Das Katzenhaus des Tierheims stammt aus dem Jahr 1977 und entspricht längst nicht mehr dem aktuellen Standard. Für den Ersatzbau rechnet der Tierschutzverein mit Kosten von 600 000 bis 700 000 Euro.
+
Das Katzenhaus des Tierheims stammt aus dem Jahr 1977 und entspricht längst nicht mehr dem aktuellen Standard. Für den Ersatzbau rechnet der Tierschutzverein mit Kosten von 600 000 bis 700 000 Euro.

Paragrafendschungel

Scheitert neues Katzenhaus an 50 cm?

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
    schließen

Der Tierschutzverein Starnberg möchte sein mehr als 40 Jahre altes Katzenhaus in den nahezu gleichen Ausmaßen durch einen Neubau ersetzen. Der Bauausschuss des Stadtrats hat dafür am Donnerstag das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Die Stadtverwaltung sieht jedoch eine rechtliche Hürde.

Starnberg – Die Bewertung der Stadträte war eindeutig. „Das versteht kein Mensch“, sagte Christiane Falk (SPD). „Da sieht man mal wieder, in welcher Paragrafenwelt wir leben“, betonte Josef Pfister (BMS). Und Dr. Johannes Glogger (WPS) sprach von einem „bürokratischen Wahnsinn“. Worum es in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend ging? Um den beantragten Neubau eines Katzenhauses auf dem Gelände des Tierheims am Franziskusweg.

Der Tierschutzverein möchte die aus dem Jahr 1977 stammenden Baracken ersetzen. „Wir haben dort kein fließend Wasser, keine richtige Heizung und keinen Quarantänebereich“, erklärt Vorsitzender Rainer Henkelmann im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Anlage entspreche nicht mehr den heutigen Hygieneanforderungen, sei aber nach wie vor von Tierschutzbund und Veterinäramt erlaubt. Die Einrichtung bietet Platz für 20 bis 25 Katzen. Geplant ist, den Bestand abzureißen und und durch einen „etwas größeren“ Neubau von 47 mal 7,70 Meter zu ersetzen. „Wir wollen und werden uns aber nicht vergrößern“, betont Henkelmann. Es sollen nicht mehr Katzen aufgenommen werden. „Wir wollen nur ordentlich arbeiten.“

Die Mitarbeiter müssten das Wasser beispielsweise in Schubkarren zum Katzenhaus transportieren, die elektrische Heizung sei nicht wirtschaftlich, schildert Henkelmann die aktuelle Situation. Der Neubau soll ebenfalls in Holzbauweise entstehen, einen Quarantänebereich und einen Krankenbereich erhalten, ebenso ein Arztzimmer. Für die Energiegewinnung sind Wärmepumpe und Solaranlage vorgesehen.

Die Unterstützung der Stadträte war dem Tierheim am Donnerstag gewiss. „Die Einrichtung ist notwendig und wird notwendiger denn je“, sagte zum Beispiel Ludwig Jägerhuber (CSU). Auch Bürgermeister Patrick Janik äußerte den „ausdrücklichen Wunsch, das Vorhaben zu ermöglichen“. Aber: Die Stadtverwaltung sieht ein rechtliches Problem. Dabei geht es um die Erschließung des Tierheims. „Das Vorhaben wird über den öffentlichen Feld- und Waldweg erschlossen, der eine durchschnittliche Breite von zwei Meter aufweist. Nach gültiger Rechtsprechung hat die Zuwegung eine Mindestbreite von 2,50 Meter vorzuweisen“, hieß es in der Sitzungsvorlage. Der Franziskusweg ist also 50 Zentimeter zu schmal. Deswegen empfahl die Verwaltung, das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen. Janik brachte stattdessen die Möglichkeit ins Spiel, einen Bebauungsplan aufzustellen, um das Vorhaben rechtlich abzusichern. „Wir müssen uns ans Gesetz halten“, sagte er. „Man kann aktuell nur hinfahren, indem man mit zwei Reifen auf Privatgrund fährt.“ Das sei nicht zulässig.

Seine Vorgängerin Eva Pfister beantragte schließlich, gegen die Vorbehalte der Verwaltung das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. „Durch einen Bebauungsplan wird die Straße auch nicht breiter“, sagte sie. Außerdem würde ein Bebauungsplanverfahren locker anderthalb Jahre dauern. 11:2 lautete schließlich das Ergebnis, lediglich Janik und Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) stimmten dagegen. Nun ist das Landratsamt am Zug. Es muss den Bauantrag des Tierschutzvereins prüfen. Professor Otto Gaßner (UWG) schwant da bereits Böses. „Das Blöde ist, dass wir auf den guten Willen des Landratsamtes angewiesen sind“, sagte er. Und die Behörde sitze „auf dem Ross der Paragrafen“. Nun sei Janiks Verhandlungsgeschick gefragt.

Vereinsvorsitzender Henkelmann versteht die Diskussion um die Straße „nicht wirklich“, wie er sagt. „Wir werden durch das neue Katzenhaus nicht mehr Parteiverkehr haben als jetzt“, betont er. Wenn die Genehmigung vorliegt, es die Corona-Situation zulässt und die Finanzierung steht, will der Verein loslegen. Das dauere aber noch ein bisschen, sagt Henkelmann. Im Tierheim gelten aktuell massive Corona-Sicherheitsregeln. Und um die geschätzten 600 000 bis 700 000 Euro Kosten inklusive Abriss des bestehenden Katzenhauses und Bodenplatte zu stemmen, müsse der Verein eine Spendenaktion starten. Eine Förderung vom Freistaat sei bereits angemeldet.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare