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„Schönstes Landratsamt Bayerns“: Architektur als Motivation in Starnberg

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Und Schnitt: Virginia Oswald (l.) und Mandy Winkler (r.) hielten das Band, das Kreiskämmerer Stefan Pilgram, Landrat Stefan Frey, Architekt Prof. Fritz Auer, Altlandrat Karl Roth, der ausführende Architekt Dominik Fahr und Hans Michael Lemmer als Projektleiter des Landkreises (v.l.) durchschnitten. Kommende Woche ziehen die ersten Mitarbeiter in ihre neuen Büros ein. 
Und Schnitt: Virginia Oswald (l.) und Mandy Winkler (r.) hielten das Band, das Kreiskämmerer Stefan Pilgram, Landrat Stefan Frey, Architekt Prof. Fritz Auer, Altlandrat Karl Roth, der ausführende Architekt Dominik Fahr und Hans Michael Lemmer als Projektleiter des Landkreises (v.l.) durchschnitten. Kommende Woche ziehen die ersten Mitarbeiter in ihre neuen Büros ein.  © Andrea Jaksch

Fast auf den Tag genau drei Jahre nach Beginn der ersten Arbeiten hat der Landkreis am Freitag den Anbau ans Landratsamt eingeweiht. Landrat Stefan Frey sprach erneut vom „schönsten Landratsamt Bayerns“, Altlandrat Karl Roth erinnerte an viele Widrigkeiten.

Starnberg – Karl Roth, Landrat bis 2020, hat sich seine zweite Amtszeit viel mit dem Anbau ans Landratsamt befassen müssen, nicht immer war das ein Spaß. Erinnert sei an die erste, völlig abwegige Kostenschätzung von 6,5 Millionen Euro, bei der Roth bis heute nicht weiß, wer sie eigentlich in die Welt gesetzt hatte. Am Ende sind es 23,4 Millionen Euro. Bei der offiziellen Einweihung des Neubaus am Freitagnachmittag war da alles vergessen und Karl Roth zufrieden. „Es ist wie früher“, sagte er mit Blick auf seine zwölf Jahre im Amt, „und doch nagelneu“. Manche Entscheidung Roths wirkt nach, nicht unbedingt zur Freude seines Nachfolgers Stefan Frey.

„Dich muss ich heute noch aufs Glatteis führen“, kündigte Frey bei der Begrüßung mit Blick auf Roth an. Grund: Karl Roth hatte entschieden, dass der Landrat im Altbau bleibt, Frey wäre gerne in den Anbau umgezogen. Als das beschlossen wurde, scherzte Roth, sei von Frey noch nicht die Rede gewesen. Der eigentliche Grund sei die Nähe zum Sitzungssaal gewesen, in dem der Landrat oft sein muss – für Beratungen, aber auch zur Begrüßung bei Veranstaltungen. Roth fürchtete, beim Weg vom Neu- in den Altbau so oft unterwegs aufgehalten zu werden, dass er zu spät kommt. Das Büro des Landrats ist aber nur ein Nebenaspekt der Erweiterung.

Rund 430 der insgesamt 572 Landkreis-Mitarbeiter können nun im Landratsamt arbeiten. Zwar habe es vielen in den Außenstellen gefallen, sagte der evangelische Pfarrer Johannes de Fallois bei der Segnung, doch habe dort der Kontakt zu anderen gefehlt. Die Segnung selbst nahm der katholische Pfarrer Dr. Tamás Czopf vor, der eine kleine Flasche Weihwasser hervorholte. Beim Bau selbst helfe nur Können, doch durch den Segen bekomme der Anbau eine Verbindung zur Quelle des Lebens. Als Geschenk hatten die beiden Geistlichen Frey ein kleines Kreuz mitgebracht, ohne zu wissen, ob in dem Verwaltungsbau eines aufgehängt wird – schließlich seien dort wohl alle Weltreligionen zu Gast.

Tolle Lage: Dieses Bild zeigt das komplette Landratsamt während der Bauphase des Anbaus (Bildmitte)
Tolle Lage: Dieses Bild zeigt das komplette Landratsamt während der Bauphase des Anbaus (Bildmitte). © Auerweber

Frey und Roth erinnerten an die Geschichte des Anbaus, die zehn Jahre zurückreicht. Der Altlandrat sprach von „Widrigkeiten ohne Ende“, von Problemen bei der Zustimmung der Stadt. Er habe immer aus dem Fenster auf den geplanten Bauplatz geschaut und „gewartet und gewartet“. Frey verwies auf Kontaminationen im Boden, auf den schwierigen Baugrund – der erste Pfahl der Gründung sei so tief gesunken, dass man ihn nicht wiederfand. Der Anbau steht übrigens auf 325 Pfählen, die bis zu 70 Meter tief reichen. Alle zusammen wären zwölf Kilometer lang, sagte Dominik Fahr von Auer Weber Architekten, die sowohl den Alt- als auch den Neubau konzipiert haben. Am Gesamteindruck des Landratsamtes – der Altbau bekam 1989 den Deutschen Architekturpreis – freuen sich die Landräte dauerhaft. Roth weiß von Besuchern, die erst mehrfach dran vorbeigelaufen sind, weil sie das Gebäude nicht für eine Behörde gehalten hatten.

Entscheidend für Frey ist jedoch, dass es „ein Haus für alle“ sei, das einem Landrat des Herzen springen lasse. Das Gebäude trage mit Helligkeit und anderem den Service-Gedanken eines „tollen Teams“ nach außen. So sieht es auch Roth: Die Architektur und deren Freundlichkeit übertrage sich auf Kunden und Mitarbeiter.

Prof. Fritz Auer, Planer des 33 Jahre alten Altbaus, attestierte allen Landräten der vergangenen 45 Jahre, dass sie im Lauf der Planungen zu Architekturfans geworden seien. Er habe sich seinerzeit von Wasser, Holz und eher niedrigen Bauten der Wassersportsiedlung inspirieren lassen und kein Amtsgebäude geplant, wie es damals üblich war. Die Qualität von damals setze sich im Anbau fort.

Frey geht davon aus, dass der Kostenrahmen von 23,4 Millionen Euro eingehalten wird. Stolz ist der Landkreis auf die Energiebilanz, denn die Vorgaben seien übererfüllt. Bei der Wärmegewinnung, sagte Fahr, ist der Bau klimaneutral, die Solaranlage produziere sogar mehr Strom als benötigt.

Noch einmal zurück zum Landratsbüro: Karl Roth riet seinem Nachfolger, die Ruhe am jetzigen Standort zu genießen. Man könne schön auf den Teich mit seinen Karpfen schauen, wenn man telefoniere.

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