Verlassenes „Gesicht der Stadt“: Der Bayerische Hof ist weiter gesperrt, doch soll sein Zustand nun genau untersucht werden. Zudem wollen Stadträte und Verwaltung alles tun, damit die Gastronomie, etwa die „Taverna“, bald wieder öffnen kann.
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Verlassenes „Gesicht der Stadt“: Der Bayerische Hof ist weiter gesperrt, doch soll sein Zustand nun genau untersucht werden. Zudem wollen Stadträte und Verwaltung alles tun, damit die Gastronomie, etwa die „Taverna“, bald wieder öffnen kann.

Viele Fragen im Stadtrat

Schicksalstage für den Bayerischen Hof: „Gesicht der Stadt Starnberg“ wird genau untersucht

  • vonMichael Stürzer
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Der Bayerische Hof soll Stadteigentum und wie die Villa Bayerlein (VHS) und das Rondell in heutiger Form erhalten bleiben. Das befürwortet der Bauausschuss des Stadtrats.

Starnberg – Das Hotel Bayerischer Hof ist ein wunder Punkt der Starnberger Stadtgesellschaft – allein der Gedanke an einen Abriss kann einen Aufstand auslösen. Das ist keine neue Erkenntnis, erklärt aber den vollen Saal bei der Bauausschusssitzung am Donnerstagabend, denn Thema war das weitere Vorgehen beim gesperrten Traditionshaus. Von Abriss war keine Rede (mehr), vielmehr soll der Bayerische Hof samt Alter Oberschule, offiziell Villa Bayerlein, und Rondell in seiner Anmutung erhalten bleiben.

Entscheidend war die Festlegung, alle Daten zum Zustand zu sammeln und den Zustand genau zu prüfen – erst später soll über Ausschreibungen, Nutzungsmöglichkeiten und dergleichen gesprochen werden. Alle Stadträte waren sich einig, dass die Gastronomie, also Café, Hotel und „Taverna“, möglichst schnell wieder geöffnet werden sollten. Darüber entscheidet das Landratsamt.

Bayerischer Hof Starnberg: Fraktionen positionieren sich - eindeutig

In der Sitzung stellte die Verwaltung zunächst Geschichte und jüngste Entwicklungen dar, die durch ein Gutachten zur Sperrung des Gebäudes unter anderem wegen statischer Probleme und Einsturzgefahr sowie Brandschutzmängeln geführt hatten (offiziell: Nutzungsuntersagung durch das Landratsamt). Danach positionierten sich alle Fraktionen, und das eindeutig.

Ludwig Jägerhuber (CSU): „Es ist unstrittig, dass wir das Ensemble erhalten wollen. Damit identifiziert sich die Bevölkerung.“ Die UWG will zumindest den Erhalt der Fassade für die Stadtansicht, Dr. Thorsten Schüler betonte aber: „Wir brauchen eine umfassende Analyse.“ Marc Fiedler (FDP) wollte keine Debatte über Nutzungsmöglichkeiten, sondern erst die Analyse. Dr. Franz Sengl (Grüne) will ebenfalls die Fassade erhalten, forderte mit Nachdruck schnelle Lösungen für die Gastronomie, vor allem den Biergarten. Ähnlich äußerten sich die übrigen Fraktionen. Damit war die Analyse beschlossen – wie alles andere einstimmig.

Wie geht es mit dem Bayerischen Hof weiter? - Hotel in der Diskussion

Und was passiert dann? Die Stadt will Investoren über einen Wettbewerb suchen, der Ausschuss beschloss aber, dass die Grundstücke stadteigen bleiben sollen. Für die Nutzung gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Bürgermeister Patrick Janik sieht ein Hotel als gesetzt, viele andere auch.

Die SPD nicht: „Wir können es gerne mit einem Hotel versuchen“, sagte Christiane Falk, „aber ich glaube, das wird nicht funktionieren.“ Bisher habe es das auch nicht. Die SPD will eventuell die Musikschule dort unterbringen und deren heutiges Gebäude verkaufen, will aber auch Geschäfte und Kultur in dem Ensemble („damit es wuselt“).

