Beginn der Seenschifffahrt
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Die Schiffe legen derzeit nur in Starnberg ab und machen auch keinen Zwischenstopp.

Einschränkungen wegen Corona

Schiff-Rundfahrten bald auch ab Tutzing - reduzierter Fahrplan am Starnberger See trifft Wirte

  • Tobias Gmach
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Der eingeschränkte Fahrplan der Schifffahrt auf dem Starnberger See trifft Hotels und Restaurants. Immerhin: Rundfahrten sind bald auch ab Tutzing geplant.

Tutzing/Berg – Der Sonderfahrplan der Schifffahrt am Starnberger See gilt noch bis Sonntag, 14. Juni: Acht- bis zehnmal legen Schiffe pro Tag in Starnberg für einstündige Rundfahrten ab. Zwischenstopps machen sie nicht. Dass die Stege in den Seegemeinden nicht angefahren werden, besorgt gerade Hotelbetreiber und Gastronomen. Eine Hoffnung gibt es nun zumindest für die Tutzinger. Sobald der neue Steg fertig ist – frühestens Mitte Juni – sollen auch von dort Rundfahrten angeboten werden. Das kündigte Schifffahrt-Geschäftsführer Michael Grießer am Donnerstag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur an.

Die Aussicht vom Wasser aus genießen, durch Starnberg oder Berg spazieren und dann wieder zurückfahren: Fast jeder der Hotelgäste wolle mit dem Schiff die Gegend erkunden, sagt Antonia Juric, Rezeptionistin im Tutzinger Hotel am See. „Die Gäste wollen den See sehen. Sie kommen deshalb hierher.“ Die ersten Urlauber seit der Corona-Krise müssen nun per S-Bahn oder mit dem Auto nach Starnberg fahren, um dort ein- und wieder auszusteigen. Zum Hotel am See gehört die Taverna Santorini. Dass die Restaurantterrasse an sonnigen Tagen voll ist, liegt auch an der Schifffahrt. 30 bis 40 Prozent der Gäste seien zuvor mit dem Dampfer unterwegs, schätzt Juric. Trotz allem sagt die Rezeptionistin aber auch: „Wir hatten ein gutes Pfingstwochenende.“

Hotel Schloss Berg kann Lagevorteil nicht nutzen

Auf der anderen Seeseite liegt das Hotel Schloss Berg direkt an der Anlegestelle. Die Terrasse des Restaurants ist vom Wasser aus gut zu erkennen. „Die Leute sehen vom Schiff aus, dass bei uns Betrieb ist“, sagt Tim Schmidt-Burr, stellvertretender Geschäftsführer. Viele würden normalerweise aussteigen, um einzukehren. „Und die Hotelgäste fahren gerne mit dem Dampfer nach Starnberg.“ Schmidt-Burr übt vorsichtige Kritik an der Schifffahrt: „Ich habe das Gefühl, dass sie es sich recht einfach machen.“ Er wundert sich, warum mit beschränkten Fahrgastzahlen nicht der eine oder andere Steg angefahren werden könne. „Bei uns würden ja Leute zusteigen. Das würde sich ausgleichen.“ Das Restaurant sei aber trotz Corona und ausbleibender Gäste vom Wasser gut besucht. Bitterer Beigeschmack: „Wir mussten viele Gäste wieder wegschicken, weil wir ja weniger Plätze haben.“

Bernrieds Bürgermeister Georg Malterer findet die Situation „zwar nicht schön, aber in Corona-Zeiten unumgänglich wie viele andere Regeln auch“. Der Gemeinde bleibe nichts anderes übrig, als die Entscheidung der Seenschifffahrt zu akzeptieren, die auch erst Erfahrungen mit der ungewohnten Situation sammeln müsse. Ähnlich argumentiert der Seeshaupter Bürgermeister Fritz Egold: „Der reduzierte Fahrplan ist nachvollziehbar. So sind halt jetzt die Vorschriften, und wir müssen versuchen, im gemeinsamen Gespräch Lösungen zu finden, damit die Schiffe bald wieder auch bei uns anlegen.“

„Ein Haltepunkt am Südende wäre schon praktisch“

In Pandemie-Zeiten müsse man den Menschen eben vieles zumuten, meint Daniela Schulze vom Marina-Seerestaurant in Bernried. „Aber ein Haltepunkt am Südende des Sees wäre schon praktisch.“ Gabriele Krause vom Café am See in Seeshaupt sagt: „Natürlich fehlen uns die Tagestouristen von den Schiffen, aber allzu viele bringen wir aufgrund der Corona-Vorschriften gar nicht unter. Insofern tut uns die Situation nicht ganz so weh wie die Beschränkungen im vergangenen Monat.“

Der Bau des Tutzinger Stegs habe sich verzögert, weil die zuständige Firma aus Österreich zwischenzeitlich nicht einreisen konnte, erklärt Schifffahrt-Chef Michael Grießer. Und starker Wind habe das Schlagen der Pfähle erschwert. Andere Stege anzufahren, schließt Grießer mit den aktuellen Corona-Regeln noch aus. Die Gäste mit Namen und Verweildauer zu registrieren, sei im Linienbetrieb nicht möglich. Oder sehr aufwendig: Man müsste protokollieren, wer wann wo ein- und aussteigt. Und oftmals könnte aufgrund der begrenzten Plätze kaum noch jemand zusteigen. „Was sollen wir machen, wenn dann an einem Steg 30 Leute stehen?“, fragt Grießer.

Nicht mal ein Drittel der beiden Schiffe „MS Starnberg“ und „MS Seeshaupt“ könne man derzeit besetzen. Statt bei 800 liege die maximale Kapazität bei 250. Letztere Zahl gelte aber nur für den Fall, wenn alle Vierer- und Zweiertische mit maximal zwei Haushalten besetzt seien. Grießer: „Aber es fahren ja auch Einzelpersonen mit.“ Und der Geschäftsführer merkt noch an, dass auch die Plätze im Innenbereich eingerechnet sind. Seine Beobachtung vom sonnigen Pfingstwochenende: „Manche Leute wollen nur mitfahren, wenn sie draußen sitzen können.“

TOBIAS GMACH UND PETER STÖBICH

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