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Symbolbild.

Aus dem Gerichtssaal

Radler schwer verletzt: Autofahrer entschuldigt sich unter Tränen

Vor zweieinhalb Jahren ereignete sich auf der Hauptstraße in Starnberg ein schwerer Unfall zwischen einem Porsche-Fahrer und einem Radler. Nun gab es die juristische Aufarbeitung vor Gericht.

Starnberg – Ein Moment der Unachtsamkeit – und für zwei Männer ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Mitte Juli 2015 kollidierte ein Porsche Cayenne auf der Hauptstraße in Starnberg mit einem radelnden Asylbewerber. Die Folgen sind verheerend. Der heute 22-jährige Radler lag mit einem schweren Schädelhirntraume und Hirnblutung zwei Monate lang in der Klinik. Sieben Mal musste der junge Türke am Kopf operiert werden, er leidet bis heute massiv unter den Verletzungsfolgen. Vor dem Amtsgericht musste sich am Donnerstag der Porsche-Fahrer verantworten, ein 48 Jahre alter Unternehmensberater aus Starnberg. Die Staatsanwaltschaft legte dem Familienvater fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht zur Last.

Nach Mitternacht war er seinerzeit auf der Heimfahrt, als er beim Linksabbiegen einen dumpfen Schlag bemerkte: „Ich habe niemanden gesehen. Aber es hat einen Krach gemacht und ich bin in Panik geraten wie in einem Tunnel.“ Im ersten Schreckmoment ergriff er die Flucht. Nach knapp 20 Minuten kehrte er gemeinsam mit seiner Ehefrau an den Unfallort nahe des Seufzerbergs zurück und stellte sich der Polizei.

Mit Tränen in den Augen folgte der 48-Jährige gestern den Schilderungen des in Seefeld wohnhaften Asylbewerbers. „Mein Leben ist schon fast vorbei“, sagte der 22-Jährige. „Ich lag etwa 30 Tage lang im Koma. Jetzt habe ich eine Platinplatte im Kopf. Ich kann nicht mehr arbeiten, mich nicht konzentrieren, habe fast immer Schmerzen im Kopf.“

Laut Sachverständigenurteil war der Porsche in jener Nacht zwar nicht zu schnell gefahren. Es könne jedoch davon ausgegangen werden, dass er die Kurve schnitt und die Kollision mit dem entgegenkommenden Radler damit begünstigte. Aber auch der Geschädigte hatte die nötige Sorgfalt vermissen lassen. Nach dem Moscheebesuch mit einem Freund auf dem Heimweg, fuhr er dunkel gekleidet und ohne Licht. Einen Helm trug er nicht. Richter Franz von Hunoltstein ging deshalb von einem erheblichen Mitverschulden aus.

Sichtlich bewegt bat der Angeklagte sein Opfer per Handschütteln um Entschuldigung. Bereits im Vorfeld der Verhandlung hatte er dem 22-Jährigen 10 000 Euro überwiesen, um die Wartezeit auf die Schmerzensgeldzahlung der Versicherung in Höhe von 15 000 Euro zu verkürzen. Zu Gute kamen dem Vielfahrer zudem seine bisher lupenreinen Straf- und Verkehrsregister. Obwohl der 48-Jährige zum Unfallzeitpunkt leicht alkoholisiert war (0,19 Promille), sagte Richter von Hunoltstein: „Das war ein Augenblicksversagen.“ Urteil: 90 Tagessätze à 370 Euro. Das Fahrverbot beträgt drei Monate. nh

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