Die Streuobstwiese an der Friedhofstraße in Söcking wurde letztmals im Frühjahr vergangenen Jahres mit Obstbäumen bepflanzt. Sechs weitere Wiesen dieser Art sollen nach Wunsch der Stadträte angelegt werden.
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Die Streuobstwiese an der Friedhofstraße in Söcking wurde letztmals im Frühjahr vergangenen Jahres mit Obstbäumen bepflanzt. Sechs weitere Wiesen dieser Art sollen nach Wunsch der Stadträte angelegt werden.

Umwelt

Neun Punkte für Artenschutz: Streuobstwiesen, Biotope, Insektenhotels - So schaut’s in Starnberg und Ortsteilen aus

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die Stadt Starnberg hat ihre Ergebnisse zum Ist-Zustand bezüglich des Artenschutzes vorgestellt. Das Rathaus präsentiert sogar zwei Punkte mehr als geplant.

Starnberg – Es ist ein knappes Jahr her, dass der Ferienausschuss des Starnberger Stadtrats die Verwaltung beauftragt hatte, den Ist-Zustand zum Artenschutz in der Stadt zu ermitteln. Diese Woche wurden die Ergebnisse im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität vorgelegt. Dabei hat das Rathaus die von der SPD ursprünglich beantragten sieben Punkte freiwillig um zwei weitere ergänzt.

Streuobstwiesen

Aktuell gibt es nach der Auflistung der Stadt sechs Streuobstwiesen, davon zwei in Söcking und jeweils eine in Leutstetten, in Landstetten, in Percha und in Perchting. Sie sind zum Teil verpachtet. Die Wiese unterhalb des Klosters in Percha benötigt Pflege und Nachpflanzung, am Mitterweg in Perchting und an der Friedhofstraße in Söcking wurden im vergangenen Jahr letztmals Obstbäume gepflanzt.

Auch zehn mögliche Standorte für neue Streuobstwiesen sind aufgelistet: die Fläche des ehemaligen Gartenbauvereins in Perchting, die Wiese nördlich des Klosters in Percha, in Starnberg beim Wasserwerk und Am Sonnenhof sowie sechs Flächen in Söcking, darunter am Fritz-Gartz-Weg, an der Normannstraße, am Höhenweg und an der Carolinenstraße.

Blühwiesen/Streifen

Mehrere Dutzend Grundstücke über ganz Starnberg verteilt werden mittlerweile als extensive Blühwiesen oder Blühstreifen genutzt, davon sind einige in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen, etwa am Steininger Grundstück oder an der Possenhofener Straße. Allein dort sind 5000 Blumenzwiebeln gepflanzt und 22 verschiedene Wildblumensorten gesät worden. Gar 35 Wildblumensorten wachsen mittlerweile an der Gautinger Straße und am Bahnhof Nord.

Zu früh gemäht worden sei übrigens nicht, sagte Bürgermeister Patrick Janik. Er kenne den Vorwurf, aber: „Wenn man die Flächen nicht mäht, wuchert das Gras irgendwann so hoch, dass nichts mehr blüht.“

Als mögliche neue Blühwiesen hat die Verwaltung die Rasenflächen ausgemacht, die bislang vom städtischen Betriebshof regelmäßig gemulcht werden. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass für die Pflege neue Mähgeräte für etwa 120 000 Euro und zusätzliches Personal erforderlich sei. Eine Summe, die nicht nur Dr. Ursula Lauer (Grüne) für zu hoch gegriffen hielt. Rudolf Zirngibl (CSU) schlug vor, lieber den Maschinenring oder einen Landwirt mit der Aufgabe zu betrauen statt 120 000 Euro auszugeben.

Trockenmauern, Totholz, Insektenhotels

Trockenmauern, in denen sich zum Beispiel Reptilien wohlfühlen, gibt es in Starnberg nur drei: eine alte im ehemaligen Klostergarten in Percha – und zwei neue, sogenannte Steingabionen, im Bodendenkmal St. Benedikt und bei der Villa Rustica.

Totholzhaufen hat der Betriebshof in den vergangenen Jahren in Wäldern und Grünflächen angelegt, zum Beispiel im Hochwald, im Maisinger Bachtal und am Riedener Weg. Christiane Falk (SPD) sprach sich dafür aus, Totholzhaufen an Schulen anzulegen. „Das ist ein Muss“, sagte sie. „Und auch ein Bildungsauftrag.“

Das Insektenhotel im Schlosspark ist eines von vieren in Starnberg.

Drei große Insektenhotels wurden im Jahr 2017 in Abstimmung mit dem Bund Naturschutz am Mausoleum in Söcking, in der Maisinger Schlucht und im Schlossgarten in Starnberg aufgestellt. Dazu kommt ein kleineres am Museum Starnberger See. Um auch Wildbienen Nistmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, sollen die Anlagen erweitert werden. Um natürliche Nistmöglichkeiten für Insekten anzubieten, werden Säume an Waldrändern und Wildblumenwiesen angelegt. Hinzu kommt die Schilffläche am Bürgerpark, die aus diesem Grund nur alle drei Jahre im Wechsel geschnitten wird.

Biotopvernetzung

Die Stadt versuche grundsätzlich, Grundstücke für eine Vernetzung von Biotopen zu erwerben, heißt es in dem Bericht.

Gewässer und Bäche

Der Siebenquellenbach, der Lüßbach und der Maisinger Bach – aufgrund ihrer Größe sogenannte „Gewässer dritter Ordnung“ – sind im Stadtgebiet freigelegt. Georgenbach und Fuchsengraben sind noch verrohrt oder zumindest teilweise verrohrt. Vor allem innerorts sind die Bäche stark verbaut. Das zu ändern, ist teuer. 250 000 bis 300 000 Euro würde allein eine Teilrenaturierung des Lüßbachs in Percha kosten. Dr. Franz Sengl (Grüne) bemängelte vor allem, dass Oberflächenwasser in die Bäche eingeleitet werde. „Das ist ein völlig ungesetzlicher Zustand“, sagte er.

Fassadenbegrünung

Dächer und Fassaden städtischer Liegenschaften sind zum Teil bereits begrünt, neun Liegenschaften könnten folgen: das Rathaus, das Feuerwehrhaus Starnberg, die Grundschulen Starnberg und Söcking, die Mittelschule, die Musikschule sowie die Turnhallen von Gymnasium und FT sowie am Hirschanger.

Private Gärten

Die Eindämmung von Kies- und Schottergärten ist zwar gewünscht, aber oft schwer durchzusetzen.

Bäume

Der Betriebshof pflanzt derzeit pro Jahr etwa 40 bis 60 Bäume an Straßen und auf Grünflächen nach.

Schutz für Vögel

In den vergangenen drei Jahren hat die Stadt am Seebad, an der Ludwigstraße und am Waldrand in Leutstetten 50 neue Nistkästen aufhängen lassen. Zudem soll der Einbau von vogelfreundlichem Glas beim Neubau oder der Sanierung von städtischen Gebäuden künftig berücksichtigt werden.

Der Beschluss

Einstimmig beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, zahlreiche Maßnahmen zu prüfen, darunter die Anlegung von sechs zusätzlichen Streuobstwiesen. Dazu gehört auch die Erfassung von Ausmaß und Vermeidungspotenzial von Lichtverschmutzung. Jeweils zum Jahresende soll die Verwaltung künftig Bericht zum Artenschutz erstatten.

ps

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