Geschichtsträchtiges Haus mit beliebten Lokalen: der Bayerische Hof in Starnberg. Hotel, Café Prinzregent und „Griechische Taverna“ mussten schließen.
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Geschichtsträchtiges Haus mit beliebten Lokalen: der Bayerische Hof in Starnberg. Hotel, Café Prinzregent und „Griechische Taverna“ mussten schließen.

Schnelles Ende mit langer Ansage

Einsturzgefährdeter Bayerischer Hof: Beliebter Grieche muss vom einen auf den anderen Tag schließen

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Es musste irgendwann so kommen: Der Bayerische Hof ist seit gestern geschlossen. Die Stadt zieht die Notbremse, das Denkmal ist einsturzgefährdet. Ein Abriss ist wahrscheinlicher als eine Sanierung. Damit verliert Starnberg wohl ein historisches Hotel und die Gastro-Institution „Griechische Taverna“.

Starnberg – Die Stammgäste wollten noch einmal Essen holen, am Sonntagabend kamen sie mit Briefen und kleinen Präsenten in die „Griechische Taverna“ zum Starnberger Bahnhofplatz. Manche hatten Tränen in den Augen. „Es war sehr bedrückend“, erzählt Steffen Lebisch, der sich für ein letztes Gyros in die Schlange stellte. Er kann die traurige Nachricht, die sich schnell herumgesprochen hatte, nicht fassen: Das Restaurant, eines der beliebtesten der Stadt, ein Familienbetrieb seit 1997, musste gestern schließen. Aber nicht nur das: Der ganze Bayerische Hof, erbaut 1865, das historische Hotel mit dem Café Prinzregent, darf keine Gäste mehr empfangen. Ein Treffpunkt für Starnberger, für Vereine und Parteien ist am Ende.

Warum? Weil die „Gefährdungslage für Leib und Leben erheblich ist“, heißt es in Bürokratendeutsch aus dem Rathaus. Das denkmalgeschützte Gebäude ist einsturzgefährdet, das Dach könnte unter der nächsten Schneelast zusammenbrechen. Tragisch sind nicht nur die Szenen vom Sonntag vor der Taverna, tragisch ist auch die Erkenntnis: Es musste irgendwann so kommen. Der schlechte Zustand des Gebäudes ist seit Jahren bekannt, „akuter Handlungsbedarf“, wie ihn die Stadt jetzt anmahnt, bestand schon unter Führung der Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger und Eva Pfister.

Mitgenommen sieht das Haus nicht nur von außen aus. Hauptproblem ist die Instabilität des Daches.

Am Montag vergangener Woche war der Bayerische Hof in der nichtöffentlichen Stadtratssitzung Thema. Erstmals wieder seit 2014. Konfrontiert mit den großen Bedenken der Bauverwaltung und eines Statikers, entschied das Gremium, den Betrieb zu stoppen. Am Montagmorgen baten Stadt- und Kreisvertreter die Pächter dann zu einem Gespräch, wie Bürgermeister Patrick Janik auf Nachfrage berichtet. Das Ergebnis laut Pressemitteilung: „Beide Pächter haben zugesagt, dass sie bis auf weiteres den Betrieb des Hotels und des Restaurants einstellen.“ Ein Nutzungsverbot des Landratsamts wollte man vermeiden. Hätten sich die Pächter geweigert, wäre es aber dazu gekommen. Auf Nachfrage des Starnberger Merkur wollten die Pächter das Thema gestern nicht vertiefen.

Taverna-Stammgäste wie Steffen Lebisch fragen sich, warum die Stadt als Eigentümer den Wirt erst so kurzfristig über die unausweichliche Schließung informiert hat. Bürgermeister Janik sagt, die Ergebnisse des Statikers habe man erst vorletzte Woche bekommen. Allerdings habe es vor zwei Monaten ein Gespräch mit den Pächtern gegeben. Spätestens seitdem hätten die Betreiber mit dem Aus rechnen können. Auch dass die Pachtverträge seit Jahren nur um ein Jahr verlängert wurden, „hätte Zeichen genug sein können“, so Janik. So klar angekommen sind die Signale offensichtlich nicht in der Taverna – man hatte sich auf viele Weihnachtsbestellungen eingestellt und jede Menge eingekauft, berichten Stammgäste.

Das vornehmste Haus am Bahnhofsplatz: der Bayerische Hof, erbaut 1865, im Jahr 1880.

Auch wenn es am Ende verdammt schnell ging, ist es ein Ende mit langer Ansage. Die Nutzung von Dachgeschoss und zweitem Obergeschoss wurden dem Hotel bereits 2011 behördlich untersagt. Ein Sanierungsbedarf von 2,7 Millionen Euro stand schon 2012 im Raum. Wie wohl demnächst wieder gab es Diskussionen über den Verkauf des Areals an einen Investor. Die Altersschwäche des Hauses diagnostizierte ein Statiker schon damals, das Landratsamt meldete für Teilbereiche „eine erhebliche Gefahr für Leben und Gesundheit“ von Gästen und Angestellten. Im Februar 2012 berichtete der Merkur vom „noch nie richtig tragfähigen Dachstuhl, an dem außer dem Zahn der Zeit auch Holzwurm und Feuchtigkeit genagt haben“, von „in der Tragfähigkeit eingeschränkten Geschossdecken, fehlenden Brandschutztüren sowie Fluchtwegen“, von Holzbalken über dem Café Prinzregent, die zehn Zentimeter nach unten gerutscht waren. Auch dass uralte Elektrik und Wasserleitungen (Stichworte Kurzschlüsse und Legionellen) problematisch sind, ist im Rathaus seit Jahren bekannt.

„Vom eigentlichen Ausmaß“ wurde Janik, erst seit März Bürgermeister, im Dezember überrascht. „Wir hätten nicht erwartet, dass die Mängel am Gebäude so drastisch und massiv sind.“ Das Gebäude wird nun stillgelegt und gesichert, eventuell mit Bauzäunen. Die Stadtverwaltung werde sich mit großem Nachdruck kurzfristig Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Der Stadtrat soll so bald wie möglich über das Thema beraten. Einen Schluss lassen die Ergebnisse der Statikprüfung laut Janik aber schon jetzt zu: Ein Abriss ist wahrscheinlicher als eine Sanierung.

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Baufällig ist auch die Musikschule in Starnberg. Sie könnte einen neuen Konzertsaal im Dach bekommen. Aber nur, wenn sich der Stadtrat für die erste von vier möglichen Varianten entscheidet. Auch ein Neubau an anderer Stelle und die Zusammenlegung mit der VHS kommen in Frage.

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