News-Ticker: Gesuchter Imam bei Explosion in Alcanar getötet

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Der alte Fischkutter „Seefuchs“ wird ab Donnerstag unter dem Kommando des Starnbergers Sampo Widmann in Seenot geratenen Flüchtlingen im Mittelmeer zur Hilfe eilen.

Flüchtlingshilfe

Sampo, der selbslose Seenotretter

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Er ist Architekt und war Lehrbeauftragter für Architektur an der Hochschule München. Er ist 74 Jahre alt und will nun Menschen retten. Sampo Widmann aus Starnberg ist Kapitän der „Seefuchs“, deren Besatzung sich als Erstretter für in Seenot geratene Flüchtlinge vor der libyschen Küste einsetzt – freiwillig.

Starnberg – Wie gelangt ein Architekt und Professor für Architektur als Kapitän auf einen Hochseekutter? Sampo Widmann ist passionierter Segler. Der Starnberger hat den Hochseeschifferschein für Sportboote erworben. Mit seinem eigenen Segelboot hat er fast alle Weltmeere durchkreuzt – seit 1992 in den zwei Monaten im Sommer, wenn er als Lehrbeauftragter Urlaub hatte. In den vergangenen zwölf Jahren war er vor allem in südostasiatischen Gewässern unterwegs. Derzeit liegt sein Boot in einem Hafen an der wegen Piraterie berüchtigten Straße von Malakka zwischen Sumatra und Singapur vor Anker. Zum Jahresende möchte er das Boot durch das Rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer überführen.

Das Mittelmer wird aber schon lange vorher sein Arbeitsplatz sein. Am Donnerstag startet Widmann zu seinem ersten Einsatz auf der „Seefuchs“. Die Besatzung dieses Schiffes wird Flüchtlingen Hilfe leisten, die vor der libyschen Küste in Seenot geraten sind. Und Widmann ist Kapitän dieses ehemaligen Fischkutters. Um das Schiff mit seinem Sportbootschein steuern zu dürfen, fährt die „Seefuchs“ unter niederländischer Flagge. Denn bei unserem EU-Partner bedarf es nur eines Federstrichs, um ein Berufsschiff wie den Fischkutter zum Sportboot umzuschreiben.

Erste Erfahrungen in der Unterstützung von Asylbewerbern hat Widmann als Mitglied des Tutzinger Helferkreises gesammelt. Um die Jahreswende 2016/17 ist er auf die in Regensburg ansässige Organisation Sea-Eye aufmerksam geworden. Er nahm Kontakt mit dem Verein auf, informierte sich und wurde wenig später Mitglied.

Sea-Eye hat es sich wie andere so genannte NGOs (Nichtregierungsorganisationen) der Flüchtlingshilfe im Mittelmeer verschrieben. Beeindruckt hat ihn die auf eine einfache Postkarte gedruckte Losung des Vereins: „Rettung aus Seenot braucht keine politische Legitimation.“ Weisungsgebunden ist Sea-Eye aber dennoch. Der Verein ist im Auftrag der Seenotrettungszentrale MRCC in Rom tätig. Widmann bringt die Mission auf diesen Nenner: „Wir arbeiten daran, dass Menschen nicht ertrinken.“

Auch wenn dem Starnberger der erste Einsatz erst noch bevorsteht, weiß er, auf was er sich einlässt. Bei mehreren Treffen mit den Schiffscrews hat er sich vorbereitet. Stützpunkt der Sea-Eye-Schiffe ist Malta. Von dort aus starten die bis zu zehnköpfigen Schiffsbesatzungen zu ihren 14-tägigen Einsätzen vor der libyschen Küste. MRCC lässt das Gebiet überfliegen und schlägt Alarm, wenn ein in Seenot geratenes Flüchtlingsboot gesichtet worden ist. Das nächstgelegene Schiff von Sea-Eye oder einer anderen NGO wird zur Ersthilfe an den Notfallort geschickt. „Diese Weisung ist für uns verpflichtend“, sagt Widmann, „obwohl wir Freiwilllige sind.“ Vor Ort wird recherchiert, wie viele Menschen an Bord des Bootes sind, wie viele Frauen, Kinder, Verletzte bzw. Kranke darunter sind. Die werden sofort an Bord genommen – auch wenn der Platz auf der „Seefuchs“ auf 80 Personen beschränkt ist. Die erste Hilfsmaßnahme ist die Ausgabe von Schwimmwesten, davon hat die „Seefuchs“ 700 an Bord. Größere Schiffe werden alarmiert, die anderen Bootsinsassen zu bergen.

Ein zunehmend schwieriges Unterfagen. Nachdem sich Gerüchte verbreitet hatten, die Ersthelfer seien Steigbügelhalter der Schlepper, habe sich die italienische Marine mehr und mehr geweigert, helfend einzugreifen nach dem Motto: „Jeder ertrunkene Flüchtling ist einer weniger, der nach Europa kommt“. Dieses Gerücht habe auch der deutsche Innenminister Thomas de Maizière befördert, treibt es Widmann die Zornesröte ins Gesicht: „Wir arbeiten nicht mit Schleppern zusammen. Die sind nur auf das Geld der Flüchtlinge aus. Es ist ihnen völlig egal, was mit ihnen passiert. Ob sie überleben oder nicht, diese Leute betreiben ihr schmutziges Geschäft skrupellos weiter.“

Dennoch hat der Vorwurf dem Verein geschadet: Das Spendenaufkommen ist deutlich geschmolzen. Das ist für den Verein eine Überlebensfrage, da er sich ausschließlich über Spenden finanziert. Allein der Unterhalt der beiden Kutter – neben der „Seefuchs“ betreibt Sea-Eye noch die „Sea-Eye“ – kostet im Jahr ein halbe Million Euro. Da hilft es auch nicht wirklich, dass alle Helfer vollkommen unentgeltlich und ehrenamtlich tätig sind. Widmann:; „Wir zahlen sogar die Flugkosten nach Malta aus der eigenen Tasche.“

Mit seinem künftigen Teilzeit-Arbeitsplatz hat sich Widmann bereits anfreunden können. Er hat die „Seefuchs“, eine Neuerwerbung von Sea-Eye, im Frühjahr von Brest nach Malta überführt. Das hat immerhin gut vier Wochen gedauert. So betritt Widmann am Donnerstag vertrautes Pflaster, pardon vertraute Planken. Zwei Einsätze wird er im August leiten. Dann im Oktober nochmals zwei. Über eine mangelnde Zahl an Helfern kann sich sein Auftraggeber Sea-Eye nicht beklagen. „Aber Kapitäne gibt es nicht so viele“, begründet Widmann die Doppelschichten: „Da kann ich direkt was tun in der Flüchtlingshilfe.“

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