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„Abenteuer, Theater, Spiel“: So beschreibt Martin Ruhland seinen Protest vor der Starnberger Filiale der Deutschen Bank. Er demonstriert gegen den Bau der Dakota Access Pipeline in den USA. An der beteilige sich die Bank, sagt er.

Protest vor Bankfiliale

Starnbergs einsamster Demonstrant

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Martin Ruhland protestiert vor der Deutschen Bank in Starnberg. Der Musiker möchte auf die angebliche Beteiligung der Bank an einer umstrittenen Öl-Pipeline in den USA aufmerksam machen. Ein Gespräch über den einsamen Kampf von David gegen Goliath.

Starnberg – Martin Ruhland (54) macht sich nur bei gutem Wetter auf den Weg von Münsing nach Starnberg. Dort bleibt er auch nicht den ganzen Tag. Aber in den eineinhalb Stunden, die er dann mit seinem Protest-Schild vor der Filiale der Deutschen Bank am Georgenbachweg steht, gibt Ruhland Vollgas.

Im Internet stieß der Freiberufler auf das Thema: die Dakota Access. Die US-Ölpipeline führt über 1880 Kilometer von North Dakota bis Patoka (Illinois) – aber auch durch Lebensraum und Grabstätten der Sioux-Indianer, wie diese kritisieren. Sie fürchten zudem Lecks in der Leitung, das Trinkwasser könnte verschmutzt werden. Das 3,8-Milliarden-Dollar-Projekt soll im Sommer fertiggestellt sein. Noch ist Zeit für Widerstand, sagt Ruhland. Neben vielen anderen Geldgebern beteilige sich auch die Deutsche Bank an dem umstrittenen Projekt, behauptet er. Er ahnt: „Als Einzelner werde ich das Projekt nicht verhindern.“ Er wolle aber Kunden der Deutschen Bank darauf aufmerksam machen.

Deutsche Bank ist sich keiner Schuld bewusst

Die Deutsche Bank dementiert auf Anfrage unserer Zeitung eine Finanzierung des Projekts allerdings entschieden. „Wenn wir Unternehmen aus dem Energiesektor finanzieren und die an der Pipeline beteiligt sind, heißt das nicht, dass wir an dem Projekt beteiligt sind“, betont ein Sprecher. Gerade im Energiesektor oder Bergbau prüfe die Deutsche Bank Finanzierungen ganz genau.

Ruhland wollte darüber mit Bank-Angestellten in Starnberg sprechen. „Sie haben die Vorhänge zugemacht wie Scheuklappen. Das ist symptomatisch für die Strategie der Bank – sie leugnet ihre Beteiligung am Projekt.“ Der Starnberger Filialleiter ließ den Münsinger weiter protestieren. Alleine. „Ich hätte jeden willkommen geheißen – aber ab zwei Personen müsste ich es als Demo anmelden“, sagt er. Verstärkung aus seinem Umfeld gab es nicht. „Ich wüsste niemanden, der sich die Zeit nehmen wollte. Viele interessiert es nicht, andere haben Bedenken.“ So führt Ruhland alleine seinen „zivilen Protest gegen Dinge, die nicht groß beachtet werden“.

Ihn reizt die Herausforderung

Also fuhr er an drei Tagen hintereinander zur nächsten Filiale nach Starnberg. „An schönen Tagen ist es hier wunderbar.“ Den Platz seitlich des Eingangs macht der ehemalige Musiker zu seiner Bühne. Als ein Falschparker Ärger mit einem Ordnungsamt-Mitarbeiter bekommt, ruft Ruhland ihm zu: „Fahr’ lieber zu einer anderen Bank.“ Manche Autofahrer heben ihren Daumen oder sprechen mit ihm, bis die Ampel auf Grün schaltet. Kunden, die aus der Bank kommen, spricht Ruhland selbst an. Seine Bilanz: „Dass es Alternativen gibt, ist vielen Leuten nicht klar.“ Etwa würden die Sparkasse oder Raiffeisenbank lokale Projekte fördern, es gebe auch ethische und ökologische Online-Banken. Ruhland ist sich sicher: „Ein paar Kunden werden der Deutschen Bank nun den Rücken kehren.“

Ihn habe auch die Herausforderung gereizt. „Ich wollte sehen, was passiert. Starnberg ist nicht berühmt für seine Tradition an Demonstrationen.“ Vor allem aber gehe es ihm um die Indianer, die gegen das Projekt machtlos zu sein scheinen. „Das Thema ist weit weg. Aber solche Ungerechtigkeiten stören mich.“ Deshalb wird Ruhland auf dem Georgenbachplatz auch mal offensiv und ruft Kunden zu: „Sie wissen schon, was Ihre Bank mit Ihrem Geld macht?“ Nach Auftritten auf Bühnen in aller Welt habe er keine Scheu mehr. Außerdem engagiert er sich noch für andere Projekte, etwa für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ob er auch für die Sache mit der Pipeline und den Indianern eine Online-Petition unterschrieben hat, weiß er gar nicht mehr.

Als Ruhland protestierte, war gutes Wetter. „Ein Sonnenstudio vor der Deutschen Bank“, sagt er und lacht. „Wenn es ganz akut wird und morgen die Entscheidung fällt“, würde er aber auch bei Kälte und Schneeregen am Georgenbachplatz stehen.

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