Radldemo auf dem Kirchplatz in Starnberg
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Die Radlfahrt von Gilching über Gauting fand ihren Abschluss in der Veranstaltung auf dem Starnberger Kirchplatz.

Demonstration

Radfahrer machen mobil

Etwa 50 Radfahrer haben am Samstag im Landkreis unter dem Motto „Mehr Platz fürs Rad“ für bessere Radwegeverbindungen demonstriert. Landrat Stefan Frey verwies auf einen Radförderpakt.

Starnberg – Mehr als zwei Stunden waren sie unterwegs, 40 Kilometer hatten sie von Gilching über Gauting hinter sich – und trotzdem schienen die etwa 50 Fahrraddemonstranten nicht müde zu sein, als sie am Samstagnachmittag am Starnberger Kirchplatz zur Abschlusskundgebung eintrafen. Dort plädierten sie vor allem für besser ausgebaute Radwege und sichere Radwegeverbindungen zwischen Starnberg und Nachbarlandkreisen.

Die Klimaschutzgruppen „Fridays for Future“ und „Omas for Future“, die Ortsgruppe Gauting des Bund Naturschutz (BN), die Starnberger Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hatten sich im Zuge des diesjährigen STAdtradelns zum Aktionsbündnis Radwegbau zusammengeschlossen. „Das Alltagsroutennetz ist zum Großteil nicht befestigt, es gibt keine Beleuchtung, die Wege sind dreckig nach Regen“, kritisierte ADFC-Vorsitzender Anton Maier. Heinz Moser vom VCD forderte 7,50 Euro pro Landkreisbürger für bessere Radwege. In diesen sieht er vor allem die Konfliktvermeidung zwischen Fußgängern, Autofahrern und Radfahrern. Ellen Hacker, stellvertretende Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, kritisierte lange Realisierungsprozesse.

Eine, die jeden Tag Rad fährt, ist die Gymnasiastin Adele Derksen. Die 17-Jährige fährt im Sommer öfters von Gauting nach Starnberg in die Schule, ansonsten zumindest zum Gautinger Bahnhof. „Manchmal sind die Autofahrer aufdringlich“, berichtet sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Es ist unangenehm, direkt an der Straße zu fahren.“ Gustl Machnik (70) aus Höhenrain macht oft Radtouren in die Umgebung. „Ich wünsche mir eine bessere Verbindung der Nachbarlandkreise untereinander. Das sind oft enge Straßen mit Kurven. Da würde ein Radweg für mehr Sicherheit sorgen.“

Aber sind all die Forderungen wirklich gerechtfertigt? Landrat Stefan Frey kam am Samstag als letzter Redner zu Wort und erklärte, warum die eine oder andere Forderung nur schwer umsetzbar sei. „Eine Verbindung der Nachbarlandkreise durch Radwege ist von der Straßenverkehrsordnung aktuell noch verboten“, erklärte er. „Aber ich habe bereits vor ein paar Wochen nachgefragt und bin dran. Ich würde ja selbst gerne außerorts Alternativen schaffen.“ Zusätzliche Radweg neben der Straße kommen für Frey derzeit eher weniger in Frage. „Um diese Radwege zu bauen, muss man zuerst den Grund erwerben. Dann gibt es mit dem Naturschutz Konflikte, weil man einfach zusätzliche Fläche braucht und dafür Natur opfern muss.“

Frey setzt daher auf den Ausbau von bestehenden Radwegen, die durch Wälder führen. „Wir sollten unsere Möglichkeiten umweltfreundlich und finanziell nutzen“, sagte er. Eine weitere Lösung sieht er in dem Konzept des Fahrradschutzstreifens. Denn dafür brauche man keine zusätzliche Fläche, der Streifen sei nachts immer beleuchtet und werde auch gemeinsam mit der Straße gereinigt. Auch Ellen Hacker vom BN sieht in dem Schutzstreifen einen möglichen Kompromiss. „Wenn wir die Straßen schmäler machen, muss keine Natur beschädigt werden. Nur auf stark befahrenen Straßen traue ich mich auch nicht auf den Schutzstreifen.“

Aber steht es um Starnbergs Radwege wirklich so schlecht? Vor drei Jahren erhielt der Landkreis den Titel „fahrradfreundliche Kommune“. Heuer ist eine Rezertifizierung fällig, und dafür muss der Landkreis Fortschritte aufweisen. Laut den Demonstranten gibt es diese Fortschritte kaum, weshalb auch die Grünen den Titel bereits freiwillig abgeben wollten (wir berichteten). Die Begründung: Starnberg hat den Titel nicht verdient. Ganz anders sieht das Stefan Frey: „Durch eine Rezertifizierung behalten wir uns als Ansprechpartner auf Augenhöhe, Finanzierungsgelder und ganz andere Möglichkeiten.“ Im Winter will er einen Radförderpakt vorstellen. „Alles auf einmal geht nicht, aber wir werden gemeinsam Schritt für Schritt vorangehen. Ich freue mich auf die Aufgabe und mache mich gerne auf den Weg mit Ihnen“, sagte er. Vanessa Lange

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