Radfahrer und Fahrradweg-Schild
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Radler sind gefährdet - sie gefährden manchmal aber auch andere (Symbolfoto)

Unfallstatistik der Polizei

Radler am Starnberger See fahren gefährlich - im doppelten Sinn

Pandemiebedingt sind die Unfallzahlen im Bereich der Polizeiinspektion Starnberg 2020 drastisch gesunken. Der positive Trend hat Ausnahmen – die Zahl der Verletzten ist deutlich angestiegen. Ursache sind Radfahrer, und das im doppelten Sinn.

Starnberg – Im vorigen Jahr hat es deutlich weniger gekracht im Bereich der Polizeiinspektion Starnberg, also in Stadt Starnberg, Pöcking, Feldafing, Tutzing und Berg. Die Unfallzahl sank um 22,8  Prozent auf 1571 – so wenige wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Es wurden jedoch mehr Menschen verletzt als im Vorjahr (+ 2,9 Prozent auf 252) – Oliver Jauch, Verkehrssachbearbeiter der Inspektion, führt das vor allem auf die steigende Zahl an Radfahrern zurück, die fast zwangsläufig auch mehr Unfälle bauen, vielfach alleine.

„Obwohl die Gesamtunfallzahlen deutlich zurückgegangen sind, ist bei den Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Radfahrern im Jahr 2020 eine enorme Steigerung zu verzeichnen“, schreibt Jauch in seinem Jahresbericht. 137 Fahrradunfälle in den fünf Gemeinden gab es, 39 oder fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr. 136 Radfahrer wurden dabei verletzt, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. In 106 Fällen waren die Radfahrer auch Verursacher. 76-mal stürzten Radler ohne Fremdeinwirkung, fast die Hälfte mehr als 2020. Der Anteil der Pedelec-Fahrer blieb fast gleich bei etwa 20 Prozent. Der älteste Verunfallte war 72, der jüngste 15 Jahre alt. Die Ursachen liegen für Jauch auf der Hand: Ohne die einfachen Stürze war zumeist falsche Straßenbenutzung Ursache: „Die Radfahrer fuhren verbotswidrig auf dem Gehweg oder entgegen der Einbahnstraße.“ Das will die Polizei heuer verstärkt überwachen und unterbinden.

Lockdown-Zeiten und Ausgangssperren haben auf den Straßen zu einem deutlichen Rückgang des Verkehrs geführt und damit auch der Unfälle, aber nicht durchgehend. Kleinunfälle – der klassische Parkrempler zum Beispiel – sind um fast 30 Prozent zurückgegangen, auch die Unfälle ohne Verletzte wurden weniger. Um fast zehn Prozent zugenommen haben entgegen des Trends die Unfälle mit Personenschaden (+19 auf 219). Großen Anteil daran haben die Radfahrer, aber nicht nur. Ein Todesopfer war 2020 nicht zu beklagen, wie auch 2019 nicht.

Ändern sich in der Pandemie die Unfallursachen? Eher nicht

Ändern sich in der Pandemie die Unfallursachen? Eher nicht. Hauptursache ist, rein statistisch, mangelnder Abstand, was aber nicht zwingend Auffahrunfall bedeutet: Die meisten Parkrempler fallen darunter. Jauch: „Wirkliche Abstandsvergehen im fließenden Verkehr sind eher die Ausnahme.“ Bei schweren Unfällen (mit Verletzten) sei keine Hauptursache erkennbar. Tempo, Vorfahrtsverletzungen, Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes (Frontalzusammenstoß) kommen vor, auch Fehlverhalten von Fußgängern (vier Fälle). Dass es mehr Geschwindigkeitsunfälle gab, liegt wiederum an der Radfahrern – wer zu schnell ist und stürzt, wird in dieser Rubrik einsortiert. Alkoholunfälle sind ebenso zurückgegangen wie Unfallfluchten, letztere um 18 Prozent.

Es gab aber eine Reihe schwerer Unfälle, bei denen Schutzengel Schwerstarbeit zu leisten hatten. So fuhr eine Rennradfahrerin im Mai auf die Westumfahrung bei Hadorf auf und übersah einen Jeep – wohl, weil sie auf ihr Navi schaute. Sie wurde lebensgefährlich verletzt, konnte nach vier Wochen die Klinik wieder verlassen. Eine Herrschingerin (18) war drei Monate im Krankenhaus, nachdem sie Ende September bei Söcking mit einem Lkw kollidiert und im Wrack ihres BMW eingeklemmt war. Ursache dürften abgefahrene Reifen auf nasser Straße gewesen sein, so Jauch. Spektakulär war auch die Landung eines Rettungshubschraubers auf der Münchner Straße im Dezember. Der Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung bei einer Frau bestätigte sich nicht. Geahndet ist ein illegales Autorennen einiger Niederländer im Januar 2020 durch Starnberg, wobei einer beinahe ein Mädchen überfahren hätte, das bei Grün die Hauptstraße überqueren wollte. Der Mann darf in Deutschland nicht mehr Auto fahren.

Weniger Verkehr, mehr Zeit für die Polizei, ihn zu überwachen

Weniger Verkehr bedeutet auch mehr Zeit für die Polizei, den Verkehr zu überwachen. Die verhinderten Alkoholfahrten blieben fast konstant (40), 48-mal erwischten die Beamten Rotlichtsünder, 275-mal Gurtmuffel und 364-mal Autofahrer mit Handy. 104 Autofahrer wurden bestraft, weil sie Behindertenparkplätze ohne Berechtigung nutzten. Bei Geschwindigkeitskontrollen habe sich gezeigt, erklärte Oliver Jauch, dass trotz weniger Verkehr die Zahl der Verstöße prozentual gleich blieb, jedoch mehr Autofahrer viel zu schnell fuhren (etwa jeder siebte). Deswegen und wegen Erhöhungen der Bußgelder – die auch beim Falschparken Wirkung zeigten – ging die Zahl der Fahrverbote kräftig nach oben. Unrühmlicher Spitzenreiter sei ein Starnberger (25) gewesen, der bei Possenhofen mit 126 statt 60 km/h erwischt wurde (900 Euro, zwei Monate Fahrverbot). Auf der B 2 fuhren ein Mann und eine Frau mehr als 50 km/h zu schnell. Ein Motorradfahrer in Kempfenhausen kam auf 88 statt erlaubten 50 km/h.

Und die Falschparker? Allein in Percha/Kempfenhausen wurden 235 Autofahrer verwarnt, weil sie auf dem Grünstreifen parkten. 224-mal standen Autos in Rettungswegen. Jauch sieht dagegen feste Barrieren als sinnvoll an – wie die Schranke an der Seepromenade am „Undosa“. Dort gab es 2020 keine Verstöße mehr.

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