+
Das Dach der Musikschule ist schwer sanierungsbedürftig. Das erläuterte Architekt Benedikt Sunder-Plassmann (r.) dem Bauausschuss bereits im Februar 2019.

Großer Andrang bei Ausschusssitzung 

Der Rettungsplan für die Musikschule: Es gibt Geld von der Stadt - Zukunft am jetzigen Standort aber offen

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
    schließen

Die Stadt Starnberg will die gröbsten Sicherheitsmängel am Gebäude der Musikschule in den nächsten Wochen beseitigen, sodass nach den Sommerferien dort wieder unterrichtet werden kann. Ob die Schule jedoch langfristig eine Zukunft an der Mühlbergstraße hat, ist offen.

Starnberg – Wie gut, dass die städtischen Gremien aufgrund der Corona-Abstandsregeln derzeit im großen Saal der Schlossberghalle tagen. So hatten die Besucher der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrats am Dienstagabend ausreichend Platz. Rund 50 Lehrer, Eltern und Schüler der städtischen Musikschule waren da, um zu erfahren, wie es mit der Schule und dem schwer sanierungsbedürftigen Gebäude an der Mühlbergstraße weitergeht. Dabei wurde schnell klar: Zwischen kurzfristigen Maßnahmen und einer langfristigen Lösung kann mehr als ein Kilometer Luftlinie liegen.

Die kurzfristigen Maßnahmen für die Musikschule

Am Montagnachmittag habe es eine Begehung des Gebäudes mit Fachplaner, Statiker und Bauaufsicht gegeben, erklärte Bürgermeister Patrick Janik. Das wichtigste Ergebnis: „Unsere Befürchtungen wurden leider bestätigt. Im aktuellen Zustand ist der Betrieb der Musikschule dort nicht vertretbar.“ Das hölzerne Treppenhaus, keine Abschottungen in die Flure, teils fehlende zweite Fluchtwege: Zu gravierend sind die Brandschutzmängel an dem 120 Jahre alten ehemaligen Krankenhaus und Altenheim. Die machen es zudem unmöglich, die seit 32 Jahren fehlende Genehmigung für den Betrieb der Musikschule zu erlangen.

Allerdings machte Janik in seinem Vortrag gleich zu Beginn der Sitzung den knapp 1100 Schülern und 38 Lehrkräften auch Hoffnung: „Das ist alles bewältigbar“, sagte er. Nun komme es darauf an, die erforderlichen Maßnahmen die Sommerferien über in Abstimmung mit dem Landratsamt zu erledigen. Ziel sei es, nach Ende der Ferien den Betrieb in dem Gebäude wieder aufzunehmen. Lediglich der linke Flügel im zweiten Stock könne nicht mehr dauerhaft geöffnet werden, sagte er. Da aber nie alle Schüler gleichzeitig unterrichtet würden, sollte das zu kompensieren sein.

So stellt sich der Architekt die sanierte Musikschule an der Mühlbergstraße vor. Das ist der Favorit von BMS und WPS im Finanzausschuss.

Einstimmig stellte der Haupt- und Finanzausschuss dafür 100 000 Euro in den Haushaltsplan für das laufende Jahr ein. Janik sieht diese kurzfristige Rettung jedoch unabhängig von einer langfristigen Lösung. „Alles Weitere braucht eine vertiefende Betrachtung“, sagte er und schlug deshalb vor, die zunächst vorgesehenen Ausgaben von weiteren 4,4 Millionen Euro auf die nächsten drei Jahre zu schieben. Auch dafür bekam er eine Mehrheit, allerdings lehnten BMS und WPS diesen Beschluss ab.

Bürgermeister und Vorgängerin gegensätzlicher Meinung

„Wollen wir die Komplettsanierung für 5,2 Millionen Euro oder einen anderen Standort?“ So formulierte Janik die Frage, die zu entscheiden sei. Er selbst gab am Dienstag darauf keine abschließende Antwort, betonte aber: „Die Existenz einer Musikschule in Starnberg wird von niemandem hier im Saal in Frage gestellt.“

Seine Vorgängerin, BMS-Stadträtin Eva John, machte sich vehement für einen Verbleib an der Mühlbergstraße stark. „Wenn die Existenz der Musikschule nicht in Frage gestellt wird, haben wir Handlungsbedarf“, sagte sie. Noch in diesem Jahr sollte die Genehmigungsplanung für die Sanierung erfolgen, forderte John. Alles andere sei „nicht besonders verantwortungsbewusst“.

Das Argument der leeren Kassen ließ John nicht gelten. Ein Kredit sei für nahezu null Zinsen zu bekommen und könne über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren getilgt werden. Ein Vorschlag, den Janik kategorisch ablehnte. „Es wird nicht mehr funktionieren, Probleme, die wir haben, mit Geld zu lösen“, erwiderte er.

