Kind mit Fahrradhelm
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Damit Kinder sicher am Straßenverkehr teilnehmen, sollen sie einen „Fahrradführerschein“ machen.

Verkehrserziehung frühzeitig beendet

Rund 1100 Viertklässler können heuer nicht mehr ihren Radlführerschein machen

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Sicher zur Schule, sicher nach Hause – wenn möglich mit dem Rad. Dazu soll die Fahrradprüfung für Viertklässler beitragen. Zum Ende des Schuljahres ist der „Fahrradführerschein“ für die Kinder einer der Höhepunkte. Um Schüler, Lehrer und Polizisten angesichts der Corona-Pandemie keinem Infektionsrisiko auszusetzen, hat sich das Kultusministerium in Abstimmung mit dem Innenministerium nun aber dazu entschieden, dass die Fahrradprüfung heuer für den aktuellen Jahrgang nicht stattfinden wird. Rund 1100 Viertklässler im Landkreis sind davon betroffen.

Landkreis – „Das ist schade für die Kinder“, sagt Walter Fischer, der zusammen mit seinem Kollegen Harald Lehmeier von der Polizeiinspektion Gauting aus eine der größten mobilen Jugendverkehrsschulen Bayerns betreut und die Trainings im ganzen Landkreis durchführt. In Gauting und Gilching haben sie das Training noch bis fast zur Prüfung geschafft. Dann kam das Schreiben des Ministeriums. Besorgte und enttäuschte Eltern hätten sich schon an sie gewandt und ihnen berichtet, wie sehr sich ihre Kinder auf die Fahrradprüfung gefreut hätten, berichtet Fischer. Fast täglich hätten einige geübt, um ihr Können den Polizisten vorzuführen.

Der Verkehrsunterricht durch die Polizei, da sind sich alle Fachleute einig, hat in der Vergangenheit schon so manches Kinderleben gerettet. Durch eine fundierte Ausbildung könne die Unfallrate spürbar gesenkt werden, sagt Polizeioberkommissar Fischer. „Das ist sogar statistisch bewiesen.“ Und angesichts der heutigen Verkehrsdichte ist das Training eine wichtige Ergänzung zum theoretischen Teil, der im Heimat- und Sachunterricht behandelt wird. Kinder seien nach diesem Unterricht, in dem sie Verhaltensregeln und Verkehrszeichen lernen, signifikant weniger in schwere Unfälle verwickelt.

Eltern sollen mit Kindern üben

In je drei Doppelstunden üben die Kinder das Fahrradfahren, das richtige Linksabbiegen mit Beachten des Gegenverkehrs und den Schulterblick auf den Schulhöfen, wo die Polizisten ihre Verkehrsschule aufbauen. Danach steht noch eine Doppelstunde für die praktische Prüfung an – die zum Bedauern der Verkehrserzieher nun wegfällt.

Nun seien die Eltern gefragt, mit ihren Kindern zu üben. Das sei besser als nichts zu machen, sagt Fischer. Er und Lehmeier hätten sich darüber hinaus schon Gedanken gemacht, wie man die Prüfung und den Unterricht in komprimierter Form nachholen könne, zum Beispiel am Nachmittag oder im kommenden Schuljahr, wenn die Kinder an den weiterführenden Schulen sind. Ob das angesichts anderer Lehrplan- und Unterrichtsstrukturen möglich ist, steht aber in den Sternen. „Wie das Kultusministerium das handhabt, wissen wir nicht“, sagt Fischer.

Dass der Fahrradführerschein nicht stattfindet, geht dem Verkehrserzieher nahe. „Die Kinder kennen uns eigentlich vom Kindergartenalter an“, sagt Fischer. Dort besprechen die beiden Beamten mit den Vorschulkindern im Stuhlkreis das Verhalten im Straßenverkehr, zum Schulwegtraining sieht er sie bald darauf als Erstklässler wieder.

Kleines Wiedersehen mit Polizisten gibt es doch

Ein Wiedersehen mit den vor einem Monat an die Schulen zurückgekehrten Viertklässlern wird es dennoch geben, allerdings mit Abstandsregeln und Mundschutz. Von diesem Montag an dürfen die Polizisten in Kleingruppen mit je 15 Kindern zumindest die praktische Einheit zum „Toten Winkel“ nachholen, wofür Fischer mit dem Lkw auf den Schulhof kommt. Die „Toter-Winkel-Plane“, die auf dem Boden ausgebreitet wird, kann Fischer nutzen. So sollen Kinder lernen, dass ein Lkw-Fahrer sie beim Rechtsabbiegen nicht sieht. Der Perspektivwechsel, in normalen Zeiten ist Teil der Unterrichtseinheit, bleibt ihnen aber verwehrt. Dafür müssten die Kinder in den Lkw steigen, von wo aus sie ihre ganze Klasse im „Toten Winkel“ verschwinden sehen – doch die darf aktuell weder eng beisammen stehen noch dürfen die Kinder in den Lkw steigen.

Zwar bietet das Innenministerium als Ergänzung im Internet „recht gut gemachte Filme von der Verkehrswacht“ an, weiß Fischer. Aber: „Das ist natürlich kein Ersatz für die Radfahrausbildung.“

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