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Hürden zwischen Stasi (r.) und Matheis (l.): Die Schneider (Marianne Erhard, 2.v.l., und Rudi Schwab, 2.v.r.) sitzen zwischen dem Liebespaar (Andreas Ruhdorfer und Veronika Locherer), die in „Matheis bricht’s Eis“ einiges überwinden müssen, bis sie zueinander finden dürfen.

Queri-Stück in Starnberg

Das jodelnde Liebespaar

Tradition, wo sie hingehört: Die Starnberger Trachtler zeigen mit Hilfe der Theaterfreunde Hochstadt und de Heimatbühne eine gelungene, unterhaltsame Inszenierung von Georg Queris „Matheis bricht’s Eis“.

Starnberg – Im Schnitt etwa alle 16 Jahre kommt „Matheis bricht’s Eis“ seit 1922 auf die Brettl in Starnberg. Für die siebte Inszenierung zu Ehren des 140. Geburtstags des Autors Georg Queri heuer wurden Beziehungen zwischen drei Vereinen geknüpft, um das Singspiel auf die Bühne zu bringen – inklusive eines achtköpfigen Musikensembles. Am Samstag war Premiere in der Schlossberghalle.

Vom „Orchestergraben“ her, der effektiv durch schwarzes Tuch improvisiert ist, lässt die Musik nichts zu wünschen übrig: Bauernwalzer und Landler von Heinrich Gerstetter (1939 in Starnberg gestorben) ertönen geschmeidig und in der Lautstärke zurückgenommen, schließlich bilden sie meist die Unterlage für Gesänge oder kurze Jodler. Für diese öffnet sich der Vorhang erst auf das Zeichen von Starnbergs Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger hin, dem auch das Akkordeonspiel und die musikalische Leitung obliegen.

Der zunächst gemächliche, entfernt an Operetten-Schmäh erinnernde erste Akt gehört zum Charme des 101 Jahre alten Stücks, das dennoch von Beginn an zündenden Humor hat. Diesen konzentriert Sepp Bernlochner als „Gschwendtnerbauer“ durch Lachfalten und hintergründigen Schalk zu einer Paraderolle. Sittenstreng bildet die steife Ehefrau (Barbara Pfaffinger) einen zwideren Gegenpol, was herrlich grantige Schimpfworte beim Altbauern provoziert.

Enkelin Stasi (Veronika Locherer) überzeugt als junge Jodlerin, denn so kann sie ihrem Verehrer (dem bauernlustigen Lehrer, gespielt von Andreas Ruhdorfer) schon aus der Weite antworten. Später trällern beide sogar ein Duett, etwas hoch vielleicht, aber treffend in den Tönen und ebenso in der verliebten Stimmung.

Das Stück baut allerdings Hürden auf, bevor sich die Lebenswege fügen. Da ist das knödelhungrige Gesangsduo aus Schneidermeister und Geselle: Rudi Schwab und Marianne Erhard spielen und singen mit herrlichen Pointen. Dann kommt der reiche Bauer Vöstl des Weges, der eigentlich die gebührend geldige Partie für den Gschwendtnerhof wäre: Sebastian Hofer rührt durch seine stoisch durchgehaltene Sprachverzögerung zu Lachtränen.

Die größte Schicksalshürde ereignet sich am Kirchweih-Fest. Was genau, wird nur aus den Worten der Heimkehrer offenbar – richtig großes Theater. Die im dämmrigen Mitternachtslicht staunenswert schwankenden Rückkehrer erzählen im Suri so frei von der Leber weg, dass man spätestens ab jetzt die Zwerchfellerschütterung auch der Jugend garantieren kann, doch diese machte sich bei der Premiere rar.

Mit den Ermahnungen vom Pfarrer (passend zwischen Leitlinien und Lebensfreude zerrissen: Manfred Schulz) und den Paragrafen des Schulinspektors (recht preußelnd: Georg Ruf) scheint das Schicksal noch einmal Steine in den Weg zu werfen, doch der Gschwendtnerbauer fängt sie ab wie Tennisbälle: etwas einfältig zwar, doch dazu sehr bauernschlau und sogar ein bisschen cool. Unbemerkt stellt er klammheimlich die Weichen; seine lausbübische Freude dabei steckt an. Die Darsteller des Heimat- und Volkstrachtenvereins legen in den Kulissen der Heimatbühne spürbaren Spielspaß vor – und warten zwischendurch mit dem Gag auf, wie auch der schneckenlangsame Vöstl seine Traumfrau findet.

Nach knapp drei Stunden Spiel vermeint man, nur zwei dagewesen zu sein: ein besseres Kompliment an die spielende Truppe – angeleitet von „Nachtwächter“ Willi Großer und unterstützt von den Theaterfreunden Hochstadt – kann es nicht geben. Von den zuschauerfreundlich nach oben ansteigenden Sitzreihen will der Beifall nicht enden.

Weitere Aufführungen

am Montag, 7., Dienstag, 8., Donnerstag, 10., und Samstag, 12. Oktober, jeweils um 20 Uhr in der Schlossberghalle.

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