Die Schafkopfrunde am Bildschirm (im Uhrzeigersinn v.l.): der „Unterbrunner“, „Luigi 55“, „Der Zahler“ sowie rechts unten „Stierflecken Oehi“.
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Die Schafkopfrunde am Bildschirm (im Uhrzeigersinn v.l.): der „Unterbrunner“, „Luigi 55“, „Der Zahler“ sowie rechts unten „Stierflecken Oehi“.

Ausweichen ins Internet

Schafkopfen im digitalen Exil: Starnberger Runde lässt sich von Pandemie nicht den Spaß verderben

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Der Kampf gegen die Corona-Pandemie macht auch erfinderisch. Ein Beispiel ist die Schafkopfrunde um den Starnberger Martin Eickelschulte. Der Starnberger Merkur war dabei.

Starnberg – Vor 47 Jahren haben sich Fünftklässler des Starnberger Gymnasiums zum Karteln zusammengeschlossen. „Wir haben jede Möglichkeit genutzt, von der Pause bis zu irgendwelchen Zugfahrten und Wandertagen, um Schafkopf zu spielen“, erinnert sich Johann Groß aus Starnberg. Er ist mit 57 Jahren der Senior der Runde, die sich am Freitagabend vor den Bildschirmen im digitalen Exil trifft.

Nach dem Schulabschluss sowie wegen Berufsausbildung und Studium versandete das Kartendreschen zunächst – bis sich die Runde vor etwa 22 Jahren in der damaligen Gaststätte „Poeterie“ in Starnberg traf. Dort wurde beschlossen, wieder regelmäßig zum Schafkopfen zusammenzukommen – einmal im Monat an einem Freitag.

Ehemalige Schulfreunde trafen sich einmal im Monat - dann kam Corona

Die Zusammenkunft hat ihre Regeln. „Wer das Treffen ausrichtet, stellt das Essen, die Getränke, die Chips, die Gummibärchen und die Schokolade“, erklärt Roland Fichtel (56) aus Unterbrunn. „Die Treffen gehen reihum, wobei die Essensqualität unterschiedlich ist, je nachdem, wer dran ist.“

Die Spielzeit ist grundsätzlich nicht beschränkt. In der Regel beginnt die Runde um 20 Uhr und endet gewöhnlich gegen 23 Uhr – mal eher, mal später. „Es gibt allerdings ein Zeitlimit: Jeder Teilnehmer hat bei jedem Schafkopfabend genau eine Minute Zeit, um über seine Krankheiten zu sprechen“, sagt Roland Fichtel und erklärt das Prozedere mit der Begründung: „Wir wollen schließlich Karten spielen und nicht irgendwelche Geschichten hören.“

Schafkopfen, Skifahren - und der „Bonanza“-Koch

Die Männerrunde beschränkt ihr gesellschaftliches Engagement allerdings nicht nur aufs Kartenspiel. Jedes Jahr im Januar geht es gemeinsam in die Wildschönau in Tirol zum Skifahren. Untergebracht ist die Truppe in einer Hütte bei Oberau. Dabei haben die Schafkopfer einen Koch – „der heißt Hop Sing (der chinesische Koch aus der TV-Serie „Bonanza“, Anm. d. Red.), das ist unser Hansi, der kocht dann für uns“, fügt Fichtel schmunzelnd an.

Die Verpflegung am Skiwochenende funktioniert nach eingefahrenen Regeln: Am Freitag, dem Anreisetag, bleibt in der Hütte die Küche noch kalt, gemeinsam kehren die Kartenspieler abends in eine Gaststätte ein. Am Samstag bereitet „Hop Sing“ ein feuriges Chili zu, und in der Nacht auf Sonntag sitzen die Freunde rund um den Fonduetopf.

Seit März gilt das digitale Exil für die Schafkopfrunde

Seit März ist Schluss mit den Präsenzrunden, seitdem treffen sich die Freunde im digitalen Exil. Und auch das Skiwochenende wird im bevorstehenden Winter nicht wie gewohnt stattfinden können. Aber den Spaß an der Freude haben die Kartler nicht verloren. Fünf Spieler zählt die Runde, aber nur vier sitzen beim Schafkopf am Spieltisch, auch am virtuellen.

Der virtuelle Spieltisch zeigt den Kartlern an, wie der Spielstand ist und wie das Spiel weitergeht.

Jeder Spieler gibt sich einen Avatar-Namen, ein Pseudonym. So ist Fichtel der „Unterbrunner“, Peter Sterr (55) aus Weilheim „Der Zahler“, und Martin Eickelschulte (49) nennt sich „Stierflecken Oehi“. Der IT-Unternehmer aus Starnberg ist seit etwa zwei Jahren Mitglied der Schafkopfrunde. Er ist als Ersatz für ein verstorbenes Mitglied zu der Gruppe gestoßen.

Der Gewinner appelliert an die Schulen: „Schafkopfen in den Lehrplan“

Diesmal wurden die Karten bis 22.30 Uhr gedroschen. Die meisten Punkte sammelte „Unterbrunner“ alias Roland Fichtel ein. Und der wartet noch mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit auf, genauer gesagt an die Verantwortlichen im Schulbereich: „Schafkopf ist ein so variantenreiches Spiel. In Zeiten, in denen man es auch virtuell spielen kann, wäre es eine Anregung für die Schulen, dieses traditionelle, sehr bayerische Spiel vielleicht in den Freizeitbereich der Schulen zu packen.

Es gibt auch Lehrer, die selbst gerne Schafkopf spielen“, erklärt Fichtel und endet mit dem Appell: „Nehmt Schafkopfen mit auf in den Lehrplan oder sonstwie in den schulischen Bereich. Sie werden begeisterte Schüler haben.“

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