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Im Amtsgericht Starnberg fand der Prozess gegen zwei renitente Gautinger statt. Die schwer bewaffneten Polizisten im Gerichtssaal mussten aber nicht eingreifen.

Aus dem Gerichtssaal

Schwer bewaffnete Polizisten sichern Prozess gegen zwei Gautinger

Gleich fünf bewaffnete Polizeibeamte in schusssicheren Westen begleiteten einen Prozess gegen zwei arbeitslose Gautinger. Ihnen wurden Betäubungsmitteldelikte, Bedrohung, Nötigung und Beleidigung zur Last gelegt.

Gauting/Starnberg –  Offenbar hatte die Polizei den Verdacht, es mit militanten „Reichsbürgern“ zu tun zu haben, und fürchtete eine gefährliche Eskalation im Gerichtsssaal. Am Ende wurde ein 29-jähriger wegen Bedrohung zu 1350 Euro Geldstrafe verurteilt, das Verfahren gegen den 34-jährigen Mitangeklagten wegen der Betäubungsmittel wird Ende Juli fortgesetzt.

Die zweieinhalbstündige Verhandlung unter Vorsitz von Amtsrichterin Brigitte Braun wurde seitens der Beschuldigten von Beginn an lautstark und aggressiv geführt: Der 29-Jährige war äußerst erbost darüber, dass Polizeibeamte bei einer Wohnungsdurchsuchung im vorigen November seine Haustür eingetreten und ihn „nackt an den Esstisch gefesselt“ hatten. „Ich weiß bis heute nicht, wer mich da bedroht hat“, sagte der Angeklagte, der behauptete, es habe keinen formellen Durchsuchungsbeschluss gegeben und auf sein Verlangen hin auch keinerlei Auskunft über die Personalien der Beamten.

Auslöser der Polizeiaktion war eine Strafanzeige der Ex-Partnerin des anderen Angeklagten gewesen, der ein gemeinsames Kind mit ihr hat: Die 35-Jährige, die in einem Sorgerechtsstreit mit dem Kindsvater steht, hatte ausgesagt, die beiden Gautinger würden gemeinsam eine Aufzuchtanlage für Marihuana betreiben und in Anwesen-heit des Kindes in der gemeinsamen Wohnung Rauschgift konsumieren. Die samt Jugendamt angerückte Polizei sah laut als Zeugen gehörten Beamten Gefahr im Verzug, daher das Türeintreten: „Wir haben geläutet, es machte keiner auf, aber wir hörten das Kind“, begründete einer der Polizisten das Vorgehen. Bei der Durchsuchung wurden geringe Mengen Marihuana und Haschisch sowie ent-sprechende Utensilien sicher gestellt, die dem 34-Jährigen zugeordnet werden konnten. Sie waren aber noch nicht sauf ihren Wirkstoffgehalt hin untersucht wurden, so dass erst ein kriminaltechnisches Gutachten angefordert werden muss: „Kann ja auch Hopfen gewesen sein“, so der Kommentar der Angeklagten.

Dem 29-Jährigen, seit 2002 zehnfach vorbestraft, bescheinigte sein Bewährungshelfer, er habe „mit sämtlichen Ämtern schwierigen Umgang“ und führe gegen diese „einen aussichtslosen Kampf“. Nach der Hausdurchsuchung hatte er laut Anklage die „Ex“ seines Mitbewohners telefonisch als „Drecksschlampe“ beschimpft und damit bedroht, er werde sie „aufschlitzen“, wenn sie sich in Gauting noch mal blicken lasse – obwohl er dies abstritt, sah das Gericht die Tat als erwiesen an: „Ich kenne doch deine Stimme“, so das als Zeugin geladene Opfer der Drohungen, mit dem sich die beiden Angeklagten im Gerichtssaal ähnlich heftige Wortgefechte lieferten wie mit ihren vom Gericht bestellten Pflichtverteidigern. „Sie können sich rüber zur Anklage setzen!“, fuhr der 34-Jährige seinen Anwalt zwischendurch an. Die bewaffneten Beamten mussten aber nicht eingreifen.

Thomas Lochte

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