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Stau auf der Starnberger Hauptstraße: Der Tunnel verliert bald seien Genehmigung - und eine Umfahrung dauert Jahre.

Verkehrsentlastung für Starnberg

Schnell für den Tunnel - oder er ist weg

Starnberg - Neue Erkenntnisse haben Stadträte aus dem Gespräch mit Vertretern des Innenministeriums gewonnen. Klar wurde auch: Will sich die Stadt die Chance auf den B 2-Tunnel bewahren, muss sie sofort handeln.

In die Verkehrsentlastung Starnbergs wird nach dem Gespräch von einem Drittel des Stadtrats und Bürgermeisterin Eva John am Donnerstagnachmittag bei der Obersten Baubehörde in München Bewegung kommen. Drei Stunden dauerte der Austausch, den alle Teilnehmer als kompetent, sachlich und gut beschreiben. Bei der Einschätzung der Ergebnisse gehen die Meinungen schon auseinander. Kurz gefasst: Derzeit beteiligt sich der Freistaat keinesfalls an einer Umfahrung, wie auch immer diese aussehen mag. Und der Tunnel droht in der Versenkung zu verschwinden, wenn die Stadt nicht binnen weniger Wochen zugreift.

Es war letztlich mehr als ein reines Informationsgespräch über einen Fragenkatalog, den der Stadtrat im vorigen Oktober beschlossen hatte. Im Kern ging es darum, die Alternativen zum B 2-Tunnel auszuloten. Eva John empfand das Gespräch als „sehr kompetent“, allerdings sei vieles schon vor Monaten bekannt gewesen. So die Aussage, dass die Oberste Baubehörde im Falle B 2-Tunnel die Interessen des Bundes vertrete und damit einen möglichst schnellen Verkehrsfluss auf der B 2. Die Belange Starnbergs würden aber anerkannt, gab John ihren Eindruck wieder. Deswegen werde sie der Freistaat an Umfahrungsplanungen nicht beteiligen. „Wir müssen erstmal alleine gehen“, sagte John. Im Prinzip war das auch keine neue Erkenntnis.

Tunnel-Genehmigung verfällt 2018

Neu hingegen ist, dass der Bund die Mitte nächsten Jahres auslaufende Genehmigung für den B 2-Tunnel nicht verlängern lassen will. Gründe dafür sind dem Vernehmen nach sowohl der Aufwand als auch die Realisierungsaussichten. Die Vertreter der Obersten Baubehörde um Ministerialrat Dr. Thomas Linder legten der Stadt nach Teilnehmeraussage nahe, sich möglichst umgehend zu entscheiden, ob sie den Tunnel nicht doch wolle – dann könnte er auch gebaut werden. So haben es auch die Stadträte verstanden: „Wir müssen uns schnell entscheiden, um den Strohhalm B 2-Tunnel zu bekommen“, sagte etwa Martina Neubauer (Grüne). Denn: Die Genehmigung müsste verlängert werden, bevor sie abläuft. Das Verfahren ist aufwendig, und die Bundesregierung wird wegen der Neuwahl im Herbst ab Pfingsten nur noch eingeschränkt entscheiden. Heißt: In den nächsten Wochen muss sich der Stadtrat positionieren, dann könnte noch innerhalb der jetzigen Genehmigung gebaut werden.

Markus Mooser (WPS) sieht es andersherum: „Den Tunnelleuten läuft die Zeit davon.“ Die Ankündigung zur Genehmigung wertet er als „absolut gute Nachricht“ für die Umfahrungsbefürworter bzw. Tunnelgegner. Eigentlich, sagte er am Abend, seien mit der Aufhebung der Tunnelbeschlüsse vor einigen Monaten die Weichen schon gestellt.

Fazit zum Tunnel: Im Stadtrat steht eine Debatte an, der Ausgang wird spannend. Ehemalige Pro-Umfahrung-Allianz-Mitglieder wie die Parteifreien haben sich noch nicht positioniert.

Umfahrung liegt in Hand der Stadt

Und was gab es Neues zu den Chancen einer Umfahrung? Thomas Beigel (CSU) hat aus dem Gespräch viele mögliche Komplikationen für eine Umfahrung herausgehört und einen Zeitrahmen von mindestens 10 bis 15 Jahren. In jeder Hinsicht sei es ein gutes Gespräch gewesen. „Jetzt weiß jeder, was Sache ist, auch wenn man alles schon einmal gehört, aber vielleicht nicht geglaubt hat.“ Damit meinte er vor allem die Umfahrungsbefürworter. Mooser hingegen freute sich über die Aussage, dass es letztlich allein Sache der Stadt sei, eine Umfahrung zu planen. Er und sein Fraktionskollege Dr. Klaus Huber übergaben der Obersten Baubehörde gleich noch das Umfahrungskonzept von Prof. Kirchhof mit der Bitte um Prüfung.

Die Vertreter der Behörden spielten mit den Starnbergern eine Straßenmodelle durch, ohne deren Realisierungschancen zu bewerten. Hürden wie Grunderwerb, Natur und Wasserschutz bestehen für eine Umfahrung weiter. Eva John ist dennoch zuversichtlich: „Es dauert seine Zeit, aber am Geld wird es in Starnberg nicht liegen. “ Sie ist optimistisch, Belange von Bund und Stadt seien „nicht konfliktbelastet“ und könnten gemeinsam gelöst werden.

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