Schönes Ambiente, ernstes Thema: Die bundesweite Aktion „Gedeckter Tisch“ unterstützten auf der Terrasse des Restaurants und Hotels „La Villa“ in Niederpöcking (v.l.): Barbara Lindinger vom Landgasthof „Zum Sepperl“ nach Meiling, gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter, DEHOGA-Kreisvorsitzende Claudia Aumiller und La-Villa-Direktorin Margarete Schultes.
+
Schönes Ambiente, ernstes Thema: Die bundesweite Aktion „Gedeckter Tisch“ unterstützten auf der Terrasse des Restaurants und Hotels „La Villa“ in Niederpöcking (v.l.): Barbara Lindinger vom Landgasthof „Zum Sepperl“ nach Meiling, gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter, DEHOGA-Kreisvorsitzende Claudia Aumiller und La-Villa-Direktorin Margarete Schultes.

Bundesweit und auch im Landkreis Starnberg

Protest-Aktion von Gastronomen und Hoteliers: „Wir sind kein Pandemietreiber“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
    schließen

Gleichbehandlung und Planungssicherheit wünschen sich Gastronomen und Hoteliers im Landkreis. Sie beteiligten sich an einer bundesweiten Aktion der Branche – mit einem gedeckten Tisch, an dem niemand saß.

Landkreis – Der Blick auf den Starnberger See, die gemütlichen Korbstühle und die Sonne, die sich in Weingläsern spiegelt: So einladend das Ambiente auf der Terrasse des Event-Restaurants und Tagungs-Hotels „La Villa“ in Niederpöcking war, so ernst war die Angelegenheit, die dort besprochen wurde. Die Kreisvertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA suchten mit einer Aktion die Öffentlichkeit, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Sie versammelten sich um einen gedeckten Tisch, an dem aber niemand saß. Dieses symbolträchtige Bild wählten am Montag Gastronomen und Hoteliers von der Nordsee bis zur Zugspitze – bewusst zwei Tage vor den nächsten Bund-Länder-gesprächen, bei denen es um weitere Lockerungen geht.

Deutliche Worte im Sonnenschein fand vor allem Kreisvorsitzende Claudia Aumiller: „Wir sind keine Pandemietreiber. Die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, wie im Einzelhandel oder bei Baumärkten, müssen auch für das Gastgewerbe gelten.“ Schließungen als Dauerzustand, während andere öffnen dürfen, akzeptiere man nicht. Und wichtig ist Aumiller auch: Wenn es wieder losgeht, „müssen die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können“.

Die Kreisvorsitzende erklärte aber auch: „Wir wollen nicht sofort auf Biegen und Brechen aufsperren. Aber wir brauchen eine Perspektive.“ Noch konkreter drückt der Begriff Fahrplan das aus, was sich die Branche wünscht. „Wir müssen mit unseren Angestellten planen, wir hängen in der Luft.“ Ein Monat Vorlauf vor der Wiederöffnung wäre wünschenswert, sagte Aumiller vom Hotel Garni Jakl-Hof aus Wörthsee.

Der Schauplatz der Aktion war passend gewählt

Der Schauplatz der Aktion war nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch inhaltlich passend gewählt. Denn während sich manche Gastronomen mit Mitnahme- und Lieferangeboten halbwegs über Wasser halten, ist das La Villa seit Monaten komplett auf Null heruntergefahren. Margarete Schultes, Direktorin des Hauses, sagt: „Es ist eine einzige Verschieberei.“ Ständig müsse man Leute vertrösten, die ihre Hochzeit, einen großen Geburtstag feiern oder mit ihrer Firma tagen wollen. 95 Prozent der Beschäftigten seien in Kurzarbeit null.

In Barbara Lindingers Landgasthof „Zum Sepperl“ nach Meiling kommen derzeit immerhin noch ein paar Geschäftsreisende. Auf ein To-Go-Angebot oder Ähnliches habe man verzichtet. „Der Ort ist so klein, das wäre nicht wirtschaftlich“, sagte Lindinger, die auch Vize-Kreisvorsitzende des Verbands ist.

Die Aktion unterstützten auch die Wirtschaftfördergesellschaft gwt und ihr Geschäftsführer Christoph Winkelkötter. „Die Gastronomie ist Teil der DNA des Landkreises und steht für Lebensqualität“, betonte er. Es gehe nicht um „wildes Öffnen“, sondern um die an diesem Tag häufig genannte „Perspektive“. Nebenbei erwähnte Winkelkötter, er habe von Wirten gehört, die die Novemberhilfe des Bundes erst vergangene Woche bekommen hätten. Ob er auch Betriebe kenne, die coronabedingt aufgegeben haben? „Nur Gerüchte“ seien ihm zugetragen worden, „aber nichts Konkretes“. Er und alle anderen waren sich schließlich einig: Lange hält die Branche nicht mehr durch.

Lesen Sie auch:

Ausflügler schuld? Strenge neue Corona-Regel gilt am Starnberger See - auch andere Gewässer betroffen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare