Köderboxen, Drahtzaun, Pfefferspray: Mit diesen Mitteln geht Werner Netzel in seinem Garten gegen die Ratten vor.
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Köderboxen, Drahtzaun, Pfefferspray: Mit diesen Mitteln geht Werner Netzel in seinem Garten gegen die Ratten vor.

Ein Fall für den Kammerjäger

Rattenplage im Achheimviertel

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Ratten sind los im Achheimviertel. Werner Netzel sichtete kürzlich acht Nager gleichzeitig in seinem Garten. Die Plage treibt ihn und seine Nachbarn bereits seit Mitte 2020 um – und sie wird immer schlimmer. Schädlingsbekämpfer scheiterten bisher, nun muss der Hotelpächter des Bayerischen Hofs einen einschalten.

Starnberg – Die Ratte sitzt seelenruhig auf dem Schuhabstreifer direkt vor der Terrassentür. Sie putzt sich mit den Hinterbeinen, fühlt sich unbeobachtet und merkt nicht, dass Werner Netzel sie durch die Scheibe filmt. Die vielen Kothäufchen auf der Fußmatte können unmöglich von dem einen Tier alleine stammen, das es sich dort gemütlich gemacht hat. Am vergangenen Wochenende sichteten Netzel und seine Frau acht Ratten gleichzeitig in ihrem Garten. „Wir nutzen ihn nicht mehr und lassen unsere vier Enkelkinder dort nicht mehr spielen. Wer weiß, welche Viren und Bakterien die Ratten übertragen können.“

Das Problem mit den Nagern treibt Familie Netzel und andere im Starnberger Achheimviertel schon seit vergangenem Sommer um. Und es wird immer schlimmer. Obwohl die Eigentümergemeinschaft mehr als 3000 Euro für professionelle Schädlingsbekämpfer ausgegeben hat und Köderboxen aufstellen ließ. Obwohl Netzel, in Stiefeln und mit Pfefferspray in der Hand, auf die Jagd geht und die Gänge der Tiere wieder zuschüttet. Trotz seiner neuesten Hoffnung, ein besonders engmaschiger Drahtzaun, sagt der 72-Jährige: „Die privaten Möglichkeiten, der Rattenplage Herr zu werden, sind ausgeschöpft.“

Werner Netzel, weißes Haar, Schnauzbart und mit blauer Weste im Garten unterwegs, wirkt trotz allem besonnen. Seine Sorgen schildert er in ruhigem Ton. Seit einigen Jahren ist er pensioniert, war unter anderem Vorstandsmitglied beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. „Ich bin keiner, der gerne Trubel macht“, sagt er. „Aber so geht es nicht mehr weiter.“ Seine Vermutung: Die Ratten kommen vom städtischen Grundstück mit Bayerischem Hof und Volkshochschule nebenan in seinen Garten. Deshalb hat er sich vor etwa einem Monat an die Stadt gewandt – ohne große Resonanz, sie verwies aufs Gesundheitsamt. Immerhin: Aus dem Landratsamt hieß es eines Tages, dass eine Schädlingsbekämpfung nach einem Hinweis der Behörde gestartet werde.

Wirklich konkrete Infos bekam Netzel aber erst, nachdem der Starnberger Merkur Stadt und Landratsamt mit seinen Sorgen konfrontiert hatte. Per E-Mail aus dem Bürgermeisterbüro: Der Pächter der Griechischen Taverna im seit Dezember geschlossenen Bayerischen Hof (siehe Kasten) habe einen Rattenbekämpfer beauftragt. In spätestens sechs Wochen wisse man, ob die Maßnahme wirkt. Am Tag darauf kam die Korrektur: Es sei nicht der Pächter des Restaurants, sondern des Hotels. Der, Nicolas Schrogl, stellt auf Nachfrage klar: „Wir teilen uns die Kosten mit dem Griechen.“ Das Müll-Häuschen wird von beiden genutzt. Schrogl vermutet wie Netzel, dass die Ratten dort Nahrung finden. Das habe auch sein Hausmeister bemerkt. Und die Tiere hätten ihre Ruhe: „Seit der Schließung schaut dort vielleicht einmal in der Woche jemand vorbei“, sagt der Hotelier, der nun eine Fachfirma beauftragt hat.

Rattenbekämpfung ist eine ausgefuchste Sache. Die Tiere sind nämlich sehr intelligent. Das Prinzip: Das Gift verursacht innere Blutungen, die Ratten sterben nicht sofort, sondern erst nach zwei Tagen oder später. Damit die anderen nicht misstrauisch werden und den Köder ebenfalls fressen. Ungefährliche Nahrung bieten den Tieren laut Anwohner Netzel die gelben Müllsäcke, die das Abfallunternehmen AWISTA einmal in der Woche vor den Haustüren abholt. „Sie reißen leicht, eine wunderbare Futterstelle“, sagt er. Netzel habe dem AWISTA angeboten, auf eigene Kosten eine Tonne anzuschaffen und darin die gelben Säcke bis zur Abholung aufzubewahren. Die Idee kam nicht gut an, so der Starnberger: „Mir wurde telefonisch mitgeteilt, dass die Gelben Säcke dann nicht entsorgt werden.“

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