Für die Sanierung sprach sich auch Markus Mooser (WPS) aus. „Die Musikschule gehört in ein historisches Gebäude“, sagte er und ging in seinem Beitrag sogar noch einen Schritt weiter: „Mich beschleicht das Gefühl, die Musikschule kommt als Spielball von Grundstücksspekulationen unter die Räder“, sagte er.

Das sind die Überlegungen für das Moosaik auf der Fläche des heutigen Gewerbegebiets. Dort die Musikschule unterzubringen, hoffen CSU und FDP.

Ludwig Jägerhuber (CSU) warnte hingegen davor, „blindlings in Richtung Sanierung zu gehen“. Zwar sei die vorliegende Planung „gut durchdacht und sehr gefällig“, dennoch müsse sich der Stadtrat in Zeiten knapper Kassen sehr gut überlegen, wo und wie er Millionen investieren wolle. Dabei brachte er die Moosaik-Pläne ins Spiel – die groß angelegte Neuordnung des bestehenden Gewerbegebiets an der Petersbrunner Straße. „Dort sind große Flächen zumindest im Gedankenspiel möglich“, sagte Jägerhuber. Diese Gedanken sollte sich jeder machen. „Und dann muss es auch möglich sein, darüber nachzudenken, das Gebäude an der Mühlbergstraße zu veräußern“ – was nichts mit Spekulationen zu tun habe. Er jedenfalls sei ganz optimistisch, dass sich in den nächsten zwei bis drei Jahren in den Planungen fürs Moosaik etwas ergeben könne.

Ähnlich äußerten sich auch Vertreter anderer Fraktionen. „Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass wir diese tolle Planung nicht so ohne Weiteres umsetzen können“, sagte Kerstin Täubner-Benicke (Grüne). Dennoch sei es richtig, jetzt noch nicht abschließend zu entscheiden. Christiane Falk (SPD) sprach sich dafür aus, mit Ruhe eine Lösung zu finden, „damit der Betrieb auch für künftige Generationen gewährleistet ist“. Auch Franz Heidinger (BLS) konnte sich gut vorstellen, „dass die Musikschule an einem anderen Standort sehr gut und vielleicht sogar noch besser fortgeführt werden kann“, wie er sagte. Am deutlichsten wurde Marc Fiedler (FDP). „Fünf Millionen Euro plus X“ werde er für die Sanierung nicht beschließen, sagte er und sprach von einem „Millionengrab“ an der Mühlbergstraße.

Das sagt die Leiterin der Musikschule

Cornelia Lee-Winser, die Leiterin der Musikschule, äußerte sich am Mittwoch gegenüber dem Starnberger Merkur zur aktuellen Situation. Auf der einen Seite sei sie „erleichtert“, dass sich Bürgermeister Janik und Vertreter aller Fraktionen für den Erhalt der Musikschule ausgesprochen und Geld für die Ertüchtigung bereitgestellt haben. „Das hat uns sehr beruhigt“, sagte sie. „Es tut uns gut, das zu hören.“

Auf der anderen Seite gebe es aber auch eine gewisse Verunsicherung, was die langfristige Planung anbelangt. „Das Haus ist uns sehr ans Herz gewachsen.“ Sie sei nun gespannt, wie die Diskussion weitergeht.

Patrick Janik möchte voraussichtlich in der Bauausschusssitzung im September wieder über das Thema diskutieren. Spätestens im Herbst geht es auch darum, wie viel Geld für die Musikschule in den Haushalt für das Jahr 2021 eingestellt wird.

Lesen Sie auch:

Um den Stand der Energiewende ging es jüngst im Umweltausschuss des Kreistags. Das Ergebnis: ernüchternd.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Verwirrung um Wohnhaus im Biergarten
Ein Einfamilienhaus im Biergarten der „Alten Linde“ in Wieling: Dieser Bauantrag hat den Feldafinger Bauausschuss etwas verunsichert. Nach Meinung des …
Verwirrung um Wohnhaus im Biergarten
SARS-CoV-2: Zwei neue Fälle am Donnerstag
Die Lage in der Corona-Pandemie im Landkreis Starnberg bleibt unsicher. Am Donnerstag stieg die Zahl um zwei Fälle.
SARS-CoV-2: Zwei neue Fälle am Donnerstag
Jenseits des Cabrio-Champagner-Klischees
Man zeigt, was man hat: Gestern hat die gwt ihre neue Homepage mit potenziellen Filmkulissen im Landkreis vorgestellt. Die soll Filmschaffenden aber nicht nur bei der …
Jenseits des Cabrio-Champagner-Klischees
Alkoholverbot an Starnberger See-Promenade? Kiosk-Betreiber schreibt Brandbrief an den Stadtrat: „Wenn das kommt...“
An der Uferpromenade des Starnberger Sees könnte ein Alkoholverbot eingeführt werden. Ein Kioskbetreiber wehrt sich nun heftig - und zeigt auf, was das eigentliche …
Alkoholverbot an Starnberger See-Promenade? Kiosk-Betreiber schreibt Brandbrief an den Stadtrat: „Wenn das kommt...“

Kommentare