+
Morsch: Balken im Dachstuhl der Söckinger Kirche St. Stephan.

Söckinger Wahrzeichen bedroht

Schäden am Dach: Risse in St. Stephan

Die Kirchenstiftung St. Ulrich in Söcking steht vor einer neuen, teuren Herausforderung: Das Dach der Kirche St. Stephan ist so marode, dass es in den kommenden Jahren massive statische Probleme bis hin zur Einsturzgefahr geben könnte. Die Sanierung kostet rund 750 000 Euro, Spenden sind nötig.

Söcking – Vor etwa einem Jahr fielen an der Kirche St. Stephan in Söcking Schäden auf. Die Kirchenstiftung St. Ulrich um Kirchenpfleger Wolfgang Wittmann und Eugen Hartmann hat den Zustand des Söckinger Wahrzeichens aus dem 15. Jahrhundert sofort untersuchen lassen – mit einem erschreckenden Ergebnis. Eine Sanierung ist dringend erforderlich, die rund 750 000 Euro kosten wird. Mehr als ein Drittel muss die Kirchenstiftung selbst aufbringen – dabei investiert sie gerade schon Hunderttausende in die Kirche St. Ulrich.

„Wir sind draufgekommen, weil kleine Risse entstanden sind“, sagt Eugen Hartmann. Außen sind sie zu sehen, innen auch. Der Verdacht lag nahe, dass sich der Dachstuhl bewegt. Dr. Matthias Jagfeld, ein ausgewiesener Kirchenexperte, hat für die Stiftung die Kirche untersucht und ein Gutachten vorgelegt. Es habe „die traurige Gewissheit der Neigung von Außenwänden durch eine Spreizwirkung des Dachstuhls“ ergeben, erklärt Hartmann. Eigens für den Gutachter hatten die Söckinger Gerüste an der Kirche aufgestellt, damit alle Teile vermessen und untersucht werden konnten. Betroffen ist nur das Langhaus, nicht der Chor – der war schon einmal statisch ertüchtigt worden.

Ursache ist Wasser, das vom Dach abläuft und von außen in den Dachstuhl eindringt. Viele Balken sind morsch, vor allem auf der Nordseite. Denn: Auf der Südseite trocknet Feuchtigkeit wegen der Sonneneinstrahlung schneller. Durch die Schäden drückt der Dachstuhl aufs Mauerwerk, die Außenwände neigen sich bereits um drei bis sechs Zentimeter nach außen. „Das ist grenzwertig“, sagt Hartmann. Binnen weniger Jahre – die Rede ist von maximal fünf – könnten sich die Schäden so ausweiten, dass Einsturzgefahr besteht. Derzeit gibt es noch keine Nutzungseinschränkungen.

Aufwändige Sanierung nötig

Wittmann und Hartmann bekamen vom Gutachter auch Lösungsvorschläge – im Prinzip eine Stahlkonstruktion unter dem Dach, die die Wände zusammenzieht. Zudem muss der Dachstuhl teilweise erneuert werden. Das, erklärt Wittmann, sei gar nicht so einfach, weil einige morsche Balken so lang sind, dass sie nicht auf einmal ausgetauscht werden können. Die Untersuchungen brachten auch neue historische Erkenntnisse: Im Dachstuhl ist die Jahreszahl 1752 eingeschnitzt.

Die Kosten betragen schätzungsweise bis zu 750 000 Euro, sagt Wittmann. 60 Prozent steuert die Diözese bei, bleiben rund 300 000 Euro aufzubringen. „Die Kirchenstiftung St. Ulrich als Eigentümer von St. Stephan verfügt leider über keinerlei Pfründe und hat nach den Renovierungsmaßnahmen am Pfarrhof und der Ulrichskirche praktisch keine Mittel mehr“, sagt Hartmann. Deswegen wurde bereits ein Spendenkonto eingerichtet. Die Daten: Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, IBAN DE75 7025 0150 0029 0825 00. Die Stiftung hofft auch auf Zuschüsse der öffentlichen Hand und von anderen Stiftungen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare