion im Juli, als mehrere Jugendliche versuchten, einen anderen aus Polizeigewahrsam zu befreien. Die Verfahren gegen mehrere Jugendliche laufen noch, zu einem Prozess kam es bisher nicht. Der zweite aufsehenerregende Fall war einPöckinger, der Hunderte Pakete anderer Menschen hortete. In eineinhalb Jahren kam der 50-Jährige auf rund 700 Stück, allerdings hat er sie nicht geplündert, sondern einfach nur gelagert. Die Beamten sind immer noch damit beschäftigt, die Pakete an Eigentümer zurückzugeben. Viele haben ihre Sendungen bereits abgeholt, eine dreistellige Zahl liegt aber weiter im Lager.

Eine Sorge ist kleiner geworden – das Personal. Matuschek: „Die Lage wird immer besser.“ Derzeit zwar nicht so sehr, weil auch die Polizei Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten hat, die erst mal zu Hause bleiben müssen. Insgesamt jedoch stehen Matuschek im Schnitt mehr Beamte zur Verfügung, und er erwartet 2021 eine weitere Verbesserung, wenn neu eingestellte Polizisten mit ihrer Ausbildung fertig sind.

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Der Fall erregte großes Aufsehen: Im Sommer vergangenen Jahres wollten Jugendliche in Starnberg eine Polizeiwache stürmen - nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.

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