Öffentliche Nutzungen wollen auch die Grünen, die UWG will ein Hotel „für die Starnberger“ (also keine Luxusherberge), die CSU lehnt Büros und Wohnungen erst einmal ab – die wären wohl so teuer, dass Starnberger außen vor blieben. So sieht es auch Dr. Johannes Glogger (WPS).

„Die Stadt kann das weder finanziell noch technisch stemmen“

Klar ist, dass es Neubauten im hinteren Bereich des Hotelgrundstücks geben muss – sonst geht das alles nicht auf. Wenn es an die konkreten Vorgaben für einen Investorenwettbewerb geht, der laut Janik noch heuer eingeleitet werden soll, sind also lebhafte Debatten zu erwarten, zumal es auch von privater Seite einige Konzepte gibt (wir berichteten).

Und wer macht es dann? Die Stadt schon mal nicht, so sehen es die meisten Stadträte – sie kann sich das schlicht nicht leisten. Die Grundstücke sollen stadteigen bleiben, Erbbaurecht käme in Frage. „Das können nur private Investoren machen“, sagte Schüler, und Sengl formulierte es so: „Die Stadt kann das weder finanziell noch technisch stemmen.“ Falk kann sich eine Kombination zwischen öffentlicher und privater Investition vorstellen.

Bayerischer Hof: Denkmalschutz, Café, „Taverna“

In der Vergangenheit gab es Interessenten, derzeit wohl auch – ob diese allerdings machen wollen, was der Stadtrat dann will, ist eine andere Sache. Ein Punkt ist auch der Denkmalschutz, mit dem die Stadt ebenfalls Eckpunkte umgehend klären will. Was ginge, was nicht?

Und was passiert mit Café und „Taverna“? Die Nutzungsuntersagung gilt, auch ein Gericht hat sie in der Klage des Hotelpächters gegen die Sperrung zunächst nicht aufgehoben. In Stein gemeißelt ist sie nicht: Sollte es neue Gutachten geben, erklärte Kreissprecher Stefan Diebl am Freitag auf Anfrage, werde das Landratsamt diese „sehr gerne“ in die Betrachtung einbeziehen. Heißt: Sind die Mängel doch nicht so schlimm, wäre eine Öffnung denkbar.

Im Rechtsstreit hat das Gericht einen unabhängigen Gutachter beauftragt, den Bayerischen Hof unter die Lupe zu nehmen. Ein Ergebnis ist bisher nicht bekannt. Ob und wann wieder geöffnet werden kann, ist daher nicht absehbar. Janik betonte im Ausschuss, die Stadtverwaltung arbeite an einer Lösung, machte jedoch klar: Sollte es Zweifel an der Sicherheit geben, werde er das Risiko einer Öffnung nicht eingehen.

Bayerischer Hof trotz bekannter Mängel lange ohne Sanierung

Und noch eine Frage: Wer hat’s vermasselt? Das ist der Punkt, an dem die Meinungen wohl am weitesten auseinander liegen. Einige, wie Angelika Kammerl (CSU), machten die ehemalige Bürgermeisterin Eva Pfister (BMS) verantwortlich, die 2015 Hinweise auf statistische Probleme ignoriert habe und Pachtverträge verlängert worden seien. Pfister wiederum bemängelte, man habe mit der Sperrung „zwei Existenzen auf den Weg ins Nichts geschickt“. Sie fürchtet einen jahrelangen Stillstand.

Franz Heidinger (BLS) stellte fest: „Unsere Vorgänger haben schon ein bisschen geschlafen.“ Und auch Sengl postulierte, die Stadt wisse seit 52 Jahren um den Sanierungsbedarf und habe „nichts getan“. Dass der Bayerische Hof lange trotz seit 40 Jahren bekannter Mängel lief, war dem früheren Pächter Rudi Gaugg (†) zu verdanken.

Der Bürgermeister beendete die Vergangenheitsbewältigung mit dem Hinweis, alle Bürgermeister der vergangenen Jahrzehnte könne man als böse hinstellen, weil sie nichts getan haben sollen, und ihn, weil er etwas getan habe – das bringe die Stadt aber nicht weiter.

ike

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