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Nicht nur Rinder müssen gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden.

Blauzungenkrankheit

Rindern, Schafen und Ziegen droht Seuche: Impf-Empfehlung für fast 15 000 Tiere

Die Bauern fürchten die Afrikanische Schweinepest – aber eine andere Tierseuche ist dem Landkreis viel näher: die Blauzungenkrankheit. Der Landkreis Landsberg ist deswegen bereits Sperrgebiet. Das Landratsamt mahnt Tierhalter zur Impfung.

Landkreis– Der Rems-Murr-Kreis ist weit weg, meint man. In dem Kreis nordöstlich von Stuttgart wurde vor wenigen Tagen die Blauzungenkrankheit nachgewiesen, eine für Rinder, Schafe und Ziegen gefährliche Tierseuche. Der Ausbruch in 150 Kilometern Entfernung hat Folgen bis ins Fünfseenland: Der Landkreis Landsberg ist ab Dienstag, 26. Februar, Sperrgebiet, ebenso der Landkreis Fürstenfeldbruck. Starnberg hat diesmal noch Glück gehabt, doch bereitet sich Veterinäramtsleiter Dr. Johannes März schon einmal auf die Seuche vor.

Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine Virusinfektion bei Wiederkäuern, also Rindern, Schafen und Ziegen. Vor allem Schafe und Rinder sind gefährdet, betroffen können aber auch Lamas, Alpakas oder Wildtiere sein. Die Seuche wird nicht von Tier zu Tier, sondern nur über Stechmücken verbreitet, weswegen sie normalerweise nur in wärmeren Ländern wie Portugal oder Türkei auftritt – wie es gerade jetzt im Winter in Baden-Württemberg zum Ausbruch kommen konnte, ist vielen Experten ein Rätsel. Für den Menschen (und andere Tiere) ist die Blauzungenkrankheit völlig ungefährlich, auch beim Verzehr von Fleisch oder Milch. Ihren Namen hat die Seuche durch die blaue Zunge, die befallene Tiere bekommen.

Krankheit wird von Stechmücken verbreitet

Das Landratsamt hat bereits in der vorigen Woche alle Rinderhalter im Landkreis – es gibt 199 – über die Ausbreitung informiert und ihnen dringend nahegelegt, ihre Tiere impfen zu lassen. Das ist – anders als bei der Afrikanischen Schweinepest – möglich und nachweislich wirksam. Im Landkreis gibt es nach Angaben von Kreissprecher Stefan Diebl rund 11 330 Rinder. In der kommende Woche werde die Kreisbehörde alle Schaf- und Ziegenhalter informieren und ihnen ebenfalls zur Impfung raten. Schafhalter gibt es im Landkreis 109 mit 2570 Tieren; die registrierten 1061 Ziegen gehören 74 Haltern. Sollte auch der Landkreis von einem Sperrgebiet betroffen sein oder eine Impfung anordnen müssen, liegen die entsprechenden Verfügungen griffbereit in der Schublade. Erfahrungen hat der Kreis mit der Blauzungenkranheit: 2007 trat sie auf, 2009 in der Nähe. Seit 2012 galt der Landkreis wie ganz Deutschland als BT-frei.

Die durch den Fall bei Stuttgart nötige 150-Kilometer-Sperrzone endet genau an der Landkreisgrenze. Dießen jedoch liegt bereits in der Sperrzone, ebenso Eching, Grafrath oder Germering. Aus der Sperrzone dürfen gefährderte Tiere nicht in andere Regionen transportiert werden – es sei denn, sie sind geimpft oder kurz zuvor negativ getestet worden. „Für Tiere, die innerhalb des Restriktionsgebietes verbracht werden, sind entsprechende Erklärungen der Tierhalter zum Gesundheitsstatus notwendig“, teilte das Landratsamt Landsberg mit.

„Vor allem für Schaf- und Ziegenhalter heißt das höchste Alarmstufe“

Bauernobmann Georg Zankl treibt das Auftreten von BT die Sorgenfalten auf die Stirn. „Vor allem für Schaf- und Ziegenhalter heißt das höchste Alarmstufe“, sagt er, „damit ist nicht zu spaßen“. Kommende Woche, so hofft er, werde er nach Tagungen auch mit Tierseuchenexperten genauer wissen, wie es weitergeht. Vor Jahren hatte der Landkreis einmal eine Pflichtimpfung angeordnet, was bei den Landwirten auf ein geteiltes Echo gestoßen war. Manche hatten sich danach dagegen ausgesprochen. Ob sich das nun noch aufrechterhalten lasse, will Zankl herausfinden – bisher gibt es nur Empfehlungen. Bei einer Impfpflicht ist auch die Bezahlung anders geregelt. „Wer auf Nummer sicher gehen will, der impft“, sagt Zankl – auch wenn er derzeit mitbezahlen muss.

ike

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