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Wohl bekomm’s: Heribert Wagner hat 2006 ein Brennrecht für seinen Erlhof erworben. Seitdem erzeugt er Apfel- und Zwetschgenbrand, Obstler sowie Traubenschnaps – allerdings nur in kleinen Mengen.

Hochprozentiges Hobby

Der Schnapsbrenner aus Hadorf

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Es ist ein hochprozentiges Hobby: Seit einigen Jahren hat Heribert Wagner für seinen Erlhof in Hadorf ein Brennrecht und erzeugt aus seinen Äpfeln, Zwetschgen und Birnen edle Schnäpse.

Hadorf – Es duftet nach vergorenen Äpfeln. Tropf, tropf, tropf. Langsam, aber beständig fließt aus dem Edelstahlhahn eine klare Flüssigkeit in ein 0,5-Liter-Bierkrügerl. „Das ist der so genannte Vorlauf“, erklärt Heribert Wagner. „Der muss weggeschüttet werden, denn der ist gesundheitsschädlich.“ Der 50-jährige Landwirt aus Hadorf hat vor einigen Jahren das Schnapsbrennen für sich entdeckt. Vorvergangene Woche, vom 2. bis 10. Januar, verarbeitete er das im Herbst geerntete Obst auf seinem Erlhof zu edlen Obstbränden.

Nachdem etwa ein Liter Vorlauf aus der Destillieranlage gelaufen ist, stellt Wagner einen 20-Liter-Ballon unter den Auslauf, um den edlen Feinbrand aufzufangen. An diesem Tag produziert er Apfelschnaps. Ein paar Tage zuvor hatte er die Apfelmaische bereits zum ersten Mal im Brennkessel erhitzt und den so genannten Raubrand erhalten. Der wird nun ein zweites Mal destilliert.

Aus 100 Liter Maische erzeugt Wagner auf diese Art und Weise etwa 3,5 Liter reinen Alkohol, das heißt, er gewinnt aus dieser Menge 40 bis 50 Liter trinkfertigen Schnaps. Das ist fast schon Wagners bisherige Gesamtjahresproduktion, „aber nach diesem Sommer mit den hohen Ernteerträgen ist es heuer wesentlich mehr“, sagt der Landwirt. Erstmals, seit er seit 2006 mit dem Schnapsbrennen begonnen hat, konnte er diesmal auch reinen Birnenbrand herstellen. „Sonst hat sich das nicht gelohnt, da landeten die Birnen immer im Obstler“, erklärt Wagner. Neben Äpfeln und Birnen verarbeitet der 50-Jährige noch Zwetschgen und Weintrauben. Das meiste Obst wächst auf seinem Anwesen. „Wir haben etwa 30 bis 40 Obstbäume.“

Der Erlhof in Hadorf hatte bis 2006 kein Brennrecht. Als in Bayern aber immer mehr Brennereinen schlossen und somit Brennrechte freigeworden sind, beantragte Wagner beim zuständigen Hauptzollamt die Erlaubnis zur Gewinnung von Alkohol aus landwirtschaftlichen Rohstoffen. Er erhielt ein so genanntes Abfindungsbrennrecht, das an einen landwirschaftlichen Betrieb gebunden ist. Die Destillieranlage kaufte er gebraucht von einem Schnapsbrenner im Zillertal.

„Das ist natürlich ein reines Hobby“, sagt Heribert Wagner. Das Knowhhow hat er sich selbst angeeignet. „Ich habe viel gelesen, Experten über die Schulter geschaut und mich so langsam herangetastet“, erzählt Wagner. Erst vor fünf Jahren, als die Hadorfer Burschen auf seinem Erlhof erstmalig den Lichtmessmarkt (heuer 2./3. Februar) veranstalteten, begann er, seine Erzeugnisse auch öffentlich zu verkaufen. Und in diesem Winter war er erstmals mit einem Stand bei der Maisinger Christkindldult vertreten. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt der Landwirt, dessen Kerngeschäft die Vermietung von Pferdestellplätzen ist. Der Erlhof mit Boxen, Freilaufställen, Reitplatz, großen Weideflächen und Koppeln bietet rund 50 Pferden Platz.

Bevor Wagner mit dem Schnapsbrennen beginnen darf, muss er den Zeitraum, in dem die Anlage läuft, und die Menge, die er destilliert, minutiös beim Zollamt anmelden. In diesem Jahr hat er 780 Liter Apfel-, 320 Liter Zwetschgen- und 80 Liter Birnenmaische verarbeitet. Seinen Traubenbrand wird er erst in ein paar Tagen produzieren. Pro gewonnenem Liter reinen Alkohol muss er 10,22 Euro Steuern bezahlen. Das ist gesetzlich so geregelt.

So allmählich füllt sich der Glasballon mit dem edlen Tropfen. Wagner misst permanent den Alkoholgehalt des Destillats, und als der Feinbrand 60 Prozent erreicht, nimmt er das Gefäß weg. Denn nun fließt nur noch der so genannte Nachlauf aus dem Hahn. Der ist zwar im Gegensatz zum methanolhaltigen Vorlauf nicht giftig, hat aber immer weniger Alkoholgehalt und trübt den Geschmack aufgrund von Fuselölen. „Nun lasse ich den erzeugten Brand ungefähr ein Jahr lang ruhen“, erklärt Wagner. „Das macht ihn geschmacksintensiver und milder.“ Das hat ihn seine mittlerweile zwölfjährige Brenn-Erfahrung gelehrt. Und dann wird der Feinbrand mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt und es heißt: „Zum Wohle“.

Stichwort Abfindungsbrennerei

Abfindungsbrennerei bezeichnet eine Brennerei, in der unter Verwendung eines Brenngerätes Branntwein hergestellt wird und nicht zollamtlich verschlossen ist. In der Regel werden Abfindungsbrennereien von landwirtschaftlichen Betrieben zum Zuerwerb unterhalten. Der Antragsteller des Brennrechts muss ein wirtschaftliches Bedürfnis nachweisen. Das ist gegeben, wenn der Antragsteller drei Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche oder 1,5 Hektar Intensivobst einschließlich Weinbau nachweisen kann. 

In einer Abfindungsbrennerei darf aus genau definierten Rohstoffen nur eine bestimmte Menge an Alkohol gewonnen werden. Einer der wesentlichen Besonderheiten einer Abfindungsbrennerei ist, dass die steuerlichen Abgaben nach Art und Menge der verarbeitenden Rohstoffe (Maische) bemessen werden und nicht nach der effektiv erzeugten Menge Alkohol. Diese durch das Bundesfinanzministerium festgelegte Alkoholmenge ist zu versteuern. 

Damit die Behörden die Steuern erheben können muss der Abfindungsbrenner das Brennen einige Tage vor dem eigentlichen Brennvorgang auf einem entsprechenden Formular (Brennereianmeldung) anmelden. Mit der Brennereianmeldung meldet der Abfindungsbrenner die Menge der Maischen getrennt nach Art (Fruchtart), Bezeichnung der einzelnen Maischengefäße, Gesamtmenge der Maischen und den Ort, Datum sowie Uhrzeit von Beginn bis Ende des Destillationsvorganges beim zuständigen Zollamt an. Die Zollbehörde hat das Recht, jederzeit und unangemeldet den Abfindungsbrenner zu kontrollieren. 

Weitere Besonderheiten der Abfindungsbrennerei:

• Ein Abfindungsbrenner darf nur ein Brenngerät betreiben, welches nur eine Brennblase von maximal 150 Liter haben darf.

• Der Abfindungsbrenner darf nicht mehr als 300 Liter Alkohol pro Jahr herstellen

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